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Versorgungslücke

Kinder-Psyche am Limit – Tausende warten auf Hilfe

Kinder-Psyche am Limit – Tausende warten auf Hilfe
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3 Min. Lesezeit |

Tausende Kinder warten auf Hilfe – und die Zeit läuft. Was Eltern jetzt tun können, wenn das System an seine Grenzen stößt.

In Österreich mangelt es nach wie vor an ausreichenden Therapieplätzen für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen. Schätzungen zufolge ist etwa ein Drittel der jungen Menschen von Störungsbildern wie Depressionen oder Angststörungen betroffen. Von dieser Gruppe erhält derzeit nur die Hälfte eine professionelle Behandlung – viele warten auf einen freien Platz, vor allem im Bereich der kassenfinanzierten Versorgung.

Für Eltern ist diese Situation besonders schwer zu ertragen. „Das Warten macht Eltern so hilflos“, sagte die Psychologin und Familienberaterin Michele Liussi. Dieses Gefühl könne sich seinerseits zur zusätzlichen Belastung entwickeln.

Warnsignale erkennen

Kinder sind im Alltag einer Vielzahl von Stressfaktoren ausgesetzt – darunter Schulwechsel, Konflikte in der Familie oder Mobbing durch Gleichaltrige. Treffen mehrere dieser Faktoren zusammen, kann sich die psychische Situation rasch zuspitzen. „Wir merken Kindern an, wenn sie belastet sind. Wenn sie sich zurückziehen und eher irritierbarer sind als sonst“, so Liussi.

Darüber hinaus können veränderte Schlaf- oder Essgewohnheiten sowie Entwicklungsrückschritte als Warnsignale gelten. Treten körperliche Beschwerden auf, rät die Fachfrau zunächst zu einer medizinischen Untersuchung. „Bei somatischen Beschwerden ist der erste Weg zum Kinder- oder Hausarzt“, erklärte sie.

Je nach Befund stehen verschiedene therapeutische Wege offen – von Einzel- und Familientherapie bis zu ergänzenden Angeboten wie Ergo- oder Gruppentherapie. „Es gibt viele gute Angebote“, betonte Liussi – allerdings reichten die vorhandenen Kapazitäten nicht aus. Von den benötigten 111 vollzeitäquivalenten Kassenstellen für Kinder- und Jugendpsychotherapie in Österreich waren 2019 nur 32 besetzt.

Lücken schließen

Solange kein Therapieplatz verfügbar ist, empfiehlt die Expertin, im häuslichen Umfeld eine offene Gesprächskultur zu etablieren und den bewussten Umgang mit Gefühlen aktiv vorzuleben. Gleichzeitig sollten Eltern Unterstützung im eigenen sozialen Netz suchen, um die Belastung besser tragen zu können. Feste Alltagsstrukturen und verlässliche Routinen können dabei helfen, die Situation zu stabilisieren.

Gerade im Bereich leistbarer Psychotherapie übersteige die Nachfrage das verfügbare Angebot deutlich. Initiativen wie „Gesund aus der Krise“ seien zwar wichtige Ansätze, könnten den tatsächlichen Bedarf jedoch nicht vollständig abdecken.

Um an diesem Zustand etwas zu ändern, brauche es mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die bestehenden Versorgungslücken, so die Expertin. „Manchmal muss man laut werden“, sagte Liussi. „Wir dürfen da nicht still sein, sonst kann sich auch nichts ändern.“

Ergänzend dazu fordert sie einen stärkeren Fokus auf Prävention – etwa durch Programme in Kindergärten und Schulen, die emotionale Kompetenzen fördern und Mobbing gezielt vorbeugen.

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KO KOSMO-Redaktion
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