Enormer Preisanstieg: Neuwagen teurer denn je

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Enormer Preisanstieg: Neuwagen teurer denn je

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(FOTO: iStockphoto)

Einheimische Neuwagenkäufer müssen seit dem 1.9. in Österreich mit höheren Preisen rechnen. Lesen Sie, was sich dahinter verbirgt.

Wenn Sie ein neues Auto kaufen wollen, müssen sie seit dem 1.9. dafür tiefer in die Tasche greifen als zuvor. Grund dafür sind die Verbrauchstests, mit denen seit diesem Herbst EU-weit die schädlichen Abgasmengen gemessen werden. Es handelt sich um den WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure), einen neuen internationalen Test, dessen Ziel es ist, den Verbrauch und die CO2-Emissionen realistischer zu ermitteln. Im Unterschied zu früher wird dabei auch die spezifische Ausstattung eines Autos mit berücksichtigt, und nicht nur Reifen und Bremsen. Dasselbe Verfahren gilt natürlich auch bei der Anmeldung von Neuwagen, was ihren Wert automatisch erhöht und höhere Marktpreise nach sich zieht.

Schon jetzt 360 Euro teurer
Diese Neuregelung gilt für alle Länder der Europäischen Union und daher auch für Österreich. Da die neuen Tests direkten Einfluss auf die Abgaswerte haben, die bei der Registrierung von Neuwagen gemessen werden, ist es bereits zu einer Verteuerung neu angemeldeter Wagen gekommen. Zu diesem Schluss kommt eine Eurotax-Analyse, die feststellt, dass es seit dem 1.9.2018, als das neue Gesetz und die neue Berechnungsweise in Kraft getreten sind, bereits zu einer durchschnittlichen Erhöhung der CO2-Werte von 119 auf 127 Gramm gekommen und die NoVA (eine einmalige Abgasabgabe bei der Anmeldung eines Neuwagens) damit von 5,8 auf 7,4 Prozent gestiegen ist.

Nach dieser Rechnung sind Autos damit im Durchschnitt bereits jetzt um 360 Euro teurer geworden. Für den Staat könnte dieses Gesetz ein Plus von 130 Millionen Euro jährlich bedeuten. Und obwohl man ursprünglich davon ausgegangen ist, dass eine erhebliche Verteuerung durch die Rückrechnungsformel auf den ehemaligen NEFZ-Wert ausgeschlossen ist, zeigt die Eurotax-Analyse das Gegenteil. „Unsere internationalen Daten zeigen eine durchschnittliche Erhöhung der CO2-Werte von sechs bis sieben Prozent“, sagt Roland Strilka, einer der Analytiker bei Eurotax. Ähnliche Trends bestätigt auch Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure. „Im September ist es bereits zu einem spürbaren Preisanstieg gekommen.“

2019: um 120 Prozent mehr NoVA
Aber das ist erst der Anfang der Teuerung, warnen Experten. „Die Situation wird noch härter, wenn Ende des Jahres die NEFZ-Methode zur Berechnung des Abgaswertes abgeschafft wird und ausschließlich der WLTP-Test zählt. Dann wird die NoVA bei Anmeldung eines Neuwagens in Österreich durchschnittlich um 2.940 Euro mehr betragen. Der Prozentsatz der Nova liegt dann bei 12,8 Prozent“, schreibt das österreichische Wirtschaftsmagazin Trend. Das Fazit der ganzen Geschichte ist sowohl für die Kunden als auch für die Produzenten in finanzieller Hinsicht mehr als schockierend: Neuwagen werden im Verhältnis zu den Preisen vor dem 1.9.2018 um 120 (!) Prozent teurer, d.h. mehr als doppelt so teuer. Von dieser Verteuerung profitiert wiederum hauptsächlich der Staat, der in Zukunft, bzw. ab Ende dieses Jahres, mit 550 Millionen Euro mehr im Staatsbudget rechnen kann.

Verteuerung in allen Klassen
Der Österreichische Automobilclub ÖAMTC ist ebenfalls mit dem Thema der Neuwagenteuerung befasst, und nach seinen Angaben gibt es seit September Fälle, in denen einige Autos schon jetzt um nicht weniger als 4.000 Euro teurer geworden sind. Dieser Quelle zufolge sind Autos der Kompaktklasse im Durchschnitt um 556 Euro brutto teurer geworden, ein Auto der Mittelklasse mit einem Wert von 36.900 Euro kostet jetzt bereits 37.822 Euro. Noch drastischer wirkt sich das Gesetz bei den SUVs aus, bei denen ein Auto, das bisher 46.050 Euro wert war, jetzt 48.650 Euro kostet.

Verbesserungen erst ab 2020?
Und während Produzenten, Verkäufer und Kunden Alarm schlagen, schriftlich gegen diese neue Situation protestieren und vom Staat konkrete Maßnahmen fordern, mit denen die Teuerung aufgehalten werden kann, denkt man im Finanzministerium über Änderungen erst ab 2020 nach. „Wenn unter den Vertretern der Automobilindustrie Besorgnis herrscht, dass die Fahrzeugpreise steigen, wird das Finanzministerium seinen Dialog mit dem Verkehrsministerium intensivieren, um Erfahrungen für die Steuerreform 2020 auszutauschen“, sagt man im Ministerium. Demnach zu urteilen wird es vor diesem Datum nicht zu einer Entspannung der Situation kommen.