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REPORTAGE

Vindobona: Entdecke das römische Wien (FOTOS + Interaktive Karte)

Lagermauer

Legionslager und Lagervorstadt – Vindobona ca. Ende 1. bis 5. Jhd. (FOTO: Stadtarchäologie Wien/Martin Mosser)

Die Kastellmauer hatte eine Stärke von 1,50 m und bestand aus Bruchsteinen sowie Quadern. Nach außen hin war sie mit Buckelquadern verblendet und im oberen Bereich mit Zinnen versehen. Große Teile der Kastellmauer standen noch bis weit ins Mittelalter aufrecht, wie im 13. Jahrhundert der Chronist Gutolf von Heiligenkreuz berichtete. Besonders im Westen und Süden waren Mauer und Tore noch gut erhalten, wie man anhand der heutigen Straßenzüge erkennen kann. Gleichtzeitig entstanden im ehemaligen Lagerareal und nahen Umfeld neue Bauten. Dazu zählen die Kirche des Schottenklosters (ab 1155) und der Vorgängerbau des Stephansdoms (ab1137) außerhalb seiner Mauern. In Folge der ersten großen Stadterweiterung unter Herzog Leopold V. um 1200 (mitfinanziert mit dem Lösegeld für die Freilassung des englischen König Richard Löwenherz) wurde die Lagermauer vollständig abgebrochen. Das dabei angefallene Steinmaterial, in dem auch noch zahlreiche mittelkaiserzeitliche Spolien enthalten waren, wurde zur Auffüllung des römischen Wehrgrabens oder für andere Bauvorhaben (z. B. den Stephansdom) verwendet.

Türme und Töre

Rekonstruktion der porta decumana (auf Annahmen basierend) (FOTO: Stadtarchäologie Wien/7reasons)

Die Mauer war mit innen angesetzten quadratischenZwischentürmen verstärkt. An der West-, Nord- und Ostmauer ließen sich keiner bzw. nur wenige dieser Türme archäologisch nachweisen. Am Hof Nr. 9 (neue Feuerwehrzentrale) kamen in 3 m Tiefe die Reste eines 2,90 m × 1,90 m großen Zwischenturmes der Westmauer und der inneren Erdrampe (Wehrgang) zum Vorschein. Entlang der Naglergasse konnten an drei Stellen die Südmauer lokalisiert werden. Der Fund von Halbsäulenfragmenten (Pilaster), monumentalen Bauinschriften und einem Waffenrelief (Ertlgasse) lässt darauf schließen, dass die Tore mit einer triumphbogenartigen Blendfassaden dekoriert waren. Der Standort von drei der vier Toranlagen ist jeweils durch einen ausgegrabenen Flankenturm gesichert. Es gab ein Nordtor (porta praetoria), Südtor (porta decumana), Westtor (porta principalis sinistra) und Osttor (porta principalis dextra).

Der Südtor befand sich im Bereich Naglergasse-Tuchlauben, der Osttor — Kramergasse/Ertlgasse und Westtor — Hohen Brücke/Wipplingerstraße.

Therme

Rekonstruktion römischer Thermenanlage (FOTO: Stadtarchäologie Wien/7reasons)

Das ca. 100 m × 66 m große Lagerbad stand in der praetentura des Kastells (Marc-Aurel-Straße/Ruprechtsplatz/Hoher Markt) und wurde offenbar bis in die Spätantike benutzt. Es war mit Kalt- und Warmwasserbecken, einem Schwitzbad (sudatorium) und einem Innenhof ausgestattet.

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