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Katastrophe

Horror-Crash nach Erdrutsch: Drei Tote bei Zug-Entgleisung

Horror-Crash nach Erdrutsch: Drei Tote bei Zug-Entgleisung
FOTO: EPA/RONALD WITTEK
4 Min. Lesezeit |

Bei einem Zugunglück im deutschen Riedlingen sind am Sonntagabend drei Menschen getötet worden. Unter den Opfern befinden sich nach Angaben von Kreisbrandmeisterin Charlotte Ziller der Lokführer sowie ein weiterer Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Die Einsatzkräfte berichten mittlerweile von etwa 50 Verletzten, davon 25 mit schweren Verletzungen. Ein weiterer Bahnunfall in Kärnten ging hingegen ohne Personenschäden aus.

Der verunglückte Regionalexpress RE 55 war mit rund 100 Fahrgästen besetzt und auf der Strecke von Sigmaringen nach Ulm unterwegs. Gegen 18.10 Uhr entgleisten nahe des Riedlinger Ortsteils Bechingen mindestens zwei Waggons. Die Unfallstelle liegt etwa 45 Kilometer südöstlich von Ulm. Die Rettungsleitstelle Reutlingen rief einen „Massenanfall von Verletzten“ aus – eine Klassifizierung für Notfälle mit zahlreichen Verletzten.

Innenminister Strobl zufolge waren mehrere hundert Einsatzkräfte mit entsprechender Ausrüstung sowie sechs Rettungshubschrauber vor Ort im Einsatz. Auch bayerische Rettungskräfte unterstützten die Kollegen im Nachbarbundesland, mit der Option, bei Bedarf weitere Einheiten zu entsenden.

Mögliche Unfallursache

Die genaue Unfallursache ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Kreisbrandmeisterin Ziller erklärte jedoch, dass augenscheinlich ein Erdrutsch eine Rolle gespielt haben könnte. Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) verwies auf die starken Regenfälle in der Region: „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Starkregen und ein damit verbundener Erdrutsch-Unfall ursächlich gewesen ist.“

Der Deutsche Wetterdienst bestätigte, dass am frühen Abend unwetterartige Gewitter über die Region zogen. Laut Meteorologe Dominik Smieskol fielen lokal zwischen 30 und 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in kurzer Zeit. Allerdings verfüge der Wetterdienst am genauen Unfallort über keine Messstation für präzisere Angaben.

Experten weisen darauf hin, dass extreme Wetterereignisse das Risiko von Bahnunfällen erhöhen können. Nach Angaben des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) wurden in den letzten Jahren vermehrt Schäden an Bahnanlagen durch witterungsbedingte Einflüsse registriert. Allein im Jahr 2023 gab es in Deutschland 87 dokumentierte Fälle, bei denen Starkregen, Überflutungen oder Erdrutsche zu Störungen oder Beschädigungen im Schienennetz führten.

Das in München ansässige Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF) arbeitet seit 2019 an verbesserten Frühwarnsystemen für klimabedingte Gefahren im Bahnverkehr. „Die zunehmenden Extremwetterereignisse stellen die Bahn vor neue Herausforderungen“, erklärt Forschungsleiter Prof. Dr. Markus Weber. „Wir entwickeln Sensorsysteme, die frühzeitig Veränderungen im Gleisbett und an Bahndämmen erkennen können, bevor es zu kritischen Situationen kommt.“

Für Montagvormittag haben sich DB-Chef Richard Lutz, Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sowie die Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und Winfried Hermann (Grüne) in Riedlingen angekündigt. Sie wollen mit Einsatzkräften sprechen und sich ein Bild von der Unfallstelle machen.

Politische Reaktionen

Bahnchef Lutz äußerte sich tief erschüttert über das Unglück: „Mein tief empfundenes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Verstorbenen. Den Verletzten wünsche ich eine schnelle und vollständige Genesung.“ Er dankte ausdrücklich allen Einsatzkräften und Helfern vor Ort.

Zahlreiche Politiker bekundeten ihre Anteilnahme. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X: „Wir trauern um die Opfer. Ihren Angehörigen spreche ich mein Mitgefühl aus.“ Er stehe mit dem Innen- und Verkehrsminister in engem Kontakt und habe sie gebeten, die Rettungskräfte umfassend zu unterstützen.

Bundesverkehrsminister Schnieder erklärte: „Aktuell lässt sich das gesamte Ausmaß des Zugunglücks bei Riedlingen nur erahnen.“ Die Situation vor Ort sei erschütternd. Experten seien bereits unterwegs, um gemeinsam mit den Ermittlungsbehörden die Unfallursache zu untersuchen. Ministerpräsident Kretschmann bezeichnete die Nachricht als tragisch und zeigte sich erschüttert: „Mein tief empfundenes Beileid gilt den Angehörigen der Opfer.“

Präventive Maßnahmen im Fokus

Nach ähnlichen wetterbedingten Bahnunfällen in der Vergangenheit hat die Deutsche Bahn ihr Präventionsprogramm „Klima-Resilienz“ ins Leben gerufen. Das Programm umfasst die regelmäßige Kontrolle von Böschungen und Streckenabschnitten, die besonders anfällig für Überflutungen oder Erdrutsche sein könnten. Bis Ende 2024 sollen rund 800 Millionen Euro in die Sicherung gefährdeter Streckenabschnitte investiert werden.

Eine vergleichbare Strategie verfolgen auch die ÖBB in Österreich mit ihrem „KLAR!“-Klimaanpassungsprogramm. Nach den verheerenden Überflutungen in der Steiermark 2020 wurden mehr als 120 besonders gefährdete Bahnabschnitte identifiziert und mit zusätzlichen Schutzvorkehrungen versehen.

Die betroffene Bahnlinie RE 55 wird von DB Regio BW betrieben und verkehrt stündlich bis zweistündlich im Regionalzugnetz Donau-Ostalb. Die Deutsche Bahn informierte auf ihrer Internetseite über die Einstellung des Bahnverkehrs zwischen Munderkingen und Herbertingen aufgrund der „Zugentgleisung auf der Strecke“.