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Infantinos „inklusive“ Fußball-Party: WM 2026 nur für Reiche

Infantinos „inklusive“ Fußball-Party: WM 2026 nur für Reiche
Foto: iStock, epa/RODRIGO ANTUNES
4 Min. Lesezeit |

Rekordpreise, 104 Spiele und ein Turnier, das als „inklusiv“ beworben wird – die WM 2026 in Nordamerika entpuppt sich als Spektakel für Privilegierte.

Die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada wird als die teuerste in der Geschichte bezeichnet. Wem gehört dieses Turnier, das am 11. Juni im legendären Aztekenstadion von Mexiko-Stadt seinen Anfang nimmt? Werden die Engländer dominieren, die ihre WM-Qualifikation mit beeindruckender Souveränität gemeistert haben? Oder die Spanier, die bei der EM in Deutschland wie eine Mannschaft wirkten, der noch zahlreiche Trophäen bevorstehen? Vielleicht wird es Lionel Messis Bühne, der mit Argentinien als erster Spieler seit Pelé und Brasilien 1962 einen WM-Titel verteidigen könnte?

Folgt man der Rhetorik des Fußballweltverbands FIFA und seines Präsidenten Gianni Infantino, soll es vor allem ein Turnier für jedermann werden. „Die größte und inklusivste WM aller Zeiten“ – so lautet Infantinos Mantra. Und tatsächlich erreicht das Turnier neue Dimensionen, die manche als überzogen kritisieren. 104 Partien in fünfeinhalb Wochen stehen auf dem Programm, davon allein 72 während der 16-tägigen Gruppenphase.

⇢ Fan-Aufstand wirkt: FIFA knickt bei WM-Wucher ein – doch ein Haken bleibt

Im Sinne der Inklusivität qualifizierten sich auch Nationen, die sonst kaum auf der WM-Bühne zu finden sind: Kap Verde, Curaçao oder Jordanien etwa. Dass dies nicht zwingend das sportliche Niveau eines Turniers hebt, das am Ende einer kräftezehrenden Saison teilweise unter extremer Hitze ausgetragen wird, steht auf einem anderen Blatt. Doch wer möchte das den euphorischen schottischen Anhängern erklären, die nach 28 Jahren Abstinenz endlich wieder WM-Luft schnuppern dürfen?

Unerschwingliche Ticketpreise

Ein Blick auf die kürzlich von Infantinos FIFA veröffentlichten Ticketpreise offenbart jedoch schnell: Für die meisten Fußballliebhaber bleibt diese WM ein unerschwinglicher Traum. Nehmen wir einen deutschen Fan, der ein Gruppenspiel gegen Curaçao oder Ecuador erleben möchte – allein für ein Ticket aus dem DFB-Kontingent werden zwischen 155 und 600 Euro fällig. Wer vom Finale träumt, müsste – wohlgemerkt direkt bei der FIFA, nicht bei Zwischenhändlern – zwischen 3580 und 7430 Euro berappen.

Die Empörung darüber schwoll derart an, dass der Weltverband nachträglich eine günstigere Kategorie einführte – die allerdings pro Spiel nur einige hundert Tickets umfasst. Das Turnier, das mit Superlativen wie „beste“, „größte“ und „inklusivste“ Weltmeisterschaft beworben wird, entpuppt sich zunächst als die mit Abstand kostspieligste WM der Fußballgeschichte.

Politische Bühne

Dies könnte zu einer gedämpfteren, weniger farbenfrohen und weniger fußballverrückten Atmosphäre führen, als man es von Weltmeisterschaften gewohnt ist. Ein Event für die Wohlhabenden – passend zum vermögenden FIFA-Präsidenten, der zweifellos erheblichen Einfluss auf die Turniergestaltung nimmt. Dabei geht es nicht nur um Donald Trumps mögliche Einreisepolitik und die Ungewissheit, wie viele Fans aus dem Iran, der Elfenbeinküste oder dem Senegal aufgrund angedrohter oder tatsächlicher Einreiseverbote zu Hause bleiben müssen.

Vielmehr deuten jüngste Entwicklungen darauf hin, dass Trump, der FIFA-Friedenspreisträger, das Turnier für seine Selbstdarstellung nutzen könnte. Ein Blick auf das Siegerfoto der Klub-WM vom vergangenen Sommer genügt: Dort posiert der US-Präsident inmitten der jubelnden Chelsea-Profis, während ihr Kapitän die Trophäe in den Himmel reckt. Vielleicht wird es also tatsächlich Messis Turnier, oder das von Harry Kane, oder von Florian Wirtz und Lamine Yamal. Doch nicht zuletzt dürfte es auch die Bühne für Donald Trump und Gianni Infantino werden.

Die zentrale Frage bleibt: Wie viele der begeisterten Schotten, wie viele Jordanier, Argentinier und Deutsche, die gerne dabei wären, können tatsächlich anreisen? Wenn man, wie die FIFA in ihren Slogans verkündet, „die Welt vereinen“ möchte, wenn man „für das Spiel“ und „für die Welt“ arbeitet, dann sollte auch die halbe Welt teilnehmen können, wenn WM-Zeit ist.

Nur: Wie viele können sich diesen Traum wirklich leisten?

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KO KOSMO-Redaktion
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