Über die Babycam musste eine Mutter mitansehen, wie ein Pfleger ihren behinderten Säugling misshandelte. Der Fall aus Kiel schockiert und wirft Fragen auf.
Ein acht Monate alter Junge wurde in einer Pflegeeinrichtung nahe Kiel Opfer von Misshandlungen. Kerim, der aufgrund von Sauerstoffmangel bei der Geburt weder schlucken, sehen noch hören kann, sollte sich dort nach einer Operation erholen. Stattdessen musste seine Mutter Pinar über die installierte Babycam mit ansehen, wie ein Pfleger ihrem Sohn den Mund zuhielt. Der Vater Zemzem berichtet erschüttert, der Pfleger habe dabei mehrfach „halt deine Fresse“ zu dem Säugling gesagt.
Für die 36-jährige Mutter war der Anblick ihres weinenden Kindes mit geschwollenen Lippen ein traumatisches Erlebnis. Die Babycam, die eigentlich der Beruhigung der Eltern dienen sollte, wurde zum Zeugen eines Albtraums.
📍 Ort des Geschehens
Schockierende Gewalt
Die Misshandlungen gingen noch weiter. Der Pfleger schlug wiederholt auf Kerims frische Operationswunde am Bauch. „Das hat uns einfach nur wahnsinnig gemacht, wie man so skrupellos sein kann“, schildert Pinar die Situation. Die Eltern erstatteten umgehend Anzeige, woraufhin Polizei und Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnahmen.
Die Staatsanwaltschaft Kiel bestätigte inzwischen die laufenden Ermittlungen gegen den beschuldigten Pfleger. Das Verfahren konzentriert sich auf den Verdacht der Misshandlung von Schutzbefohlenen. Die Videoaufnahmen der Babycam dienen als zentrale Beweismittel in dem strafrechtlichen Verfahren.
Die Anwälte der Pflegeeinrichtung teilten auf Anfrage von RTL schriftlich mit, dies sei der erste derartige Vorfall, der der Geschäftsführung bekannt geworden sei. Der betreffende Mitarbeiter wurde nach Bekanntwerden der Vorfälle sofort entlassen.
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Zufällige Entdeckung
Nur durch Zufall entdeckten die Eltern die Misshandlungen ihres Sohnes. Pinar hatte über ihr Smartphone auf die am Bettchen installierte Überwachungskamera zugegriffen und wurde so unfreiwillig Zeugin der schockierenden Szenen, wie sie im RTL-Interview erklärte.
Für Kerims Eltern ist das Vertrauen in externe Betreuung nachhaltig zerstört. Sie erhalten nun dreimal wöchentlich häusliche Unterstützung, um wenigstens einige Nächte ausreichend Schlaf zu bekommen.