Ein offener Brief, ein direktes Gesprächsangebot – Selenskyj wagt einen Schritt, den es seit Kriegsbeginn kaum gegeben hat.
Mit einem ungewöhnlichen diplomatischen Schritt hat sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj direkt an den russischen Staatschef Wladimir Putin gewandt. In einem offenen Brief, der auf der Website der ukrainischen Präsidentschaft veröffentlicht wurde, schlägt Selenskyj ein persönliches Gespräch vor – ein Vorgehen, das seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 kaum Präzedenz hat.
Selenskyjs Angebot
„Die Ukraine schlägt vor, diesen Krieg durch einen direkten Austausch zwischen Ihnen und uns zu beenden. Ich schlage ein Treffen vor“, heißt es in dem Schreiben. Selenskyj erklärte darin zugleich die Bereitschaft Kyjiws zu einer „vollständigen Waffenruhe für die Dauer der Verhandlungen“. Als möglichen ersten Schritt in Richtung Kriegsende brachte er darüber hinaus einen umfassenden Austausch aller Kriegsgefangenen ins Spiel – dies könne ein „guter Auftakt zur Beendigung des Krieges“ sein.
Moskaus Reaktion
Aus Moskau kam rasch eine erste Reaktion. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ließ verlauten, der ukrainische Präsident könne „jederzeit nach Moskau kommen“. Putin selbst habe den Brief zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Kenntnis genommen, so Peskow. Die von Washington vermittelten Verhandlungsbemühungen befinden sich derweil wegen des Iran-Krieges faktisch in einer Sackgasse.