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DIALOG DER RELIGIONEN

Katholiken werden vom bosnischen Imam zur Messe gefahren

(Foto: zVg.)

In der herzegowinischen Stadt Jablanica unterstützen sich die religiösen Gemeinden gegenseitig. So fährt der Imam seit Jahren seine katholischen Mitbürger jeden Sonntag in die Messe. 

Der Ort Jablanica liegt zwischen Mostar und Sarajevo und ist bekannt durch seinen Granit, der unter anderem auch für den Bau des UN-Gebäudes in New York genutzt wurde. 1991 zählte die Gemeinde rund 13.000 Bewohner, überwiegend Muslime und Katholiken. Bis heute wird die Gemeinde so aufgeteilt. 1530 wurde die erste Moschee gebaut, 1892 die erste katholische Kirche. Soweit nichts Ungewöhnliches für den Balkan, der verschiedene Religionen beheimatet.

Allerdings gibt es einige Angelegenheiten, die Jablanica von anderen Orten am Balkan unterscheidet. Der Imam, der seit fünfzehn Jahren die Funktion des muslimischen Oberhaupts bekleidet, ist auch für die Aktivitäten der umliegenden Dörfer zuständig. Während der Kriegsjahre musste der Imam Amir-ef. Drežnjak schwere Verluste und Leid ertragen, wie er gegenüber bosnischen Medien erzählte. Viele Dörfer wurden in Brand gesteckt, die Muslime vertrieben und die Moschee zerstört.

Im Laufe der Zeit kehrten die Menschen in ihre Dörfer zurück. Der Wiederaufbau wurde gestartet und eine Normalität etablierte sich langsam. Sowohl der Imam als auch der Pfarrer versuchen durch gemeinsame Aktivitäten, die Barrieren zwischen der muslimischen und katholischen Bürgern, zu brechen. Auf seinem Weg zum wöchentlichen Unterricht in das nächst gelegene Dorf, hielt der Imam mit seinem Auto an,  um einige ältere Katholiken zur Messe zu fahren.

Bis zur Kirche wären das einige Kilometer, die die Menschen hätten zurücklegen müssen, da es keine Busverbindung zum nächsten Dorf gibt. Diese Geste des Imams wurde zur Gewohnheit, denn seit vier Jahren fährt er seine Mitbürger regelmäßig in das nächste Dorf. Dort unterrichtet er 15 Kinder jeden Sonntag. Diese Geste wusste auch sein Kollege Pfarrer Topić zu schätzen. Als ein Mädchen aus einer muslimischen Familie erkrankte, startete der Pfarrer einen Spendenaufruf in seiner Gemeinde. Den Gesamterlös erhielt das Mädchen für die ärztlichen Kosten.

An religiösen Feiertagen unterstützen sich die religiösen Gemeinschaften. So wird der Pfarrer während des Fastenmonats Ramadan zum gemeinsamen Fastenbrechen eingeladen. Letztes Jahr wurde das Gebet gemeinsam in der Moschee verrichtet. Der Pfarrer betete mit den Muslimen auf seine Weise mit. Dieses Beispiel zeigt, dass Bosnien-Herzegowina auch andere Geschichten hervor bringen kann. Ein Dialog der Religionen und ein friedliches Miteinander wünschen sich sowohl der Imam als auch der Pfarrer.

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