Kiew erlebt eine der schwersten Angriffsnächte seit Langem – und eine gefürchtete Waffe soll dabei erstmals über der Hauptstadt eingesetzt worden sein.
Erneut hat Russland in der Nacht die ukrainische Hauptstadt mit einem massiven Drohnen- und Raketenangriff überzogen. Dabei soll auch die neue Hyperschallrakete vom Typ Oreschnik zum Einsatz gekommen sein. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben, mehr als 50 wurden verletzt.
Kiews Militärverwalter Tymur Tkatschenko sprach von 40 beschädigten Gebäuden und bezeichnete die Hauptstadt als Ziel eines massiven Angriffs mit ballistischen Raketen. Er rief die Bevölkerung auf, in den Schutzräumen zu verbleiben. Bürgermeister Vitali Klitschko (54) schrieb auf Telegram, es sei „eine schreckliche Nacht für Kiew“ gewesen – im Bezirk Schewtschenkiwsky sei eine Schule getroffen worden und in Brand geraten.
Oreschnik im Einsatz
Die ukrainische Luftwaffe hatte zuvor ausdrücklich vor einem möglichen Einsatz von Hyperschallraketen des Typs Oreschnik gewarnt. Bei der Oreschnik – auf Deutsch „Haselstrauch“ – handelt es sich um eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde erreichen und Ziele in einer Entfernung von 3.000 bis 5.500 Kilometern treffen kann. Laut dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sei es selbst für moderne Luftabwehrsysteme „unmöglich“, die Rakete abzufangen.
Die Befürchtungen in der Ukraine vor dem Einsatz dieser besonders zerstörerischen Waffe waren bereits in den Tagen zuvor gewachsen. Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) hatte am Samstagabend berichtet, dass dem ukrainischen Geheimdienst Informationen von Partnern in Europa und den USA vorlägen, wonach Russland einen Angriff mit der Oreschnik vorbereite. In einer am Morgen veröffentlichten Videobotschaft erklärte Selenskyj, Putin habe die Rakete gegen Bila Zerkwa abgefeuert – eine Großstadt im Kiewer Oblast.
BREAKING:
Russia just attacked Bila Tserkva in Ukraine with an Oreshnik Intermedium Range Ballistic Missile. pic.twitter.com/nddWzuPpjr
— Visegrád 24 (@visegrad24) May 23, 2026
„Das ist wirklich unverantwortlich. Es ist wichtig, dass dies für Russland nicht ohne Folgen bleibt“, sagte Selenskyj. Zu konkreten Schäden in Bila Zerkwa äußerte er sich nicht.
Internationale Reaktionen
Auch die US-Botschaft in Kiew hatte gewarnt, es könne „jederzeit innerhalb der kommenden 24 Stunden“ ein „möglicherweise bedeutsamer Luftangriff erfolgen“. In Polen wurde die Luftwaffe angesichts der russischen Angriffe in der Ukraine in Alarmbereitschaft versetzt, Militärflugzeuge stiegen auf.
Vorausgegangen war ein ukrainischer Drohnenangriff auf die russisch besetzte Region Luhansk in der Nacht zum Freitag, bei dem 18 Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Putin hatte daraufhin Vergeltung gegen Kiew angedroht. Die Ukraine bestreitet, dabei gezielt Zivilisten angegriffen zu haben, und erklärte, Ziel sei eine Drohneneinheit der russischen Armee in der Region Starobilsk gewesen.
🇺🇦 #Ukraine – 🇷🇺 #Russia: Massive overnight strikes were carried out by Russia across all districts of Kyiv, as well as surrounding cities, causing widespread damage to civilian infrastructure.
According to reports, Russia used Oreshnik ballistic missiles, Kalibr cruise… pic.twitter.com/7JA1Ek56ig
— POPULAR FRONT (@PopularFront_) May 24, 2026
Erstmals hatte Putin die Oreschnik im November 2024 gegen die Millionenstadt Dnipro eingesetzt, ein zweites Mal im Jänner dieses Jahres gegen Ziele in der Westukraine. Der aktuelle Angriff wäre demnach der dritte Einsatz dieser Waffe. Eine offizielle Bestätigung aus Moskau lag am Morgen allerdings noch nicht vor.