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Jugendstudie

Gen Z packt aus: Zufrieden – aber große Sorgen um die Zukunft

Gen Z packt aus: Zufrieden – aber große Sorgen um die Zukunft
(Symbolbild FOTO: iStock)
5 Min. Lesezeit |

Zuversichtlich, aber nicht naiv: Österreichs Jugend hat klare Haltungen – und die Ö3-Jugendstudie 2026 legt sie schonungslos offen.

Die Ö3-Jugendstudie 2026 zeichnet ein vielschichtiges Bild der Generation Z in Österreich: 87 Prozent der Befragten geben an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein – und das, obwohl 59 Prozent die Lage der Welt mit Sorge betrachten. Junge Frauen nehmen bestehende Geschlechterungleichheiten deutlich kritischer wahr als ihre männlichen Altersgenossen. Eine Verlängerung des Wehrdienstes lehnen beide Geschlechter mehrheitlich ab. Nahezu alle Befragten sprechen sich dafür aus, in der Schule mehr praxisnahes Wissen zu vermitteln – 96 Prozent fordern diesen Wandel.

Grundlage der Erhebung ist eine Online-Befragung, die Ö3 im März 2026 durchgeführt hat. Insgesamt 13.457 junge Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren beantworteten dabei 71 Fragen zu unterschiedlichen Lebensbereichen. Während 86 Prozent der Teilnehmenden ihrer persönlichen Zukunft optimistisch entgegenblicken, fällt der Blick auf die Zukunft des Planeten deutlich düsterer aus: 79 Prozent äußern sich pessimistisch. „Die Ö3-Jugendstudie 2026 zeigt eine Generation, die trotz Krisen zuversichtlich bleibt – und gleichzeitig sehr klar sagt, wo es Veränderung braucht“, sagte Ingrid Thurnher, interimistische ORF-Generaldirektorin.

Besonders hoch ist die Zufriedenheit der Generation Z im persönlichen Nahbereich: Das Verhältnis zu den Eltern bewerten 89 Prozent positiv, ebenso viele sind mit ihrer Wohnsituation zufrieden, und 87 Prozent schätzen ihren Freundeskreis. Am wenigsten zufrieden sind junge Menschen mit dem eigenen Beziehungsstatus – 36 Prozent wenig oder gar nicht zufrieden. 38 Prozent haben das Gefühl, im Alltag auf sich allein gestellt zu sein.

Gleichzeitig glauben 85 Prozent an gesellschaftliche Solidarität, und 90 Prozent berichten von einem unterstützenden sozialen Umfeld. Als größte persönliche Sorgen nennen die Befragten finanzielle Engpässe (40 Prozent), den Mangel an leistbarem Wohnraum (31 Prozent) sowie die Gefahr sozialer Unruhen (27 Prozent).

Schule & Beruf

Was das Bildungssystem betrifft, besteht unter den Befragten weitgehend Einigkeit: Fast alle wünschen sich mehr alltagsrelevante Inhalte im Unterricht – etwa zu Steuerfragen –, 88 Prozent fordern mehr Allgemeinwissen und 87 Prozent mehr Raum für Diskussionen. Einer weiteren Digitalisierung des Schulalltags stehen 42 Prozent ablehnend gegenüber, 38 Prozent sprechen sich für eine Einschränkung des KI-Einsatzes im Unterricht aus. Die besten beruflichen Perspektiven sehen die meisten Befragten in einer handwerklichen Lehre – 38 Prozent nennen diesen Weg. Sinnstiftende Arbeit ist für nahezu alle ein zentrales Kriterium bei der Berufswahl, und neun von zehn Befragten legen großen Wert auf ausreichend Freizeit.

Gegenüber der Digitalisierung zeigt sich die Generation Z grundsätzlich aufgeschlossen, wenngleich nicht unkritisch. 59 Prozent befürworten ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren. Gleichzeitig sind die Risiken des digitalen Raums für viele bereits persönliche Erfahrung: Mehr als jeder Dritte ist schon einmal auf Deepfakes (täuschend echte, digital manipulierte Inhalte) hereingefallen, rund jeder Vierte wurde Opfer eines Online-Betrugs. Junge Frauen sind dabei in besonderem Maß von sexualisierten Übergriffen betroffen: 56 Prozent erhielten ungefragt explizite Bilder, und jede Fünfte war mit Grooming (gezielte Kontaktanbahnung zur sexuellen Ausbeutung) konfrontiert.

Die Frage nach der Gleichberechtigung spaltet die Geschlechter: Während 40 Prozent der jungen Männer der Ansicht sind, Österreich sei noch weit von echter Gleichberechtigung entfernt, teilen 78 Prozent der jungen Frauen diese Einschätzung. Dass die Sorgearbeit in zehn Jahren gleichmäßig zwischen den Geschlechtern aufgeteilt sein wird, erwarten 63 Prozent der Männer, aber nur 56 Prozent der Frauen. Den Gender-Pay-Gap (Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen) bis dahin für geschlossen zu halten, halten 39 Prozent der Männer für realistisch – unter den Frauen sind es lediglich 25 Prozent. Rund die Hälfte der Befragten gibt an, gelegentlich zu gendern.

Beim Körperbild zeigt sich ein gemischtes Bild: Knapp die Hälfte der Befragten empfindet das eigene Gewicht als genau richtig, 40 Prozent hingegen als zu hoch. Sexualität spielt für fast jeden Zweiten eine wichtige Rolle im Leben, für ein Viertel gehören Pornos zum gelebten Sexualleben. Im Alltag dominieren Fleischkonsum (84 Prozent), Sport und Online-Shopping (je 77 Prozent) sowie Körperrasur (75 Prozent). Morgens greift fast die Hälfte zuerst zum Wasserglas, nur ein Viertel beginnt den Tag mit Kaffee.

Vertrauen & Sicherheit

Bei der Geldanlage setzt die Mehrheit nach wie vor auf das klassische Sparbuch – 60 Prozent bevorzugen diese Form. Trotz der anhaltenden Teuerung geben 77 Prozent an, sich das Notwendige leisten zu können. Nur 41 Prozent glauben, sich in zehn Jahren ein Eigenheim finanzieren zu können. Gegenüber erneuerbaren Energien zeigen sich die jungen Österreicherinnen und Österreicher offen – 78 Prozent hätten kein Problem damit, wenn in ihrer unmittelbaren Umgebung ein Windrad errichtet würde.

Das Vertrauen der 16- bis 25-Jährigen in gesellschaftliche Institutionen ist stark unterschiedlich ausgeprägt: Am höchsten ist es gegenüber der Wissenschaft (84 Prozent) und der Polizei (71 Prozent). Klassischen Medien vertrauen 64 Prozent, KI-Chatbots hingegen nur 39 Prozent. Das geringste Vertrauen genießen die Politik (18 Prozent) und soziale Medien (15 Prozent). Obwohl sich drei Viertel der Befragten für politische Themen interessieren, fühlt sich nur jeder Fünfte durch die Politik angemessen vertreten.

Fragen rund um Aufrüstung und militärische Sicherheit stoßen bei der Generation Z auf deutliche Zurückhaltung. Zwei Drittel sprechen sich gegen eine Verlängerung des Wehrdienstes aus, ebenso viele lehnen eine Wehrpflicht für Frauen ab. Einer generellen Aufrüstung stehen 56 Prozent ablehnend gegenüber. Weniger als zwei Drittel der Befragten wären bereit, Österreich im Falle eines Krieges aktiv zu verteidigen. Die österreichische Neutralität hingegen genießt breite Unterstützung: Acht von zehn Befragten sprechen sich für deren Beibehaltung aus.

Die gesellschaftliche Entwicklung in Österreich betrachtet die Generation Z mit wachsender Besorgnis: Drei Viertel nehmen eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft wahr. Knapp die Hälfte fühlt sich sowohl im digitalen als auch im öffentlichen Raum in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt.

Rund 60 Prozent sind dennoch der Überzeugung, dass eine Verständigung auf gemeinsame gesellschaftliche Grundwerte möglich ist.

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KO KOSMO-Redaktion
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