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Expansion

Gift-Skandal und jetzt Lebensmittel: Temu plant nächsten Europa-Coup

Gift-Skandal und jetzt Lebensmittel: Temu plant nächsten Europa-Coup
FOTO: iStock, Temu-Screenshot
4 Min. Lesezeit |

Der chinesische Online-Riese Temu nimmt den europäischen Lebensmittelmarkt ins Visier. Mit regionalen Produkten und Spezialteams soll die nächste Expansionsphase beginnen.

Der chinesische Online-Marktplatz Temu will künftig verstärkt im europäischen Lebensmittelsektor Fuß fassen. Die Plattform bereitet eine umfassende Expansion vor, bei der europäische Nahrungsmittel ins Sortiment aufgenommen werden sollen. Händler aus Österreich und anderen europäischen Ländern können bereits ihre Produkte anbieten, wobei die meisten Lebensmittel von regionalen Anbietern stammen. Konkrete Informationen zum Ausbau des Geschäfts in Österreich liegen derzeit nicht vor.

Ein speziell eingerichtetes europäisches Team von Temu kontaktiert gezielt Produzenten in Europa, um das Angebot um Produktkategorien wie Snacks, Süßigkeiten, Getränke, Kosmetika und Gartenartikel zu erweitern. Das Unternehmen verfolgt dabei die Strategie, ein Sortiment „aus Europa für Europa“ zu etablieren. Der Marktplatz wirbt mit günstigen Preisen und einem umfangreichen Warensortiment von Bekleidung über Küchenutensilien und Schönheitsprodukte bis hin zu Elektronikartikeln.

Die Website verzeichnet europaweit monatlich 103 Millionen Besucher, in Österreich sind es etwa 1,8 Millionen. Temu betreibt keine eigenen Lager, sondern fungiert als Vermittler zwischen asiatischen Herstellern und Konsumenten weltweit. Konsumentenschützer weisen auf mögliche Qualitäts- und Sicherheitsmängel hin. Die Arbeiterkammer Oberösterreich meldete, dass über die Plattform verkaufte Flip Flops erheblich mit gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet waren.

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Europäische Expansion

Seit Mitte des Jahres können auch Händler aus Europa ihre Waren auf Temu anbieten. Das Lebensmittelsortiment in Österreich ist aktuell noch sehr begrenzt und beschränkt sich hauptsächlich auf Nüsse und Teigwaren. Temu setzt spezialisierte Teams ein, die verschiedene Produktkategorien betreuen, um das regionale Angebot auszubauen und den Kundenservice für europäische Verbraucher zu verbessern.

Die Kooperation mit heimischen Unternehmen soll eine breitere Produktpalette, schnellere Zustellung und besser auf lokale Geschmacksvorlieben abgestimmte Artikel ermöglichen. Handelsverbände sowie Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen in Europa fordern Maßnahmen gegen Temu, Shein und AliExpress. Der österreichische Handelsverband warnte vor erheblichen Risiken durch asiatische Billig-Plattformen für Konsumenten, Umwelt und den Wirtschaftsstandort Europa.

In Deutschland konnte Temu bereits erste lokale Lebensmittelproduzenten wie Wurstbaron und Mr Tom als Partner gewinnen, die von zufriedenstellenden Umsätzen berichten. Die Plattform konzentriert sich besonders auf kleinere Hersteller im Bereich Süßwaren und Nahrungsergänzungsmittel, um das europäische Sortiment zu erweitern.

Kritische Stimmen

Der Lebensmittelhandel wird als Teil der kritischen Infrastruktur betrachtet, der die Nahversorgung sicherstellt. In diesem Bereich stehe nun die nächste Welle günstiger Importe aus Asien bevor. Qualitätsstandards, Rückverfolgbarkeit und Sicherheit dürften dabei nicht kompromittiert werden.

EU-Parlamentarierin Sophia Kircher bemängelte den Zustrom von Billigwaren aus Asien, der lokale Händler vom Markt dränge und den Wettbewerb verzerre. Diese Produkte würden häufig europäische Sicherheits- und Gesundheitsstandards missachten und erhebliche Mängel aufweisen. Auch Elisabeth Grossmann kritisierte, dass Plattformen wie Temu und Shein den europäischen Markt mit Niedrigpreisprodukten überfluten, die oft weder die Umwelt- noch die Sicherheitsanforderungen der EU erfüllen.

Die Zollfreigrenze von 150 Euro werde dabei systematisch ausgenutzt. Thomas Waitz, Agrarsprecher der Grünen im EU-Parlament, betonte die starke Konzentration im österreichischen Lebensmittelhandel. Temu und große Konzerne erhöhten den Druck auf heimische Landwirte, die bereits unter schwierigen Bedingungen arbeiten.

Das Geschäftsmodell von Temu basiere auf der Ausbeutung von Arbeitskräften und stehe im Widerspruch zu fairem Wettbewerb und einem gerechten Lebensmittelsystem.

Branchenexperten warnen zudem vor den Konditionen, die Temu seinen europäischen Zulieferern diktiert. Die Plattform verlangt von den Lieferanten Preise, die mindestens 15 Prozent unter denen von Amazon liegen müssen. Gleichzeitig sind die Händler für die Logistik selbst verantwortlich und an die Preisvorgaben gebunden. Diese Bedingungen könnten besonders für kleinere Betriebe existenzbedrohend sein und werden von Handelsverbänden als Gefahr für die regionale Wertschöpfungskette eingestuft.

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KO KOSMO-Redaktion
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