Ein Bär öffnet Fenster, trinkt aus dem Wasserhahn – und entwischt. Fukushima erlebt einen Angriff der besonderen Art.
Im Norden Japans hält ein Bär die Behörden der Präfektur Fukushima seit Tagen in Atem. Am Dienstag drang das Tier zunächst in eine Fabrik für Autoteile ein und verletzte dort zwei Beschäftigte durch Bisse. Auf dem angrenzenden Gelände eines weiteren Betriebs wurden daraufhin zwei weitere Personen angegriffen.
Laut Angaben der zuständigen Behörden soll der Bär dabei sogar selbständig ein Fenster geöffnet und sich aus einem Wasserhahn bedient haben, um zu trinken. Obwohl Jäger und Einsatzkräfte mit Fallen sowie Betäubungsgewehren im Einsatz waren, gelang es nicht, das Tier zu stellen – es entkam schließlich vom Gelände. Der Bürgermeister von Fukushima-Stadt bestätigte Hinweise darauf, dass das Tier selbständig ein Fenster geöffnet haben könnte, und bezeichnete den Bären als „äußerst intelligent“.
Rekordviele Sichtungen
Der Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund einer deutlich gestiegenen Bärenaktivität in Japan. Im vergangenen Jahr kamen so viele Menschen durch Bärenangriffe ums Leben wie nie zuvor. Allein zwischen April 2025 und Ende März 2026 wurden landesweit über 50.000 Begegnungen mit Bären gemeldet – mehr als doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2023.
Als Ursachen für diese Entwicklung nennen Fachleute mehrere zusammenwirkende Faktoren. Einerseits wächst die Bärenpopulation stetig, andererseits führt die fortschreitende Entvölkerung ländlicher Gebiete dazu, dass die Tiere leichter in bewohnte Bereiche vordringen können. Hinzu kommt ein knappes Nahrungsangebot in den Wäldern – schlechte Eichelernte etwa zwingt die Tiere, andernorts nach Nahrung zu suchen.
A bear injured four people after wandering into a residential area of Fukushima, Japan today.
The bear first attacked two workers at a steel plant before moving into a nearby neighbourhood and injuring two more people, including an 80 year old woman.
Schools were temporarily…
— Volcaholic 🌋 (@volcaholic1) June 2, 2026
Die Folge: Bären tauchen zunehmend in Städten und Dörfern auf, wurden bereits in Supermärkten gesichtet und streiften in der Nähe von Schulen umher.
Japans Bärenarten
In Japan sind zwei Bärenarten heimisch: der Asiatische Schwarzbär sowie der erheblich größere Braunbär, der ein Gewicht von bis zu einer halben Tonne erreichen und beachtliche Geschwindigkeiten laufen kann. Um die Bevölkerung zu schützen, werden jährlich tausende Bären getötet. Neben Jägern sind mittlerweile auch Polizeikräfte und vereinzelt das Militär in den betroffenen Regionen im Einsatz, um zur Eindämmung der Tiere beizutragen.