Ausgerechnet Ex-FIFA-Boss Blatter warnt Fußballfans vor der WM in Nordamerika. Seine Botschaft ist unmissverständlich – und er steht mit seinen Bedenken nicht allein.
Der frühere Fifa-Präsident Joseph „Sepp“ Blatter rät Fußballfans eindringlich davon ab, zur kommenden Weltmeisterschaft nach Nordamerika zu reisen. Auf seinem X-Account veröffentlichte der Schweizer, der 2015 nach diversen Skandalen seinen Posten räumen musste, eine klare Warnung: „Für die Fans gibt es nur einen Ratschlag: Bleibt den USA fern.“ Hintergrund sind nach seinen Angaben erhebliche Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit dem Co-Gastgeber USA, der das Turnier gemeinsam mit Kanada und Mexiko ausrichtet.
Mit seiner Einschätzung schließt sich Blatter den Warnungen des Schweizer Antikorruptionsexperten Mark Pieth an. Der ehemalige Leiter einer FIFA-Kommission für Verbandsführung (2011-2013) hatte im Gespräch mit dem „Tagesanzeiger“ massive Kritik an der bevorstehenden WM geäußert und ebenfalls zum Boykott aufgerufen. Besonders die Einreisesituation bereitet Pieth Sorgen: „Bei der Einreise müssen Fans damit rechnen, dass sie, wenn sie den Beamten nicht gefallen, direkt in den nächsten Flieger nach Hause geschickt werden. Wenn sie Glück haben.“
Im schlimmsten Fall drohe sogar eine Deportation nach Mittelamerika. „Das sind die Realitäten. Das Harmloseste ist, dass die Beamten einem das Handy auseinandernehmen und nachschauen, ob man etwas Negatives über Trump geschrieben hat.“
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Eskalierte Einwanderungspolitik
Die Bedenken haben einen konkreten politischen Hintergrund. In den USA geht die Einwanderungsbehörde ICE seit Monaten mit zunehmender Härte gegen vermeintlich illegale Einwanderer vor. Die angespannte Lage eskalierte zuletzt in Minnesota, wo innerhalb kurzer Zeit zwei Menschen durch Schüsse von Beamten getötet wurden.
Präsident Donald Trump stellte sich demonstrativ hinter die ICE-Mitarbeiter. Pieth zieht daraus seine Schlüsse: „Was wir innenpolitisch erleben, die Marginalisierung politischer Gegner, die Übergriffe der Einwanderungsbehörden und so weiter, macht einen als Fan nicht an, dahin zu reisen.“
Sicherheitsbedenken
In seinem erschreckenden Fazit zieht der Experte einen brisanten Vergleich: „Die USA sind in Bezug auf die Sicherheit in einer ähnlichen Situation wie Mexiko. In Mexiko sind es die Drogenbanden, die mit Übergriffen drohen, in den USA ist es ein autoritär werdender Staat.“