Start MAGAZIN Vindobona: Entdecke das römische Wien (FOTOS + Interaktive Karte)
REPORTAGE

Vindobona: Entdecke das römische Wien (FOTOS + Interaktive Karte)

Römerzeitliche Fundstellen im Stadtgebiet von Wien, 2019 (FOTO: Stadtarchäologie Wien)

Uns interessierte, was mit den historischen Überresten passiert, wenn auf sie stößt. Wie werden sie „gereinigt” und wo werden sie hingebracht? „Egal ob römische oder sonstige historische Überreste, sie werden alle von den ArchäologInnen der Stadtarchäologie systematisch dokumentiert. D. h. zunächst werden mit dem Bagger moderne Einbauten und die obersten Aufschüttungen entfernt und danach legt man händisch (mit Schaufel, Spaten, Kelle) die jeweilige Struktur (Mauern, Gruben, Fußböden, Planierungen, Gräber etc.) frei (= „Putzen”). Dieses freigelegte Objekt erhält eine Nummer und wird dann fotografiert, vermessen und beschrieben (inzwischen alles digital).”

„Danach wird diese dokumentierte Schicht abgebaut und die nächste folgt, solange bis nur noch der geologische Untergrund übrigbleibt. Die beim händischen Schichtabbau zutage kommenden Fundstücke (meist Keramik, Tierknochen, Metallstücke oder Glas) müssen genau diesen Schichten/Objekten aus denen sie geborgen wurden zugeordnet werden und bekommen eine entsprechende Nummer. Während der Ausgrabungen werden die Funde nach und nach zum Reinigen und Restaurieren gebracht und mit Inventarnummern des Wien Museums beschriftet. Nach Abschluss der Grabungen werden die Funde und die aufgefundenen Überreste wissenschaftlich aufgearbeitet, interpretiert und schließlich in wissenschaftlichen Zeitschriften und Monografien publiziert”, erleutert unser Gesprächspartner

Überreste aus Vindobona sind im Römermuseum ausgestellt.

„Archäologie ist das Freilegen von Geschichte. Im Stadtgebiet ist Archäologie im Prinzip wissenschaftlich begleitete „Zerstörung“. Das heißt, Archäologen werden in 99% der Fälle dann eingesetzt, wenn bei einer Baustelle ein Keller oder eine Tiefgarage geplant ist. Da der Bauträger bei solch einem Vorhaben archäologische Bodendenkmäler zerstört, ist er verpflichtet, diese Bodendenkmäler zuvor wissenschaftlich dokumentieren zu lassen, was die Archäologen in der Folge dann auch machen. Somit entfernt der Archäologe systematisch nach oben beschriebenem Ablauf alle vorhandenen Überreste bis zur geplanten Baugrubenunterkante. In ganz wenigen Fällen, bei einem besonders guten Erhaltungszustand von aufgedeckten Mauern oder anderen Objekten, kann das Bundesdenkmalamt entscheiden, dass diese erhalten bleiben und nicht durch das Bauunternehmen zerstört werden. Es handelt sich dabei also um eine behördliche Maßnahme, wie sie zum Beispiel bei den Stadtmauerresten beim Stubentor getroffen wurde.”

Grundrissplan des Legionslagers Vindobona, ca. Ende 1. bis 5. Jhd. Die ost-westlich verlaufende Lagerhauptstraße (via principalis) trennte das umwehrte Areal in eine kleinere Nordhälfte (praetentura) und eine etwas größere Südhälfte (retentura).(FOTO: Stadtarchäologie Wien/Martin Mosser)

„Das Römermuseum am Hohen Markt ist eine Außenstelle des Wien Museums, das die wichtigsten römischen Funde aus Wien präsentiert. Es existieren jedoch tausende römische Funde aus Wien, die im Depot des Wien Museums unter modernsten konservatorischen Kriterien gelagert sind. Bei den Ausgrabungen werden grundsätzlich alle Funde aufgehoben, diese werden vom ExpertInnenteam der Stadtarchäologie wissenschaftlich bearbeitet und danach gelangen sie ins Depot. Wenn besonders schöne oder wissenschaftlich wertvolle Funde gemacht werden, können diese aber auch im Römermuseum ausgestellt werden, eventuell auch in Sonderausstellungen präsentiert werden, aber auch in der künftigen neuen Dauerausstellung des Wien Museums. Außerdem gibt es regelmäßigen Leihverkehr zwischen dem Wien Museum, das das Römermuseum verwaltet und anderen nationalen und internationalen Museen” erklärt Dr. Mosser.

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Innerhalb des Lagionslagers gab es einige Verwaltungebäude und Gebäude, die für das öffentliche Leben essentiell waren. Einige von ihnen wollen wir euch auf den nächsten Seiten darstellen.