Eine Rakete, die Europa bedrohen kann – und Kiew könnte ihr nächstes Ziel sein. Die Warnung kommt aus höchster Stelle.
Wolodymyr Selenskyj rechnet in Kürze mit einem russischen Vergeltungsangriff – und zwar unter Einsatz der Oreschnik-Rakete, jener Mittelstreckenwaffe, die seit ihrem ersten Einsatz als besonders gefährlich gilt. Ukrainische Nachrichtendienste hätten entsprechende Hinweise erhalten, auch von amerikanischen und europäischen Partnern, schrieb der ukrainische Präsident in den sozialen Netzwerken. „Unsere Nachrichtendienste haben Berichte über eingegangene Daten erhalten, einschließlich von amerikanischen und europäischen Partnern, wonach Russland einen Schlag mit der Oreschnik-Rakete vorbereitet“, teilte Selenskyj mit.
Auch die Hauptstadt Kiew sei demnach als Ziel nicht ausgeschlossen. Russland hatte die ballistische Rakete bislang zweimal im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt – zunächst ohne Sprengköpfe in der südostukrainischen Großstadt Dnipro, zuletzt im Jänner in der Westukraine. Der erste Einsatz erfolgte im November 2024 gegen Dnipro, der zweite Anfang Jänner 2025 in der westukrainischen Region Lwiw.
Oreschnik-Bedrohung
Moskau bestätigte den Einsatz der Oreschnik beim Angriff auf die Westukraine. Die Waffe, die im Volksmund auch als Weltuntergangswaffe bezeichnet wird, ist sowohl für konventionelle als auch für atomare Sprengköpfe ausgelegt und auch in Belarus stationiert. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 12.000 Kilometern pro Stunde und einer Reichweite von bis zu 5.000 Kilometern stellt sie eine potenzielle Bedrohung für den gesamten europäischen Kontinent dar.
Selenskyj warnte seine Landsleute vor einem möglichen kombinierten Angriff mit verschiedenen Waffentypen und rief zur Wachsamkeit auf. „Es ist wichtig, ab heute Abend verantwortungsvoll auf Luftalarme zu reagieren“, appellierte er. „Der russische Wahnsinn kennt wirklich keine Grenzen, schützen Sie daher Ihr Leben – nutzen Sie Schutzbunker.“
Selenskyjs Forderungen
Gleichzeitig wandte er sich an die internationale Gemeinschaft und forderte eine „präventive Reaktion“ – ohne jedoch zu konkretisieren, was er darunter versteht. Es dürfe nicht erst im Nachhinein gehandelt werden, betonte er. „Druck muss auf Moskau ausgeübt werden, damit es den Krieg nicht ausweitet“, sagte Selenskyj.
„Dieser Krieg muss beendet werden – wir brauchen Frieden, keine Raketen, die die kranken Ambitionen eines Einzelnen befriedigen“, sagte Selenskyj in Richtung des Kremlchefs Wladimir Putin, der seit mehr als vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt. Putin hatte sein Verteidigungsministerium angewiesen, eine Reaktion auf den ukrainischen Angriff auf ein Wohnheim in der Stadt Starobilsk im russisch besetzten Gebiet Luhansk vorzubereiten. Nach russischen Angaben kamen dabei mindestens 18 Studierende eines pädagogischen Instituts ums Leben.
Das ukrainische Militär widersprach dieser Darstellung und erklärte, der Angriff habe einer russischen Militäreinheit gegolten, die auf Drohnenangriffe gegen die Ukraine spezialisiert sei.