Eine 27-Jährige aus dem Bezirk St. Pölten traf vor ihrem Ägypten-Urlaub vermeintlich alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen und deaktivierte das Datenroaming auf ihrem Handy. Dennoch erhielt sie nach ihrer Heimkehr eine schockierende Rechnung über rund 850 Euro von ihrem Mobilfunkanbieter – obwohl sie bewusst keine Daten im Ausland genutzt hatte.
Die Ursache lag in ihrer aktivierten Mobilbox, die durch weitergeleitete Anrufe erhebliche Roaminggebühren verursachte. Vielen Konsumenten ist nicht bewusst, dass selbst unbeantwortet gebliebene Anrufe kostspielig werden können, wenn sie ins Ausland weitergeleitet und von der Mailbox angenommen werden – hier entstehen gleich doppelte Kosten.
Auch das Abhören der Sprachnachrichten im Urlaubsland schlägt zusätzlich zu Buche. Daher empfiehlt sich vor Reiseantritt eine genaue Abklärung der verfügbaren Optionen beim jeweiligen Anbieter.
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AK-Hilfe wirkt
Die betroffene Konsumentin suchte Hilfe bei der Arbeiterkammer Niederösterreich. Während eines AK-Beratungstermins zum Thema Konsumentenschutz konnte eine erhebliche Kostenreduktion erreicht werden. Nach dem Einschreiten der AK musste die Urlauberin statt der ursprünglichen 850 Euro nur noch 85 Euro bezahlen.
AK NÖ-Präsident Markus Wieser kommentierte den Fall mit den Worten: „Zum Glück kam die Frau zu uns.“ Durch die Unterstützung der AK-Experten erhielt die Betroffene einen Preisnachlass von 90 Prozent. Dieser Fall verdeutlicht die Bedeutung fachkundiger Beratung bei Auslandstelefonkosten.
Roaming-Regeln beachten
Innerhalb der EU sowie in Island, Norwegen und Liechtenstein können Reisende dank der „Roam like at home“-Regelung ihr heimisches Datenvolumen entsprechend ihres Vertrags nutzen. Außerhalb dieser Zonen – beispielsweise in Ägypten oder der Schweiz – gelten jedoch völlig andere Bestimmungen.
Ohne aktive Deaktivierung der Roaming-Funktionen drohen erhebliche Mehrkosten. Die Arbeiterkammer empfiehlt daher nachdrücklich, bei Reisen in Nicht-EU-Staaten das Roaming rechtzeitig zu deaktivieren.
Zudem rät die AK, die Mobilbox während des Urlaubs komplett abzuschalten – etwa durch Eingabe des Kurzbefehls ##002#. Bei bestimmten Anrufweiterleitungen können sonst auch ohne eigenes Zutun hohe Kosten entstehen.
Drastische Preisunterschiede bei Datennutzung
Neben der Mobilbox zählen vor allem hohe Datenpreise und unbeabsichtigte Netzverbindungen zu den größten Kostenfallen im Nicht-EU-Ausland. Bei österreichischen Anbietern wie Drei und A1 können in Ägypten, der Türkei oder der Schweiz zwischen 10 und 20 Euro pro Megabyte anfallen. Zum Vergleich: Ein einzelnes Foto in sozialen Medien verbraucht bereits rund 2-5 MB.
Wer keine speziellen Roaming-Pakete bucht, riskiert schnell dreistellige Beträge – selbst bei kurzer Internetnutzung. Viele Anbieter blockieren den Datenverbrauch automatisch nach Erreichen eines Kostenlimits von 60 Euro, um Kunden vor extremen Rechnungen zu schützen. Eine weitere Nutzung ist dann nur nach ausdrücklicher Zustimmung möglich.
Spezielle Tarife als Alternative
Für Reisende gibt es jedoch Alternativen zu den hohen Standardtarifen. So bietet beispielsweise A1 mit dem Roaming Pass für ausgewählte Länder 1 GB Daten bereits ab 4,90 Euro an – ein erheblicher Unterschied zu den regulären Preisen. Verbraucherschützer raten, sich vor der Abreise über verfügbare Optionen bei den jeweiligen Anbietern zu informieren und das automatische Laden von Apps oder Updates im Hintergrund zu deaktivieren.
Ein weiteres Problem ist das sogenannte „Geisterroaming“, bei dem sich Smartphones an Grenzregionen unbemerkt in ausländische Netze einwählen. Experten vom ÖAMTC empfehlen daher, in Nicht-EU-Ländern generell auf den Flugmodus umzuschalten und ausschließlich WLAN zu nutzen, wenn keine speziellen Roaming-Pakete gebucht wurden.