Serbien ist Teil des europäischen Zahlungsraums – und das hat konkrete Folgen für jeden, der Geld ins Ausland schickt.
Ab dem 5. Mai können Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen in Serbien ihre Zahlungen in Euro deutlich unkomplizierter und voraussichtlich auch günstiger abwickeln – der Grund dafür ist der Beitritt zum einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum SEPA (Single Euro Payments Area). Die ersten veröffentlichten Preislisten, die Kunden bereits per E-Mail erhalten haben, bestätigen: Die neuen Gebühren sollen spürbar niedriger ausfallen als bisher.
Die Serbische Nationalbank hatte im Vorfeld angekündigt, dass „die Gebühren für Transaktionen innerhalb der SEPA-Systeme deutlich niedriger sein werden als jene, die außerhalb dieser Systeme anfallen“. Der Anschluss an SEPA bedeute schnellere, effizientere und kostengünstigere Transaktionen mit EU-Ländern und der Region. Überweisungen aus der Europäischen Union würden unmittelbar nach Eingang bei der jeweiligen Hausbank verfügbar sein.
Besonders relevant sei dabei die zu erwartende Senkung der Überweisungskosten – schließlich stammen fast 45 Prozent aller Geldtransfers nach Serbien aus EU-Mitgliedstaaten.
Im Korridor Österreich–Serbien lagen die durchschnittlichen Gebühren für Geldtransfers vor dem SEPA-Beitritt laut Österreichischer Nationalbank bei rund 5 Prozent oder 5 Euro bei einem Betrag von 100 Euro – eine Kostenbelastung, die durch SEPA deutlich sinken soll. Die Gesamtzuflüsse von Unternehmen und Privatpersonen aus dem Ausland in Euro beliefen sich im vergangenen Jahr laut Daten der Serbischen Nationalbank auf 46,5 Milliarden Euro – davon entfielen 43,6 Milliarden Euro auf Unternehmen und 2,9 Milliarden Euro auf Privatpersonen. In der Gegenrichtung wurden 2025 insgesamt 46,6 Milliarden Euro in Euro abgewickelt, wovon 45,1 Milliarden Euro auf Unternehmen und 1,5 Milliarden Euro auf Privatpersonen entfielen.
SEPA vs. SWIFT
Transaktionen in anderen Währungen als dem Euro sowie Zahlungen in Länder außerhalb des SEPA-Raums werden weiterhin über das SWIFT-System abgewickelt. Die Banken erläutern, dass sich die beiden Systeme vor allem in Reichweite, Währung, Kosten und Abwicklungsgeschwindigkeit unterscheiden: Während SWIFT internationale Zahlungen in nahezu alle Länder der Welt in sämtlichen Währungen ermöglicht, ist SEPA auf Euro-Zahlungen innerhalb der SEPA-Zone beschränkt.
SWIFT-Transaktionen sind teurer und können mehrere Tage in Anspruch nehmen, wohingegen SEPA-Zahlungen in der Regel noch am selben oder am nächsten Tag ausgeführt werden – zu niedrigeren und besser kalkulierbaren Kosten, wobei jede Seite die Gebühren ihrer eigenen Bank trägt.
In den vergangenen Tagen haben die Banken damit begonnen, ihre Kunden über die neuen Tarife für Euro-Zahlungen in den SEPA-Raum zu informieren. Laut Preisliste der Yettel Bank beträgt die Gebühr für bargeldlose Euro-Überweisungen vom Devisen-Girokonto ins Ausland via SWIFT 0,7 Prozent des Betrags, mindestens jedoch 2.700 Dinar und maximal 30.000 Dinar. Für SEPA-Zahlungen sinkt diese Gebühr auf 0,4 Prozent, mit einem Minimum von 600 Dinar und einem Maximum von 4.000 Dinar.
Beim Empfang von Geldern aus dem Ausland auf ein Euro-Devisenkonto gilt: Für SWIFT-Zahlungen werden 0,5 Prozent fällig, mindestens 300 Dinar, maximal 10.000 Dinar; für SEPA-Transaktionen beträgt die Gebühr 0,4 Prozent, mindestens 240 Dinar, maximal 6.000 Dinar. Für humanitäre Hilfszahlungen entfallen diese Gebühren sowohl bei SWIFT als auch bei SEPA.
Technische Voraussetzungen
Die Intesa Bank hat ihre Kunden darüber informiert, dass SEPA-Aufträge ausschließlich in Euro ausgeführt werden und im Verwendungszweck maximal 70 Zeichen zulässig sind. Die Kosten werden nach dem SHA-Prinzip aufgeteilt, bei dem Absender und Empfänger jeweils die Gebühren ihrer eigenen Bank tragen. Für die Ausführung einer SEPA-Überweisung ist eine gültige IBAN des Empfängers erforderlich, die in einem SEPA-Mitgliedsland eröffnet wurde; zusätzlich wird ein korrekter BIC-Code benötigt, der die eindeutige Identifizierung der Empfängerbank im internationalen Zahlungsverkehr sicherstellt. Die Veröffentlichung der eigenen Tarife kündigte die Bank für den 30. April an.
Serbien ist bereits im Mai des vergangenen Jahres dem einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum SEPA beigetreten, was serbischen Banken die Möglichkeit eröffnete, sich den einzelnen SEPA-Zahlungssystemen anzuschließen. Im Vordergrund steht dabei laut Nationalbank das System SEPA Credit Transfer, also der klassische SEPA-Überweisungsverkehr. Der Europäische Zahlungsverkehrsrat hat die entsprechenden Beitrittsanträge der Serbischen Nationalbank sowie von 18 in Serbien tätigen Geschäftsbanken genehmigt; seit dem 10. April sind diese offiziell im Teilnehmerregister dieses Zahlungssystems eingetragen.
Der SEPA-Zahlungsraum umfasst insgesamt 41 Länder und bestimmte Gebiete. Neben allen 27 EU-Mitgliedstaaten gehören dazu Island, Norwegen, Liechtenstein, die Schweiz, Großbritannien sowie Andorra, Monaco, San Marino, der Vatikan, Albanien, Montenegro, Moldawien, Nordmazedonien und Serbien.
Darüber hinaus sind auch verschiedene Gebiete einbezogen, darunter die Ålandinseln, die Azoren, die Kanarischen Inseln, Französisch-Guayana, Gibraltar, Guadeloupe, Guernsey, die Isle of Man, Jersey, Madeira, Martinique, Mayotte, Réunion sowie Saint-Barthélemy und Saint-Martin.