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Versorgungskrise

Monatelang warten auf Hilfe: Österreichs Kinder leiden stumm

Monatelang warten auf Hilfe: Österreichs Kinder leiden stumm
(Symbolbild FOTO: iStock)
3 Min. Lesezeit |

Psychisch belastet, aber kein Therapieplatz in Sicht: Für tausende Kinder in Österreich bleibt Hilfe unerreichbar – mit Folgen für die ganze Familie.

Rund 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Österreich leiden unter psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen – doch nur die Hälfte von ihnen befindet sich in therapeutischer Behandlung. Auf einen Kassenplatz in der Kinder- und Jugendpsychotherapie warten Betroffene häufig viele Monate. Diese Wartezeit trifft nicht nur die Kinder selbst, sondern belastet auch die Eltern erheblich, die sich in dieser Phase oft ohnmächtig fühlen.

Kinder sind im Laufe ihrer Entwicklung zahlreichen Belastungen ausgesetzt – etwa beim Übergang vom Kindergarten in die Schule. Dieser gelingt in den meisten Fällen gut, doch da psychische Belastungen stets auf mehrere Ursachen zurückzuführen sind, können gleichzeitig auftretende Schwierigkeiten – wie familiäre Trennungen, Trauererlebnisse oder Mobbing – die Situation deutlich verschärfen. Dass ein Kind unter Druck steht, zeigt sich häufig daran, dass es sich zurückzieht und reizbarer wird als gewöhnlich.

Warnsignale erkennen

Betroffene Kinder reagieren oft empfindlicher auf Frustration, schlafen schlechter und essen weniger. Auch Rückschritte in der Entwicklung können ein deutliches Warnsignal sein. Solche Phasen sind zwar nicht ungewöhnlich, doch wenn eine Anpassung an veränderte Umstände ausbleibt oder körperliche Beschwerden – etwa regelmäßige Bauchschmerzen am Morgen – hinzukommen, sollten Eltern aufmerksam werden. Als erster Schritt empfiehlt sich dann ein Termin beim Kinder- oder Hausarzt.

Psychologin und Familienberaterin Michele Liussi empfiehlt Eltern psychisch belasteter Kinder, sich aktiv Unterstützung aus dem eigenen Umfeld zu suchen, um selbst Kraft schöpfen zu können. Darüber hinaus können verlässliche Alltagsroutinen dem Kind Stabilität und Orientierung geben – gerade in Zeiten, die sich festgefahren anfühlen. Besonders wertvoll sind außerdem Einzelzeiten zwischen Elternteil und Kind, in denen sich das Kind möglicherweise öffnet und Vertrauen fasst.

Die therapeutischen Möglichkeiten sind vielfältig und hängen stark von der jeweiligen Diagnose ab, betont Liussi. Kinder und Jugendliche können eine Psychotherapie entweder alleine in Anspruch nehmen oder gemeinsam mit der Familie im Rahmen einer systemischen Therapie. Ergänzend dazu stehen weitere Förderangebote zur Verfügung – darunter Ergotherapie, erlebnispädagogische oder sozialpädagogische Programme sowie Gruppentherapie.

Fehlende Kapazitäten

„Es gibt viele gute Angebote“, so Liussi – das eigentliche Problem liege jedoch in den fehlenden Kapazitäten. Besonders im Bereich leistbarer Kinder- und Jugendpsychotherapie sieht Liussi erheblichen Nachholbedarf. Es gäbe aber gute Projekte, zum Beispiel „Gesund aus der Krise“.

Auf bestehende Missstände müsse unbedingt hingewiesen werden, fordert Liussi. Wenn Eltern mit ihren Kindern aufgrund fehlender Kapazitäten sogar in Kliniken abgewiesen werden, sollten sie dies – sofern sie noch die nötige Kraft dafür aufbringen – bei der zuständigen Behörde melden. „Manchmal muss man laut werden“, sagt die Psychologin. „Wir dürfen da nicht still sein, sonst kann sich auch nichts ändern.“

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KO KOSMO-Redaktion
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