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BALKANROUTE

„The Guardian“: Flüchtlinge wurden von kroatischen Polizisten sexuell misshandelt (VIDEO)

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Die Vorwürfe gegen die kroatische Grenzpolizei und ihre Brutalität gegen Flüchtlinge an der EU-Außengrenze verstummen nicht. Foto: iStockPhoto, Danish Refugee Council

Die Vorwürfe gegen die kroatische Grenzpolizei und ihre Brutalität gegen Flüchtlinge an der EU-Außengrenze verstummen nicht.

Abgesehen von regelmäßigen Reportagen und großen Dokumentationen von NGOs über die Gewalt gegen Geflüchtete an der kroatisch-bosnischen EU-Außengrenze, berichten nun auch immer mehr internationale große Medien über konkrete Fälle. So deckt “The Guardian” nun in einem Artikel eine ganze Reihe brutaler Rückschläge zwischen dem 12. und 16. Oktober auf. Diese Fälle wurden vom Dänischen Flüchtlingsrat an “The Guardian” weitergeleitet.

“Krank und schockierend”
Das international sehr angesehene Blatt, welches bereits zuvor über Fälle der Gewalt gegen Geflüchtete berichtete, hat Fotos und medizinische Berichte erhalten, die die brutale Vorgangsweise der kroatischen Grenzpolizei beweisen. Guardian beschreibt diese als “krank” und “schockierend”. “Mehr als 75 Personen in einer Woche haben unabhängig voneinander unmenschliche Behandlung, grausame Schläge und sogar sexuellen Missbrauch gemeldet”, berichtet The Guardian.

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Gepostet von KOSMO am Donnerstag, 15. Oktober 2020

Diesen Angaben zufolge kam es in der Nähe von Šljikovača bei Velika Kladuša – in einer Zeltwaldsiedlung – zu Rückschlagen. “Alle von der Demokratischen Republik Kongo befragten Personen erlitten sichtbare Verletzungen durch Schläge (Blutergüsse und Schnittwunden) infolge angeblicher kroatischer Polizeigewalt”, heißt es in dem Bericht der Demokratischen Republik Kongo, die ihre betroffenen Staatsbürger hier verteidigen will.

DR Kongo beschwert sich
“Nach den Aussagen der befragten Opfer (mit sichtbaren Hinweisen auf ihre Verletzungen) gehörten zu den Rückschlägen brutales und extrem gewalttätiges Verhalten, erniedrigende Behandlung sowie Diebstahl und Zerstörung persönlicher Gegenstände”, berichten die offiziellen Stellen der DR Kongo.

Unter einem der Zeugnisse, die alle von enormer Gewalt gegen die Geflüchteten sprechen, ist auch der Fall eines sexuellen Missbrauchs. Mehrere Gruppen von Geflüchteten berichten Horrorgeschichten, die sich nur drei Autostunden von Graz abspielen. “Sobald sie eine Person fixiert haben, begannen die Schläge. Sie wurden geschlagen, getreten, ausgepeitscht und geschlagen”, sagte eine Gruppe, bei der medizinische Berichte darauf hinweisen, dass die Verletzungen auf eine Peitsche zurückzuführen sind.

Sexueller Missbrauch
Auch der Arzt Mustafa Hodžić aus Velika Kladuša bestätigte, dass er “Anzeichen klarer sexueller Gewalt” feststellen kontne. “Ich habe so etwas noch nie gesehen. Auch wenn es nicht das erste Mal als Arzt ist, dass ich Anzeichen sexueller Gewalt gegen Migranten gesehen habe, die nach Angaben der Asylbewerber von kroatischen Beamten in schwarzen Uniformen auf kroatischem Gebiet begangen wurden”, so Hodžić.

SOS Balkanroute: “Gewalt nimmt zu”
Die in Bosnien sehr aktive österreichische NGO “SOS Balkanroute” kann den Artikel vom “The Guardian” nur bestätigen. “Wir hören von unseren HelferInnen vor Ort, dass es aktuell immer mehr Fälle von Grenzgewalt gibt”, so Petar Rosandić, Obmann des Vereins. Gestern veröffentlichten sie ein Video aus Bosnien, in welchem die Verletzungen der in den Wäldern lebenden Menschen zu sehen sind (siehe oben).

Er erinnerte daran, dass die Abgeordneten Nurten Yilmaz (SPÖ) und Helmut Brandstätter (NEOS) letzte Woche mit ihrem Antrag für ein verstärktes Engagement Österreichs in dieser Sache bei der türkis-grünen Regierungskoalition abgeblitzt sind.

“Die Situation ist bereits im Sommer eskaliert und endete mit Protesten, Unruhen und phsysischer Gewalt gegen Geflüchtete. Europa muss jetzt verhindern, dass vor den Türen Österreichs, in Bosnien, ein riesiges Moria entsteht. Da ist vor allem Österreich gefragt. Diese Menschen kämpfen um das nackte Überleben in Wäldern, in die sie vor den Angriffen der Polizei und der rechten Mobs bereits im Sommer geflüchtet sind”, warnt Rosandić.

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