Ein Riese der Lüfte hinterlässt unsichtbare Spuren – mit spürbaren Folgen für alle an Bord eines kleineren Airbus.
Fünf Menschen wurden verletzt, nachdem ein Airbus A320 der Fluggesellschaft Eurowings auf dem Weg von Rhodos nach Köln in die Wirbelschleppen eines deutlich größeren Airbus A380 von Emirates geraten war. Der Vorfall ereignete sich am 30. Mai in der Nähe von Sarajevo, in einer Reiseflughöhe von rund 11.000 Metern.
Wie das spezialisierte Luftfahrtportal The Aviation Herald berichtet, flog der Eurowings-Airbus mit der Kennung D-AEWS auf Flugfläche 360, als die Flugsicherung der Besatzung den Steigflug auf Flugfläche 380 genehmigte. Auf eben dieser Höhe befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits ein Emirates-Superjumbo des Typs A380-800 – Kennzeichen A6-EUF – auf dem Flug von Dubai nach London Heathrow. Der Abstand zwischen den beiden Maschinen betrug rund 7,6 Seemeilen, also etwa 14 Kilometer.
Gegen Decke geschleudert
Während des Steigflugs brach der A320 den Aufstieg unvermittelt bei Flugfläche 376 ab und sank mit einer Sinkrate von bis zu 3.000 Fuß pro Minute wieder auf Flugfläche 360 zurück. Laut The Aviation Herald geriet die Maschine in diesem Moment in eine Kombination aus atmosphärischer Turbulenz und den Wirbelschleppen, die der Emirates-Riese hinterlassen hatte. Vier Passagiere und eine Flugbegleiterin erlitten dabei leichte Verletzungen. Das Kabinenmitglied wurde während des heftigsten Moments des Vorfalls bis zur Decke der Kabine geschleudert.
Die Besatzung setzte den Flug nach Köln fort. Dort standen nach der Landung medizinische Teams bereit, die sich zunächst an Bord um die Verletzten kümmerten, bevor diese zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht wurden. Die Eurowings-Maschine blieb in Köln rund viereinhalb Stunden am Boden; der nächste planmäßige Flug startete mit einer Verspätung von etwa dreieinhalb Stunden. Der Emirates-A380 setzte seinen Flug nach London ohne Zwischenfälle fort.
Gefährliche Wirbelschleppen
Wirbelschleppen entstehen an den Flügelspitzen von Flugzeugen als direkte Folge der Auftriebserzeugung. Aufgrund seiner enormen Masse und Flügelspannweite produziert der Airbus A380 einige der stärksten Verwirbelungen in der gesamten zivilen Luftfahrt – rotierende Luftmassen, die mehrere Minuten lang hinter der Maschine bestehen bleiben und für kleinere Flugzeuge auf derselben Route zur ernsthaften Gefahr werden können. Die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) hat den A380 deshalb in eine eigene Gewichtskategorie – „Super“ – eingestuft, die es in der Passagierluftfahrt kein zweites Mal gibt.
Laut ICAO-Empfehlungen muss zwischen einem A380 und einem Flugzeug der Kategorie „Medium“ wie dem A320 ein Mindestabstand von sieben Seemeilen eingehalten werden, sofern beide Maschinen auf gleicher Höhe oder bis zu 1.000 Fuß auseinander fliegen. Im vorliegenden Fall betrug der Abstand zum Zeitpunkt des Vorfalls 7,6 Seemeilen – knapp oberhalb der vorgeschriebenen Mindestgrenze.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Wirbelschleppen des Großraumjets schwerwiegende Folgen hatten. Im Jänner 2017 geriet ein Bombardier Challenger 604 über dem Arabischen Meer in die Turbulenzen eines vorausfliegenden Emirates-A380. Die Besatzung verlor vorübergehend die Kontrolle über die Maschine, die in einem unkontrollierten Sinkflug rund 3.000 Meter an Höhe verlor. Zwei Passagiere wurden schwer verletzt, das Flugzeug nahm erheblichen Schaden – konnte aber schließlich sicher im Oman landen.
Im März 2023 traf es in den Vereinigten Staaten einen Bombardier CRJ-900 von Air Canada: Die Regionalmaschine geriet beim Anflug auf den Flughafen Washington-Reagan in die Wirbelschleppen einer vorausfliegenden Boeing 777 und verlor abrupt an Höhe.
Der Vorfall wurde vom amerikanischen National Transportation Safety Board sowie der Federal Aviation Administration untersucht.