Kiew unter Beschuss, Moskau unter Druck – Selenskyj verschärft den Kurs und richtet dringende Forderungen an Washington.
Wolodymyr Selenskyj hat nach internen Beratungen mit der ukrainischen Militärführung angekündigt, die Schläge gegen russisches Territorium auszuweiten. Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Moskau soll spüren, dass der Angriffskrieg gegen die Ukraine mit handfesten eigenen Kosten verbunden ist.
Im Fokus stehen dabei Einrichtungen der russischen Ölindustrie – ein strategisch gewähltes Ziel, das die Einnahmen aus dem Energieexport schmälern soll, auf den Russland zur Finanzierung seiner Kriegswirtschaft maßgeblich angewiesen ist. Selenskyj begleitet diese Offensive seit Wochen mit einer aktiven Kommunikationsstrategie: Auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlicht er regelmäßig Bild- und Videomaterial von Treffern auf russischem Gebiet. Moskau hat daraufhin Vergeltungsschläge gegen die Entscheidungszentren in Kiew in Aussicht gestellt.
Appell an Washington
Nach schweren russischen Luftangriffen auf Kiew am Sonntag und erneuten Drohungen weiterer Vergeltungsmaßnahmen wandte sich Selenskyj schriftlich an US-Präsident Donald Trump sowie an den Kongress in Washington D.C. In dem Schreiben schildert er die Defizite der ukrainischen Luftstreitkräfte bei der Abwehr russischer Angriffe und fordert mit zunehmender Dringlichkeit eine Aufstockung der Flugabwehrkapazitäten durch amerikanische Raketensysteme.
Selenskyj berichtete zudem, dass er das Thema auch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erörtert habe. Von der Leyen bekräftigte die anhaltende Unterstützung Europas für die Ukraine und verwies darauf, dass die kommenden Wochen für den EU-Beitrittsprozess wegweisend sein würden. „Luftverteidigung sowie Drohnen- und Anti-Drohnen-Kapazitäten gehören zu den dringendsten Verteidigungsprioritäten Europas. Und die Ukraine wird voll in diese Bemühungen eingebunden“, so die EU-Kommissionspräsidentin.
Moskaus Gegenhaltung
„Je schneller wir in der Lage sind, größeren Schutz gegen ballistische Bedrohungen zu gewähren, desto schneller wird die Diplomatie funktionieren“, meinte Selenskyj. Aus Moskau kommen indes keinerlei Signale, dass sich Russland durch militärischen Druck an den Verhandlungstisch drängen lässt.
Im Gegenteil: Die russische Seite wirft Selenskyj vor, gezielt auf Eskalation zu setzen und die Rückeroberung der von Russland kontrollierten Gebiete anzustreben. Seit mehr als vier Jahren stemmt sich die Ukraine mit Unterstützung westlicher Partner gegen den russischen Angriffskrieg. Selenskyj betonte, dass ein gerechter Frieden und verlässliche Sicherheitsgarantien nur gemeinsam mit den Vereinigten Staaten erreichbar seien.