Josip Broz Tito verkörperte wie kein anderer den Widerspruch des jugoslawischen Sozialismus. Während er offiziell die Gleichheit aller Bürger propagierte, umgab er sich selbst mit einem Luxus, der für gewöhnliche Jugoslawen unerreichbar blieb. Seine zahlreichen Residenzen in Belgrad, Zagreb und Ljubljana, die private Nutzung der Adriainsel Brioni, die Staatsyacht „Galeb“, Sonderzüge, Luxuslimousinen und Flugzeuge – all dies stand ihm nicht als Privateigentum, sondern als Staatsoberhaupt zur Verfügung.
Im jugoslawischen System, das Privateigentum stark einschränkte, definierte sich Reichtum anders als in kapitalistischen Gesellschaften. Titos Wohlstand basierte nicht auf persönlichem Kapital, sondern auf seiner Position, die ihm uneingeschränkten Zugriff auf staatliche Ressourcen ermöglichte. Dennoch gab es auch im sozialistischen Jugoslawien Menschen, die beachtlichen privaten Reichtum anhäuften.
Wohlstand im Sozialismus
So deklarierte 1988 ein Gastronom aus Skopje (Hauptstadt Nordmazedoniens) ein Jahreseinkommen von 171 Millionen Dinar und galt laut Steuerbehörde als vermögendster Privatbürger des Landes – sein Name wurde allerdings nie öffentlich bekannt. Die Dimensionen dieses Einkommens werden deutlich, wenn man es mit den durchschnittlichen Jahreseinkommen von 1980 vergleicht: 24.000 Dinar pro Kopf beziehungsweise 91.000 Dinar pro Beschäftigtem – der Gastronom verdiente also das Siebenfache eines gut verdienenden Arbeitnehmers.
Auf den offiziellen Steuerlisten der höchsten Einkommen fanden sich bemerkenswert keine Politiker, sondern vor allem Privatunternehmer, Musiker und Künstler. Auch Handwerker, Musiker und Universitätsprofessoren verdienten mitunter mehr als Direktoren staatlicher Unternehmen.
Doch selbst die wohlhabendsten Privatpersonen konnten nicht mit den Privilegien konkurrieren, die Tito genoss. Seine Machtposition verschaffte ihm Zugang zu Annehmlichkeiten, die weit über materielle Besitztümer hinausgingen und ausschließlich dem Staatsoberhaupt vorbehalten blieben.
Während einzelne Bürger durchaus beträchtliche Einkommen erzielen konnten, blieb Titos Kombination aus Macht, Prestige und Ressourcenzugang im sozialistischen Jugoslawien unerreicht.