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Novi Sad

Ex-Minister in Handschellen: Elf Festnahmen nach tödlichem Bahnhofseinsturz

Ex-Minister in Handschellen: Elf Festnahmen nach tödlichem Bahnhofseinsturz
FOTO: EPA/MARKO KAROVIC
2 Min. Lesezeit |

Nach dem tödlichen Bahnhofseinsturz in Novi Sad zieht die serbische Justiz die Schlinge enger: Elf weitere Festnahmen erschüttern die politische Elite des Landes.

Neun Monate nach dem verheerenden Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad hat die serbische Justiz ihre Ermittlungen ausgeweitet. Elf weitere Personen wurden nun festgenommen, darunter prominente ehemalige Regierungsmitglieder. Wie die Staatsanwaltschaft von Novi Sad am Freitag bekannt gab, befinden sich unter den Beschuldigten der frühere Verkehrs- und Bauminister Tomislav Momirović sowie der ehemalige Leiter der staatlichen Eisenbahngesellschaft, Nebojša Šurlan. Beiden wird Amtsmissbrauch vorgeworfen.

📍 Ort des Geschehens

Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst sechs Festnahmen gemeldet, später folgte die Information über fünf weitere Verhaftungen. Die Ermittlungen stehen in direktem Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen: Den Beschuldigten wird zur Last gelegt, einem chinesischen Unternehmen, das an den Renovierungsarbeiten beteiligt war, zu einem unrechtmäßigen Gewinn von mehr als 15,6 Millionen Euro verholfen zu haben. Seit Februar ist auch die Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität mit dem Fall befasst.

Sowohl Momirović als auch Šurlan bestreiten die ihnen vorgeworfene Schuld und wurden dem Haftrichter vorgeführt. Auch die ehemalige Staatssekretärin Anita Dimovski gehört zu den Hauptbeschuldigten, die ihre Unschuld beteuern. Die Staatsanwaltschaft beantragte für alle Verdächtigen Untersuchungshaft.

Ein weiterer ehemaliger Verkehrsminister, Goran Vesić, der nach der Katastrophe seinen Rücktritt erklärt hatte und ebenfalls im Fokus der Ermittlungen steht, wurde nach einem Unfall ins Krankenhaus eingeliefert. Laut dem serbischen Nachrichtenportal nova.rs musste Vesić am Freitag notoperiert werden und konnte daher bislang nicht vernommen werden.

Massive Proteste

Das Unglück vom 1. November, bei dem 16 Menschen ihr Leben verloren, erschütterte Serbien zutiefst. Der Hauptbahnhof von Novi Sad war erst im Juli 2024 nach dreijährigen Renovierungsarbeiten wieder vollständig in Betrieb genommen worden. Die Tragödie löste die heftigsten Proteste der jüngeren serbischen Geschichte aus.

Was als Demonstrationen zur Aufklärung der Unglücksursachen begann, entwickelte sich rasch zu einer von Studierenden getragenen Bewegung gegen die Regierung und die systemische Korruption im Land. Mitte März versammelten sich bei der größten Kundgebung rund 300.000 Menschen.

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Politische Folgen

Der anhaltende öffentliche Druck führte schließlich zum Rücktritt von Ministerpräsident Milos Vučević. Staatspräsident Aleksandar Vučić hingegen behauptet wiederholt, die Proteste würden von ausländischen Kräften gesteuert.