Komšić: „Ich wünsche Kroatien alles Gute, aber Bosnien ist meine Heimat“

INTERVIEW

Komšić: „Ich wünsche Kroatien alles Gute, aber Bosnien ist meine Heimat“

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Bosnien Wahlen Željko Komšić
Željko Komšić bekräftigt, dass er sich für einen bosnisch-herzegowinischen Gesamtstaat einsetzen möchte. (Foto: screenshot/N1)

Mit den Wahlen in Bosnien-Herzegowina hat das Land drei neue Mitglieder für das Staatspräsidium erhalten. Lediglich Željko Komšić setzt sich für einen Gesamtstaat ein.

Im gesamtstaatlichen Parlament haben die nationalistischen Parteien SDA (Muslime), SDSN (Serben) und HDZ (Kroaten) gewonnen. Bei der Wahl des dreiköpfigen Staatspräsidiums hat sich als Vertreter der Kroaten, der gemäßigte Politiker, Željko Komšić durchgesetzt. Der der Unterlegene Nationalist Dragan Covic akzeptiert das nicht. Covics Leute werfen Komšić vor, von Muslimen stark unterstützt worden zu sein, und sowas geht absolut nicht.

Büro in Mostar vor Auflösung
Denn für die kroatischen Nationalisten besteht noch immer die Republik Herceg-Bosna, die 1993, während des Krieges, als eigener Staat im Staat ausgerufen wurde, mit Mostar als Hauptstadt. Herceg-Bosna sollte später an die Republik Kroatien anzugliedert werden. Im August 1996 wurde der „Staat“ durch den Dayton-Vertrag aufgelöst. Herceg-Bosna war Schauplatz von Massakern an der Zivilbevölkerung, ethnischen Säuberungen und Plünderungen. Bisher arbeitete Covic, der für die Kroaten im Staatspräsidium saß, von Mostar aus. Željko Komšić will Covics Büro in Mostar auflösen, berichten Vorarlberger Nachrichten. Laut Komšić müssen alle drei Mitglieder des Staatspräsidiums in Sarajevo sein. Analytiker wittern Konflikte zwischen Komšić und Covic. Letzterer drohte, bei einer Niederlage die politischen Institutionen zu blockieren.

„Du kannst nicht zwei Heimatländer haben“
In einem Interview mit dem Sender „N1“ hat Željko Komšić genügend Stoff für weitere innerparteiliche Streitigkeiten geliefert. „Ich muss nicht betonen, dass ich Kroate bin. Das ist meine Entscheidung, so bin ich aufgewachsen und darauf bin ich stolz“, so Željko Komšić. Laut Komšić sollte der bosnische Rechtsstaat, unabhängig der Ethnie oder religiöser Zugehörigkeit, jedem Individuum Schutz gewähren. Dass er sich als Kroaten bezeichnet, stehe für ihn nicht im Widerspruch dazu, dass er ein Bürger Bosnien-Herzegowinas sei.

„Ich bin diesem Land gegenüber loyal, nicht aber gegenüber der Republik Kroatien. Ich mag zwar Kroatien, ich wünsche dem Land alles Gute, aber es tut mir leid, Bosnien liebe ich mehr. Ich kann nicht zwei Heimatländer haben. Man wird nur an einem Ort geboren. Ich spreche Bosnisch, obwohl ich denke, dass es dieselbe Sprache ist. Obwohl mein Kind in der Schule Kroatisch lernt, verstehen wir uns perfekt“, sagte Komšić. Nach wie vor bleibt Bosnien-Herzegowina ein zerrissenes Land. Ethnische Konflikte werden, auch 23 Jahre nach dem Krieg, weiter geschürt. Damit schießt das Land ein Eigentor hinsichtlich der Annäherung an die EU.