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GESPALTENES LAND

Eskalation in Montenegro: Proteste gegen neues Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche

(FOTOS: Twitter)

Am Wochenende kam es in Montenegro bei einer Demonstration gegen die Amtseinführung des neuen Oberhauptes der Serbisch-orthodoxen Kirche zu Ausschreitungen mit der Polizei.

Die Lage in Montenegro spitzt sich zu: Bei der Amtseinführung des neuen Oberhauptes der Serbisch-orthodoxen Kirche kam es am Wochenende in dem Balkanland zu Ausschreitungen zwischen den Demonstranten und der Polizei, wie euronews berichtet. Zahlreiche Montenegriner machten ihrem Zorn über die Kirche in Montenegro Luft. Auch die Polizei musste anrücken. Die EU-Kommission spricht von einer „besorgniserregenden“ Entwicklung.

Glauben spaltet Bevölkerung
Die Amtseinführung des neuen Kirchenoberhaupts wird von Anhängern der Unabhängigkeit Montenegros als Machtdemonstration des proserbischen Lagers aufgefasst. Montenegro war bis 1918 unabhängig und ist es seit 2006 wieder. Rund 30 Prozent der Bürger sind ethnische Serben, doch weit mehr Menschen bekennen sich zur serbisch-orthodoxen Kirche.

Noch immer spalten das Verhältnis zu Serbien und der Orthodoxen Kirche die Bevölkerung. Die immer wieder aufkeimenden Konflikte haben mittlerweile auch die internationale Aufmerksamkeit erregt: Ehemalige Minister von Montenegros Nachbarstaaten, konkret aus Slowenien, Kroatien, Albanien, Kosovo, Bosnien und Serbien haben sich nun hilfesuchend an die EU-Kommission, den Europarat und die NATO gewandt. Sie bitten um einen Dialog mit den politischen und sozialen Akteuren der aktuellen Krise in Montenegro, um eine friedliche Lösung in dem eskalierenden Konflikt zu erreichen.

Derzeitige Lage erinnert an jene vor Kriegsbeginn in den 90er Jahren
Der frühere NATO-Botschafter von Montenegro, Vesko Garčević, ist der Meinung, die jüngsten Ausschreitungen würden widerspiegeln, was sich seit Jahren im Land entwickle: „Das Land scheint gespaltener als je zuvor, sogar noch mehr als zu der Zeit, in der wir für die Unabhängigkeit stimmten. […] viele Menschen in der Region sind der Meinung, dass die EU-Mitgliedschaft in weite Ferne gerückt ist und in absehbarer Zeit nicht zustande kommen wird. Das erhöht die Chancen für andere Akteure in der Region.“

Und Kroatiens ehemalige Vizeministerpräsidentin, Vesna Pusić, sagte gegenüber euronews, dass sie die derzeitige Lage an jene vor Kriegsbeginn in den 90er Jahren erinnern würde: „Dies stellt die Existenz eines souveränen Staates auf dem westlichen Balkan in Frage, in dieser historisch gesehen relativ instabilen Region. Und wir alle, die wir diesen Appell unterzeichnet haben, waren besorgt, dass es zu Konflikten führen könnte, wenn es ignoriert wird, vor allem, weil ich denke, dass Montenegro auch als Schauplatz für eine Art Stellvertreterkonflikt zwischen der Russischen Föderation und der Europäischen Union gesehen werden könnte”.

EU-Kommission: „Entwicklungen besorgniserregend“
Ein Sprecher der EU-Kommission bezeichnete die Entwicklung in Montenegro unterdessen als „zunehmend besorgniserregend“. Es sei nötig, einen „breiter parteiübergreifenden politischen Dialog“ zu führen, „um die Spaltungen zu überwinden“.

Slowenien, das derzeit die EU-Präsidentschaft innehat, organsiert zu diesem Zweck Anfang Oktober einen EU-Westbalkan-Gipfel. Man möchte, dass dieses Treffen in Zukunft jedes Jahr stattfindet, um den EU-Erweiterungsprozess zu beschleunigen.

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