Zwei Militärmächte im Spannungsfeld: Während Israel auf modernste Technologie und Kampferfahrung setzt, stützt sich der Iran auf Masse und ein Netzwerk regionaler Verbündeter.
Die israelischen Angriffe auf den Iran und die Vergeltungsdrohungen Teherans haben die Spannungen im Nahen Osten gefährlich verschärft. Israel, das als einziger Atomstaat der Region gilt – ohne dies je offiziell bestätigt zu haben – kann dabei auf die Unterstützung der USA zählen, die in der Vergangenheit bereits entscheidend in regionale Konflikte eingriffen und auch künftig eine zentrale Rolle spielen dürften.
Die militärische Schlagkraft Israels basiert auf einer Kombination aus verdeckten Operationen und leistungsfähigen konventionellen Streitkräften, die in der Region ihresgleichen suchen. Das israelische Militär verfügt über modernste amerikanische und europäische Technologie, ergänzt durch eine eigenständige Rüstungsindustrie. Diese Ausstattung ermöglicht es dem Land, gleichzeitig an mehreren Fronten zu operieren.
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Trotz seiner geringen Größe unterhält Israel beachtliche Truppenstärken mit etwa 170.000 aktiven Soldaten und einer Reserve von 400.000 Personen. Obwohl zahlenmäßig dem Iran unterlegen, profitieren die israelischen Streitkräfte von ihrer umfangreichen Kampferfahrung aus regionalen Auseinandersetzungen.
Irans Militärstrategie
Der Iran setzt auf eine Strategie aus regulären Streitkräften, verbündeten Milizen in der Region und verdeckten Operationen – letztere wurden in den vergangenen Monaten durch amerikanisch-israelische Aktionen erheblich geschwächt. Das iranische Militär gliedert sich in zwei Hauptkomponenten: die regulären Streitkräfte, die vorwiegend für Grenzsicherung und konventionelle militärische Aufgaben zuständig sind, sowie die paramilitärischen Revolutionsgarden mit Eliteeinheiten wie der Kuds-Truppe, dem strategischen Raketenkommando und Cybereinheiten.
Die regulären Streitkräfte umfassen etwa 600.000 Soldaten und den Großteil der Standardausrüstung, während die Revolutionsgarde etwa 200.000 Mann in verschiedenen Divisionen zählt. Die militärische Ausrüstung des Iran präsentiert sich als heterogene Mischung: Teile stammen noch aus sowjetischer und amerikanischer Produktion vor der islamischen Revolution 1979, andere wurden später von Russland geliefert.
Mit schätzungsweise 350 veralteten Flugzeugen ist die iranische Luftwaffe der israelischen sowohl quantitativ als auch qualitativ deutlich unterlegen. Allerdings verfügt der Iran über Kapazitäten zur Herstellung verschiedener Drohnentypen, darunter die Schahed-Angriffsdrohnen, die in großer Stückzahl an Russland für den Einsatz in der Ukraine verkauft wurden.
Nukleare Dimension
Ein mögliches Szenario für einen iranischen Vergeltungsschlag wäre ein massiver Einsatz ballistischer Raketen gegen Israel. Ein ähnlicher Angriff im Oktober 2024 verursachte jedoch nur begrenzte Schäden, was teilweise auf die amerikanische Unterstützung bei der Raketenabwehr zurückzuführen war. Israel selbst verfügt über ein mehrstufiges Raketenabwehrsystem, das über Jahrzehnte mit erheblicher US-Unterstützung entwickelt wurde.
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Das System erkennt anfliegende Geschosse und wird nur aktiviert, wenn diese auf Bevölkerungszentren oder kritische Infrastruktur zielen. Israelische Regierungsvertreter räumen ein, dass das System keine hundertprozentige Zuverlässigkeit bietet, schreiben ihm jedoch zu, schwerwiegende Schäden und zahlreiche Opfer verhindert zu haben.
Die Sicherheit der militärischen Führung stellt für den Iran ein wiederkehrendes Problem dar. Bei den jüngsten israelischen Angriffen in Teheran kamen sowohl der Kommandeur der Revolutionsgarden, General Hossein Salami, als auch Generalstabschef Mohammed Bagheri ums Leben. Zudem wurden in der Vergangenheit führende Atomwissenschaftler und hochrangige Militärs getötet.
Das iranische Atomprogramm hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht; Experten gehen davon aus, dass das Land genügend nahezu waffenfähiges Uran angereichert hat, um innerhalb weniger Monate mehrere Atomwaffen herzustellen – sollte eine entsprechende Entscheidung fallen. Allerdings bleibt unklar, ob der Iran über die Fähigkeit verfügt, einen ausreichend kompakten Atomsprengkopf für den Einsatz in Raketen zu konstruieren.
Israel scheint dieses Risiko nicht eingehen zu wollen und hat bereits in der Vergangenheit Anlagen zur Herstellung von Nuklearmaterial und ballistischen Raketen angegriffen. Rein statistisch betrachtet erscheint der Iran mit 88 Millionen Einwohnern und einer Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern gegenüber Israel mit neun Millionen Einwohnern und 22.000 Quadratkilometern im Vorteil.
In militärischer Hinsicht haben diese Zahlen jedoch wenig Aussagekraft. Militärexperten gehen davon aus, dass sowohl die konventionellen Streitkräfte des Iran als auch seine Verbündeten durch die israelischen und amerikanischen Militäroperationen des vergangenen Jahres erheblich geschwächt wurden.