Kritik aus Serbien: „Von Brnabićs Baby haben wir auch nichts“

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Kritik aus Serbien: „Von Brnabićs Baby haben wir auch nichts“

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(FOTO: Mondo/Stefan Stojanović)

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Auch wenn die LGBTQ-Community in Serbien der Ministerin und ihrer Lebensgefährtin zum Nachwuchs gratulierten, so warnten sie auch davor, dass sie aufgrund ihrer privilegierten politischen Position von alltäglichen Problemen und Aggression gegen die Community verschont bleibe.

Wie die serbische Tageszeitung „Blic“ berichtete, entband die langjährige Lebensgefährtin von Ana Brnabić, Milica Đurđić am Donnerstag in einem Belgrader Krankenhaus. (KOSMO berichtete)

„Die Nachricht, dass Brnabić und Đurđić Eltern wurden ist im Prinzip eine schöne, allerdings zeigt sie gleichzeitig auch, wie privilegiert das Paar ist“, so Aleksandar Savić aus dem Belgrader Pride Info Center gegenüber BIRN. Seiner Meinung nach konnte die Ministerpräsidentin und ihre Lebensgefährtin relativ leicht als Homosexuelle Eltern werden, während sie aufgrund ihrer Positionen vom Diskriminierungsalltag der LGBTQ-Community in Serbien verschont bleiben würden. „Die Homophobie in Serbien geht an ihnen spurlos vorbei“, fügte Savić hinzu.

„Andere Paare haben nicht dasselbe Recht“
Zahlreiche internationale Medien bezeichneten Brnabić als erste lesbische Weltpolitikerin, die Mutter eines Sohnes wurde. Erst vor wenigen Wochen erfuhr die Öffentlichkeit Đurđićs künstlicher Befruchtung. (KOSMO berichtete) Diesen Eingriff ließ Brnabićs Lebensgefährtin im Klinischen Zentrum durchführen, wo sie selbst als Ärztin arbeitet.

Savić warnt davor, dass gleichgeschlechtliche Paare in Serbien allerdings nicht über dieses Recht verfügen: „Das Gesetz ist ein Problem für alle jene, die sich nicht in einer Machtposition befinden.“ Laut serbischem Gesetz wird die Ehe mit einem rein heterosexuellen Terminus, d.h. als „Lebensgemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau“ definiert.

Somit werden gesetzlich gleichgeschlechtliche Paare außenvorgelassen. Es gibt somit keine Ehe für Homosexuelle, sie verfügen über kein Adoptionsrecht und der Staat erkennt beide Partner nicht als Eltern an, insofern sie ein Kind haben. Einzig die biologische Mutter verfüge in solchen Fällen über Rechte und Pflichten vor dem Gesetz.

Auch hinsichtlich der künstlichen Befruchtung sind homosexuelle Paare auf das Ausland angewiesen, da es in Serbien keine Samendatenbanken, bzw. die Möglichkeit zur Samenspende gebe.

Seit 2017 bekleidet Brnabić das Amt des Ministerpräsidenten. Obwohl sie offiziell parteilos ist, gilt sie als eine der engsten Vertrauten von Präsident Aleksandar Vučić. Ihre Angelobung wurde von der serbischen LGBTQ-Community durchaus begrüßt und unter anderem wurde ihr der Preis für „Gay icon for 2016“ durch die Organisation Gay Echo verliehen.

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