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Grenzkrise

Invasionsartige Zustände: Spanien entsendet Militär

Invasionsartige Zustände: Spanien entsendet Militär
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Zehntausende Menschen, brennende Fahrzeuge, überlastete Behörden – Ceuta erlebt eine humanitäre Ausnahmesituation historischen Ausmaßes.

Zehntausende Menschen haben innerhalb weniger Stunden die EU-Außengrenze zur spanischen Exklave Ceuta überwunden. Fahrzeuge gingen in Flammen auf, Sicherheitskräfte wurden mit Steinen angegriffen, und auch an der rund 400 Kilometer entfernten Exklave Melilla kam es zu einem Grenzdurchbruch. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums gelangten innerhalb von 24 Stunden rund 49.000 Menschen auf dem Land- und Seeweg nach Ceuta – mehrere Medien bezeichnen diese Zahl ausdrücklich als Schätzung beziehungsweise vorläufige Angabe.

Die Ereignisse lösten auch in anderen europäischen Ländern scharfe Reaktionen aus: Frankreich kündigte verstärkte Kontrollen an der Grenze zu Spanien an, aus Italien kamen Forderungen, im Bedarfsfall auch die offenen Schengen-Grenzen zu Spanien einzuschränken. Viele der ankommenden Menschen schwammen entlang der Küste um Grenzanlagen herum, andere drängten über Übergänge oder ungesicherte Abschnitte auf spanisches Territorium. Unter ihnen befanden sich auch Frauen, Kinder und unbegleitete Minderjährige.

Gewalt an der Grenze

Angesichts des Ausmaßes und der teils gewaltsamen Ausschreitungen sprachen Kritiker von „invasionsartigen Zuständen“ – Hinweise auf eine militärisch organisierte Invasion liegen jedoch nicht vor. Besonders heftige Zusammenstöße gab es in der marokkanischen Grenzstadt Fnideq, wo Sicherheitskräfte versuchten, Tausende Menschen von weiteren Grenzübertritten abzuhalten. Dabei kamen unter anderem Wasserwerfer zum Einsatz.

Am Freitagmorgen wurden die ausgebrannten Überreste eines Busses sowie sieben weiterer Fahrzeuge entdeckt. Aufnahmen zeigten verkohlte Autos und zahlreiche Steine auf den Straßen. Ob sämtliche Fahrzeuge gezielt in Brand gesetzt wurden und wem sie gehörten, ist bislang nicht vollständig geklärt.

Auch in Melilla blieb die Lage angespannt: Nach ersten Schätzungen überwanden dort mehrere Hundert Menschen die Grenze. Im marokkanischen Grenzort Bni Nsar wurden Sicherheitskräfte mit Steinen beworfen, Berichten zufolge gingen auch Polizeifahrzeuge in Flammen auf. Es gab Verletzte und mehrere Festnahmen, der Grenzübergang Beni Enzar musste vorübergehend geschlossen werden.

Überlastete Infrastruktur

In Ceuta stellten zahlreiche Supermärkte, Restaurants, Bars und Geschäfte vorübergehend ihren Betrieb ein. Viele Betreiber schlossen vorsorglich, weil sich Tausende Menschen – hungrig, durchnässt und teils ohne Schuhe – durch die Stadt bewegten. Es liegen erste Berichte über vereinzelte Diebstähle in Geschäften vor, eine offizielle Polizeibilanz mit bestätigten Zahlen fehlt jedoch bislang.

Behauptungen über großflächige Plünderungen, Wohnungseinbrüche oder massenhaft eingeschlagene Autoscheiben wurden von den Behörden nicht bestätigt. Ein Supermarktmitarbeiter berichtete, die Migranten hätten in seinem Geschäft regulär bezahlt – der Laden habe dennoch nach kurzer Zeit schließen müssen, weil sich davor zu viele Menschen versammelt hätten.

Beim Versuch, Ceuta schwimmend zu erreichen, kamen mehrere Menschen ums Leben, andere wurden bei Gedränge und Massenpaniken verletzt. Die spanischen Behörden beziffern die Zahl der Todesopfer auf mindestens 18 Menschen, während andere Berichte von mindestens 19 Todesfällen ausgehen. Die Aufnahmezentren der Stadt sind überfüllt, Tausende Menschen schlafen in Parks, auf Gehsteigen und unter freiem Himmel.

Krankenhäuser, Hilfsorganisationen und Sicherheitskräfte arbeiten an der Grenze ihrer Kapazitäten. Spanien entsandte zusätzliche Polizisten und Soldaten in die Exklave.

Der Begriff „invasionsartige Zustände“ beschreibt dabei die außergewöhnliche Dimension und das Chaos dieser Ereignisse – er darf jedoch nicht mit einer nachgewiesenen, gezielt organisierten Invasion gleichgesetzt werden.

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KO KOSMO-Redaktion
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