Um 3 Uhr schweigen in Oleschky die Waffen, kurz darauf schlagen Raketen in Kiew ein. Hinter der Feuerpause steht Melania Trump.
Seit den frühen Morgenstunden des Dienstags gilt in der von Russland besetzten Stadt Oleschky eine räumlich begrenzte Waffenruhe. Zustande gekommen ist sie auf Vermittlung der US-First-Lady Melania Trump. Die Feuerpause, die um 03:00 Uhr in Kraft trat, soll noch in dieser Woche eine Hilfsmission möglich machen, während andernorts in der Ukraine neue Raketenangriffe niedergehen.
Eingeschlossene Zivilisten
Den Helfern soll die Waffenruhe den Zugang nach Oleschky im Süden des Landes öffnen. Laut UN-Angaben sind dort bis zu 2.000 Menschen eingeschlossen, Lebensmittel und Medikamente werden knapp. Verlegte Minen und Drohnenangriffe in der Umgebung verhindern, dass sie die Stadt verlassen können.
Wie ihr Büro mitteilte, hat Melania Trump die Gespräche mit zivilen Unterhändlern aus Russland und der Ukraine geführt. Zuvor war sie mit UN-Vertretern zusammengetroffen, die sie über die Lage in Oleschky unterrichtet hatten. Den Beginn der Feuerpause bestätigten Unterhändler beider Länder sowie die jeweiligen Streitkräfte in getrennten Stellungnahmen.
Die Hilfsmission ist als Vorbereitung auf eine neue, von den USA vermittelte Gesprächsrunde angelegt. Russland und die Ukraine wollen dabei im kommenden Monat über ein Ende des Krieges beraten, der nun schon seit mehr als viereinhalb Jahren andauert.
Trump kündigte an, zivile Vertreter aus Russland und der Ukraine würden die Bewohner zu Hause aufsuchen und „den Umfang der benötigten Hilfe feststellen“. Zur Evakuierung sagte sie: „Bewohner, die evakuiert werden möchten, erhalten abgestimmte Unterstützung und Transporte an den Ort ihrer Wahl. Ich rechne damit, dass einige nach Russland gehen wollen und andere in die Ukraine“, sagte sie.
Angriffe auf Kiew
Wenige Minuten nach 03:00 Uhr wurden in Kiew mehrere Raketenexplosionen gemeldet, in mehreren Teilen des Landes wurde Luftalarm ausgelöst. Bürgermeister Witalij Klitschko zufolge beschädigte ein russischer Angriff die Südbrücke über den Dnipro.
„Ein Angriff hat die Südbrücke getroffen. Auch die Metro-Infrastruktur auf der Brücke wurde beschädigt“, schrieb er auf Telegram. Die Stadtverwaltung ergänzte, der Zugverkehr über die Brücke sei vorübergehend eingestellt worden.
Bereits am späten Montagabend hatten russische ballistische Raketen Teile des Geländes einer Universität in Kiew beschädigt, dabei kam eine Person ums Leben, zehn weitere wurden verletzt. In Charkiw starben bei Angriffen zur gleichen Zeit zwei Menschen, vier weitere erlitten Verletzungen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb: „Es ist wichtig, dass die Welt sieht, dass Russland nichts anderes zeigt als den Willen zu töten und den Krieg fortzusetzen.“ Der rechtsgerichtete US-Kabelsender Newsmax teilte mit, er habe „exklusiven Zugang für Fernsehaufnahmen“ erhalten, um Beobachter zu begleiten, die am Donnerstag in die Stadt einreisen.