Ebola kehrt in den Kongo zurück – diesmal in einer Region, die bereits von Gewalt und Chaos zerrissen ist.
In der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo ist ein neuer Ebola-Ausbruch bestätigt worden. Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC gab am Freitag bekannt, dass in der an Uganda und den Südsudan angrenzenden Region vier Menschen an der Krankheit gestorben sind. Ein Labor in der Hauptstadt Kinshasa habe bislang 13 Fälle labordiagnostisch gesichert.
Die Gesamtzahl der Verdachtsfälle liegt laut Africa CDC derzeit bei 246, während 65 Todesfälle gemeldet wurden. Erste Laborergebnisse legen nahe, dass es sich nicht um den am häufigsten auftretenden Zaire-Ebolavirus handelt, sondern um eine andere Virusvariante. Ergebnisse einer Sequenzierung zur näheren Charakterisierung des Stammes werden der Behörde zufolge innerhalb der nächsten 24 Stunden vorliegen.
Angesichts der Tatsache, dass der Ausbruch in einer städtischen Grenzregion mit starkem Personenverkehr aufgetreten ist, zeigt sich die Gesundheitsbehörde besorgt über das Potenzial einer weiteren Verbreitung. Um die Reaktion zu koordinieren, wurde eine dringende Sitzung mit Gesundheitsbehörden aus dem Kongo, Uganda und dem Südsudan sowie internationalen Gesundheitsorganisationen einberufen.
Bekannte Gefahr
Ebola-Ausbrüche sind in der Region kein seltenes Phänomen. Zuletzt war im Herbst des vergangenen Jahres die Provinz Kasaï im Süden des Landes, nahe der Grenze zu Angola, betroffen. Die ausgedehnten Tropenwälder des Kongobeckens gelten als natürliches Reservoir des Erregers, der sich über den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen überträgt.
Das klinische Bild umfasst Schwächegefühl, Muskelschmerzen, Kopf- und Halsschmerzen sowie Erbrechen und Durchfall. Ohne rasche medizinische Behandlung kann die Sterblichkeitsrate nach Angaben des Robert Koch-Instituts bis zu 90 Prozent betragen. In den Jahren 2014 und 2015 forderte ein Ausbruch in Westafrika mehr als 11.000 Menschenleben. Im Frühjahr 2025 war zudem das Nachbarland Uganda von einem Ebola-Ausbruch betroffen.
Gewalt erschwert Hilfe
Das Gesundheitssystem in der Provinz Ituri ist durch anhaltende Gewalt bewaffneter Gruppen bereits erheblich geschwächt. In der Region sind Milizen der dschihadistischen Allied Democratic Forces sowie weiterer Organisationen aktiv und verüben wiederholt Massaker an der Zivilbevölkerung. Ugandische Streitkräfte unterstützen die kongolesische Armee bei Operationen gegen diese Gruppen.
Mitte April kamen 69 Menschen bei einem Angriff der Miliz Codeco ums Leben – einer Organisation, die ursprünglich als landwirtschaftliche Kooperative gegründet worden war, bevor sie sich zu einer bewaffneten Rebellenbewegung wandelte. Anfang April tötete die ADF 43 Menschen im Gebiet Mambasa in Ituri. Hinzu kommt, dass die Provinz für zahlreiche humanitäre Hilfsorganisationen faktisch unzugänglich ist, weil die Sicherheitslage jede Präsenz vor Ort nahezu unmöglich macht.
Sarah Easter, Krisenreporterin der Hilfsorganisation CARE, schilderte gegenüber der APA, dass etwa die Umgebung der Stadt Komanda in der Provinz Ituri ein „Death Corridor“ ist. Männer, die sich in ihren Dörfern blicken lassen, riskieren erschossen zu werden. Frauen werden oft zuerst vergewaltigt, um anschließend ebenso getötet zu werden.