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Kopftuchzwang

Kein Kopftuch gewollt: Wienerin (17) berichtet von Schlägen durch ihren Vater

Kein Kopftuch gewollt: Wienerin (17) berichtet von Schlägen durch ihren Vater
Symbolbild Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Ein Stück Stoff sprengt eine Familie. Mit 17 baut sich Aylin in Wien ein neues Leben auf – ohne Eltern, aber mit klarem Plan.

Weil sie kein Kopftuch tragen wollte, geriet der Familienstreit außer Kontrolle: Aylin (17, Name geändert) schildert der Kronen Zeitung, wie sie geschlagen und beschimpft wurde und schließlich aus dem Elternhaus floh. Mittlerweile wohnt die Jugendliche in einer Wohngemeinschaft in Wien und hat vor, eine Lehre zur Friseurin zu machen.

Vor zehn Jahren übersiedelte Aylin gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern nach Österreich. In Wien ging sie zunächst in die Volksschule, danach in die Mittelschule. Als sie 14 war, forderte der Vater nach ihrer Darstellung, dass sie von nun an ein Kopftuch trage. „Du bist jetzt eine Frau“, habe er dabei gesagt und ihr ein schwarz-braunes Tuch gereicht.

„Ich erinnere mich noch genau. Ich saß im Wohnzimmer und heulte. Mein Papa meinte, am Anfang macht es nichts, wenn ich es nicht ganz korrekt trage. Das muss man erst lernen“, erzählte sie der Kronen Zeitung. Als sie sich widersetzte, habe der Vater laut Aylin bei der Großmutter im Irak angerufen: „Da griff mein Vater zum Telefon und rief meine Oma im Irak an, die auf mich eingeredet hat.“

Es folgten Beschimpfungen, und für den Fall, dass Haare unter dem Tuch hervorblitzten, sei ihr die Hölle angedroht worden. Außerdem berichtet sie, regelmäßig mit der Hand oder mit einem Gürtel geschlagen worden zu sein. Der Vater habe zudem Gegenstände nach ihr geworfen.

Eskalation im Park

Als besonders belastend beschreibt Aylin einen Vorfall, der sich ereignete, nachdem der Vater eine in Wien lebende Tante hinzugezogen hatte. In einem Park habe er von ihr das Handy verlangt: „Ich saß im Park. Mein Vater meinte: Bring dein Handy her. Dann kannst dich verpissen. Ich wollte mein Handy nicht hergegeben. Da hat er mich an den Haaren ins Haus gezogen und meinen Kopf gegen die Wand gedroschen“, sagt sie der Kronen Zeitung. Danach habe der Vater ihr Mobiltelefon zerstört.

Schon am Tag nach dem Vorfall vertraute sich Aylin in der Schule einer Lehrerin an, die das Jugendamt einschaltete. Im Krankenhaus diagnostizierten die Ärzte unter anderem eine Gehirnerschütterung. Den Eltern wurde in weiterer Folge das Sorgerecht entzogen.

Hilfe fand Aylin beim Verein Orientexpress, der Menschen begleitet, die von Zwangsheirat oder Gewalt innerhalb der Familie betroffen sind.

Neuer Alltag

Inzwischen ist Aylin 17 Jahre alt, hat keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern und hält ihren Wohnort geheim. Sie besucht einen Fortbildungskurs und will eine Lehre als Friseurin beginnen, während sich die Eltern ursprünglich eine Karriere als Architektin für sie gewünscht hätten.

Auf ihren Glauben angesprochen, sagte sie der Kronen Zeitung: „Ich glaube nicht mehr an Gott und auch nicht an ein Buch, das vor mehr als 1000 Jahren geschrieben wurde. Ich glaube an die Naturwissenschaft.“ Zugleich könne sie verstehen, dass andere Menschen in ihrer Religion Halt finden.

Von ihrer Mutter spricht sie liebevoll: Diese habe ein gutes Herz gehabt, sei aber nicht stark genug gewesen, um sie zu beschützen. „Ich weiß, dass meine Eltern insgeheim wissen, dass ich recht habe“, so Aylin.

Ob der Koran Frauen ausdrücklich dazu verpflichtet, ein Kopftuch zu tragen, wird in der Religion unterschiedlich ausgelegt. In der deutschen Übersetzung von Adel Theodor Khoury kommt das Wort „Kopftuch“ in den dafür herangezogenen Versen nicht vor. Entsprechende Vorschriften werden aus Interpretationen und Überlieferungen abgeleitet.

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KO KOSMO-Redaktion
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