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Praxistest

Erster humanoider Roboter arbeitet bei Baumarkt

Erster humanoider Roboter arbeitet bei Baumarkt
Foto: epa/ANNA SZILAGYI
3 Min. Lesezeit |

Ein Roboter für 1,70 Euro die Stunde tanzt Pause auf dem Parkplatz – und spricht Österreichisch statt Bairisch.

In einem bayerischen Baumarkt läuft derzeit ein ungewöhnlicher Praxistest: Ein humanoider Roboter namens Schotti übernimmt probeweise die Kundenbetreuung – und verbringt seine Pausen tanzend auf dem Parkplatz. Nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) befinden sich humanoide Roboter im deutschen Einzelhandel bislang erst in vereinzelten Pilotprojekten und sind im Regelbetrieb noch die Ausnahme.

Pocking (Bayern) – Ein rhythmisches Klacken kündigt ihn an, bevor Schotti mit seinen schmalen Beinen zwischen den Warenregalen erscheint. Wer ihm zum ersten Mal begegnet, bleibt zunächst wie angewurzelt stehen. Doch kaum fängt er zu sprechen an, verfliegt die Scheu. „Griaß de, i zoag da, wo’s lang geht“, begrüßt er die Kundschaft auf Österreichisch – denn der Baumarkt in Pocking bei Passau liegt nahe der Grenze, und viele Einkäufer kommen aus dem Nachbarland.

Eigentlich war ein bayerischer Dialekt geplant. „Wir wollten ihn eigentlich bairisch reden lassen, aber das gibt’s nicht als Sprachmodell für die KI des Roboters“, erklärt Florian Weichselbaumer (42), dessen Unternehmen Labland.ai auf das Training und die Programmierung von Robotern spezialisiert ist. Derzeit erprobt er das neueste Modell aus chinesischer Produktion: einen Unitree G1 EDU U4 im Wert von 80.000 Euro. „Von denen gibt es derzeit in Europa nur zwei“, so Weichselbaumer gegenüber BILD.

Schottis Stundenlohn

Schotti führt Kundin Ute Bautele (67) im Baumarkt zu den Blumenkübeln. „Isch such n Pflanzgefäß fier draußn“, teilt die Rentnerin dem vermeintlich österreichischen Roboter in unverkennbar sächsischem Tonfall mit. Schotti reagiert prompt: „I zoag da, wo’s lang geht“, und marschiert zielstrebig voran, bis er das Regal mit den Blumentöpfen erreicht hat.

Technisch wäre Schotti in der Lage, den Baumarkt vollständig selbständig zu navigieren – Warenpositionen sind in seinem System gespeichert, Hindernisse werden durch Sensoren erkannt. Doch der gesetzliche Rahmen fehlt noch: In Deutschland gibt es bislang kein spezielles Gesetz für den Einsatz von Servicerobotern in öffentlichen Räumen – stattdessen gelten vor allem das Produktsicherheitsgesetz, die EU-Maschinenverordnung sowie Haftungs- und Versicherungsrecht. Im Hintergrund behält ein menschlicher Operator stets die Kontrolle über die Steuerung. Weichselbaumer gegenüber BILD: „Es war schon schwer, allein einen Versicherer für Schotti zu finden. Die waren völlig überfordert. Aber das ist nur eine Frage der Zeit.“

Was die Kosten betrifft, ist Schotti der günstigste Mitarbeiter im Haus: Rechnet man Anschaffungspreis und Betriebsdauer zusammen, ergibt sich laut Weichselbaumer ein effektiver Stundenlohn von rund 1,70 Euro. „Er ist aber nicht dazu da, seine menschlichen Kollegen zu ersetzen“, betont „Sonderpreis-Baumarkt“-Betreiber Philip Schwetz (45) gegenüber BILD. „Mitarbeiter könnten sich künftig mehr um die Warenwirtschaft, Regalpflege oder die Spezialthemen der Kunden kümmern.“

Chinas Vorsprung

Alle zwei Stunden und dreißig Minuten benötigt der Roboter eine Ladepause für seinen Akku. Im internationalen Vergleich sieht Weichselbaumer China Deutschland in der humanoiden Robotik weit voraus – und plädiert dafür, dass deutsche Ingenieure eigene Modelle entwickeln sollten: „Einige Teile in Schotti sind von der Augsburger Firma Kuka, deren Patente die Chinesen vor einigen Jahren aufgekauft haben. Das hat damals kaum einen hier interessiert.“

Drei eingebaute Gyroskope sorgen dafür, dass Schotti selbst bei ungewöhnlichen Bewegungsabläufen stabil auf den Beinen bleibt. Als Nachfolgemodell soll im Herbst der H2 in den Baumarkt einziehen – eine Art silberner C-3PO wie aus Star Wars.

1,80 Meter groß, nicht so tolpatschig und mit der Kraft eines Kirmes-Boxers.

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KO KOSMO-Redaktion
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