Hazim Hadžić: „Für wen bekommt ihr eigentlich eure Kinder?“

KOLUMNE

Hazim Hadžić: „Für wen bekommt ihr eigentlich eure Kinder?“

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Hazim-Erziehung
(FOTO: iStockphoto, zVg.)

Die Liebe bringt uns zu verrückten Entscheidungen. Sie ist Risiko und Gewinn. Meistens wird sie gefeiert, manchmal bereut. Sie wurde in Epen, in herzzerreißende Romane gegossen, Hunderte Male verfilmt und so manch einer ist ihretwegen umgekommen – das weiß ich sicher. In ihr verbinden sich zwei Seelen und aus diesem trotzigen Gefühl, aus ihrer unwiderstehlichen Natur, wird als Frucht und Erweiterung der Liebe, die ihm die Eltern geben, so manches kleine Kind geboren…

Und dann überlassen sie das Kind in seiner Hilflosigkeit den Umständen, der Umgebung und der Gesellschaft. Soll es doch aufziehen, wer mag! Aber für wen gebären Sie Kinder? Für wen? Ist die Zeit nicht lange vorbei, in der man Kinder aus Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften bekam?

Lange ist die Zeit vorbei, als man Kinder als Werkzeuge betrachtete, als gute Arbeiter oder noch bessere Hausfrauen. Eine neue Zeit ist angebrochen, aber wir begeben uns gefährlich nah an ein anderes Extrem: Heute schauen wir nicht einmal mehr auf die eigenen Kinder. Wir gebären sie (aus Liebe hoffentlich) und dann, verstrickt in unsere eigenes Ego, lassen wir die Kinder wie wildes Gestrüpp in fernen Wäldern aufwachsen, so gut sie es eben können.

In diesem Dschungel des Erwachsenenwerdens erziehen die Nachbarschaft, das Fernsehen, die Umgebung, die Gesellschaft, und wer eben mag, die Kinder, und wir fragen uns, zu was das, was einst uns gehörte und jetzt allen, heranwächst; das was einst mir gehörte und jetzt armseliges Allgemeineigentum ist. Sie haben alles zur Verfügung – außer Aufmerksamkeit und Liebe und dem größten Geschenk, das Eltern einem Kind geben können: Erziehung.

Wenn ich ein Kind bekomme, ist das nicht nur ein Kind… Heute und morgen versteht es noch nichts, aber es ist ein Mensch, es braucht etwas, das es leitet und aufweckt, selbstbewusst und mutig macht, es braucht Liebe, und die soll es in mir finden und nicht in der Gesellschaft, die nicht einmal weiß, was mein Kind braucht. Wenn ich nur ein Kind in die Welt setzen will, kann ich es auch erziehen und werde ich es überhaupt lieben? Liebe war niemals nur ein Wort, sie war immer, immer ein Werk.

Autor: Hazim Hadžić
Autor, Kolumnist, Szenarist und Student