JUBILÄUM! Theater Akzent feiert 30-jähriges Bestehen

INTERVIEW

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JUBILÄUM! Theater Akzent feiert 30-jähriges Bestehen

(FOTO: KOSMO)

Das Theater Akzent wurde im Jahr 1989 von der Wiener Arbeiterkammer gegründet. Seit drei Jahrzehnten lockt das Theater viel junges Publikum an und gehört zu den größten Kulturinstitutionen, wenn es um Musik und Theater aus dem südosteuropäischen Raum geht. Wir sprachen mit dem Theaterdirektor Mag. Wolfgang Sturm.

Was bedeutet das Jubiläum für Sie?
Für mich ist es ein sehr wichtiges Jubiläum. Als ich gefragt wurde, das Theater zu übernehmen, war so ein Erfolg nicht absehbar. Die Arbeiterkammer, die Eigentümerin des Hauses ist, wollte dieses Theater eigentlich im Jahr 2000 bzw. 2005 schließen. Grund hierfür waren, unter anderem, zu hohe Kosten und Unzufriedenheit mit dem Programm. Daraufhin wurde ein Konzept vonseiten der AK erstellt, dass das finanzielle Risiko des Theaters gegen Null tendieren lassen sollte. Dies umfasste ein Schrumpfen des gesamten Teams und eine Reduktion der Vorstellungen auf 100 pro Jahr, – alles auf Vermietung. Unter diesen Bedingungen habe ich die Position des Direktors angenommen, denn wie oft wird einem eine derartige Chance schon angeboten.

Sie sind mittlerweile 15 Jahre Direktor. Welche Dinge standen bei Ihrer Amtsübernahme ganz oben auf der To-Do-Liste?
2005 und 2006 waren mit Sicherheit meine schwersten beruflichen Jahre, da das Vertrauen von jeder Seite gefehlt hat. Von daher bin ich einfach stolz, dass die Rettung des Theaters geklappt hat. . Ich glaube, dass das Theater so dasteht, dass es keine Intentionen seitens der Arbeiterkammer gibt, das Haus zu schließen. Ganz im Gegenteil: wir sind bei rund 300 Veranstaltungen, der Großteil keine Vermietungen. Nicht zuletzt mit einem kleinen aber sehr engagierten Team ist es gelungen, unseren „Gemischtwarenhandel“, dessen vielfältiges Angebot an unterschiedliche Zielgruppen schwer zu vermitteln ist, außergewöhnlich gut in der Wiener Kulturlandschaft zu positionieren.

“Von Anfang an legte das Theater großen Wert auf aktuelle gesellschaftliche Themen und Offenheit gegenüber anderen Kulturen, die in der Hauptstadt zusammenleben.”

Welche Schwerpunkte haben Sie sich für die kommenden Jahre gesetzt?
Was mich persönlich sehr reizen und interessieren würde, wären noch mehr Eigentheaterproduktionen. Mittlerweile haben wir drei Abonnements: eines für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren, eines ab 12 Jahren – die schwierigste Zielgruppe und ein Abo für Erwachsene. Diesen Bereich sehe ich am ausbauwürdigsten, da mir Theater ganz besonders am Herzen liegt. Es gibt nichts Schöneres als einem Stück oder Inhalt zu folgen und sich in Figuren hineinzuversetzen, die man auf der Bühne sieht und Parallelen im eigenen Leben zu entdecken. Mehr internationale Konzerte wären in den kommenden Jahren auch anzustreben. Das Theater bietet sich als intimer Rahmen für gewisse Künstler und Künstlerinnen perfekt an.

Von Anfang an legte das Theater großen Wert auf aktuelle gesellschaftliche Themen und Offenheit gegenüber anderen Kulturen, die in der Hauptstadt zusammenleben. (FOTO: Theater Akzent/Bruno Klomfar)

Das Theater Akzent ist vielen Mitgliedern der BKS-Community aufgrund der zahlreichen Veranstaltungen in der Muttersprache bekannt…
Das interkulturelle Programm gestaltet sich so, dass uns verschiedene Vereine und Organisationen kontaktieren und für Gastspiele anfragen. Dabei handelt es sich um keine kuratierten Inhalte, da ich niemanden hätte, der die Fachkenntnis hat und die breite Palette von Kroatien, Bosnien, Serbien bis in die Türkei – also gesamt Südosteuropa – abdecken könnte. Deswegen sind wir auf die Vereine angewiesen, die uns im Vorfeld davon überzeugen, ob und warum sie eine Veranstaltung zu uns ins Theater bringen möchten. Aufgrund der Besucher und Rückmeldungen glaube ich, dass das sich das Theater in den letzten zehn Jahren einen Namen in diesem Segment gemacht hat. Man weiß, dass es in Wien einen Ort gibt, wo man sowohl Theater als auch Konzerte dieser Art veranstalten kann.

Warum ist so ein interkultureller Austausch für Kunst und Kultur von so großer Wichtigkeit?
Die eine Seite der Geschichte ist, dass in Wien ein hoher Prozentsatz von Menschen mit Migrationshintergrund lebt. Daher finde ich es gut, ihnen die Möglichkeit zu geben, diesen Kontakt zur Sprache und zur Kultur des Herkunftslandes zu pflegen und diese konsumieren zu können. Das Zweite ist, dass ich Kultur als verbindend ansehe – allein aus diesem Grund ist dieses Angebot wichtig. Bei Musik ist es einfacher, Konzerte locken auch Menschen nur mit Kenntnis der deutschen Sprache an. Bei Aufführungen in der Muttersprache, womöglich ohne Untertitel, wird es einfach immer ein in sich geschlossener Kreissein. Dies ist mit Sicherheit von großer Wichtigkeit aber dennoch nicht der ideale Weg des kulturellen Austausches. Was man jedoch nicht unterschätzen darf, ist die Zusammenarbeit mit den Schulen und das Kinder-Abo. Dadurch kommen viele Kinder mit Migrationshintergrund das erste Mal mit dem Theater in Berührung und das gibt Hoffnung für die Zukunft.

„In einer Zeit der Sozialen Medien wird das reale Erlebnis an Bedeutung gewinnen, so auch das Theater”, erklärte Sturm. (FOTO: KOSMO)

Apropos Jugend: Wir leben in einer Zeit der Digitalisierung und rapiden technischen Neuerungen. Welchen Stellenwert hat das Theater überhaupt in der modernen Gesellschaft?
Diese Diskussion gibt es im Theater noch nicht so, da die Digitalisierung viel zu rasch fortgeschritten ist. Ich glaube, dass es so ähnlich wie mit einem Buch ist. Es gibt E-Book-Reader und Verfechter des gedruckten Buches. Auch wenn sich gewisse Dinge gelockert haben und das Theater womöglich nicht mehr als so stark elitär angesehen wird, so haben wir immer noch dieselbe Auslastung wie vor 30 Jahren. Ich glaube ich könnte es gegenteilig formulieren: Aufgrund der Überflutung durch soziale Medien und digitale Kommunikationsformen wird das reale Erlebnis seltener und deswegen wird es wohl auch in den kommenden Jahren wieder an Bedeutung gewinnen. Was man zurecht sagen muss, ist dass es für die Jungen einfach nicht cool ist, ins Theater zu gehen. Aber auch für mich war das Theater als 13-Jähriger nicht cool. Ich bin, zum Beispiel, als Student durch die Musik ins Theater „gekippt“. Ich habe die Musik von Franz Morak geliebt und herausgefunden, dass er auch im Burgtheater spielt. Ich habe mir als Student eine ermäßigte Karte geholt und ihn so live aus den ersten Reihen sehen dürfen. Und von da an hat mich das Theater gepackt. Auch deswegen sind die Kinder-Abos so wichtig. Ich glaube wer schöne Theatererlebnisse als Kind gehabt hat, kehrt irgendwann wieder dorthin zurück.

(FOTO: Theater Akzent/Bruno Klomfar)

THEATER

  • A attraktiv
  • K kunterbunt
  • Z zeitgenössisch
  • E eindrucksvoll
  • N neugierig
  • T tolerant

 

Sie sind für die ex-jugoslawische Community die wohl bedeutendste Kulturinstitution in Wien und haben eine Monopolstellung inne. Sind Sie sich dieser Rolle bewusst und wie kommentieren Sie das?
Wir haben diese Position nicht automatisch angestrebt. Allerdings war es uns immer ein großes Anliegen, ein interkulturelles Angebot anzubieten. Dies wird schlussendlich auch von der Arbeiterkammer unterstützt. Ich finde es großartig, dass wir so etwas haben. Gleichzeitig weiß ich nicht so genau, ob es auch außerhalb so bekannt ist, dass es das nur im Akzent gibt. Was mir jedoch aufgefallen ist, dass Vereine und Organisationen selten Gastspiele von Kinder- und Jugendstücken aus dem ost- südosteuropäischen Raum zu uns ins Theater bringen. Ich finde es schade, dass in diesem Bereich wenig passiert.

„Es ist wichtig, Menschen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit zu geben, den Kontakt zur Sprache und zur Kultur des Herkunftslandes zu pflegen und konsumieren zu können.“

Drei Jahrzehnte werden mit Sicherheit groß gefeiert. Worauf dürfen sich die Theaterfreunde freuen?
Wir haben eine große Gala gehabt und einen Film „30 Jahre Akzent“ produzieren lassen, der auf der Website zu sehen ist. Der große Abschluss von 30 Wochen Festprogramm ist ein Familienfest am 25.4.2020 für Groß und Klein, ab 2 Jahren aufwärts. Das Programm umfasst zahlreiche Punkte, wie eine Märchenstunde, Kinderkabarett, das Theaterstück „Peter Pan“-, Kinderschminken, Silent-Disco, Beatbox-Workshop, Theaterworkshops, Bühnenführungen und vieles mehr. So ein Fest haben wir bereits vor fünf Jahren veranstaltet und es war ein großer Erfolg. Dies ist einer der Meilensteine unseres Feierns. Und selbstverständlich gibt es in den nächsten Wochen auch tolle Veranstaltungen und mit Sicherheit ist für jeden Geschmack etwas dabei.

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Der gebürtige Wiener hatte seine ersten Berührungspunkte mit Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien der gebürtige Wiener bereits im Teenageralter. Ihre Sprache faszinierte ihn sehr schnell und die Liebe zum Balkan führte ihn bis zum Abschluss des Studiums der Slawistik (B/K/S). Heute ist er ein hervorragender Kenner der Balkangeschichte, der südslawischen Sprachen sowie der kleinsten kulturellen Nuancen der bosnischen, kroatischen und serbischen Dialekte. Mit einem kritischen Blick auf dem Balkan, schreibt er seine Texte aus einer besonderen, transslawischen, internationalen Perspektive, und seine Kritik lässt niemanden unberührt.