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Kritische Situation an der Grenze zwischen Bosnien und Kroatien

Symbolbild (FOTO: iStockphoto)

Der Nordwesten Bosniens ist für Migranten und Flüchtlinge zu einer unüberwindbaren Hürde auf dem Weg nach Westeuropa geworden. Die Spannungen zum Nachbarland Kroatien nehmen zu.

In drei aufeinanderfolgenden Nächten in dieser Woche stoppten die Bewohner der nordwestbosnischen Stadt Velika Kladuša auf eigene Faust Busse, die sich ihrer Stadt näherten, und die Passagiere auf Migranten und Flüchtlinge zu überprüfen, berichteten bosnische Medien.

Die gefundenen Flüchtlinge wurden herausgezogen und anschließend wieder in die Richtung zurückgeschickt, aus der sie gekommen waren. Die Polizei war ebenfalls vor Ort, allerdings nicht, um die Bürgerwehr zu stoppen, sondern lediglich um Gewalt zu verhindern. Am Mittwochmorgen verboten schließlich die Behörden des Kantons Una-Sana, zu dem auch Velika Kladuša gehört, den Transport von Migranten.

Dies war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Bereits seit längerem verschlechtert sich die Situation in dieser Region von Bosnien und Herzegowina zunehmend. Es entsteht ein regelrechter Hürdenlauf für Migranten und Flüchtlinge, die versuchen, die Außengrenze der Europäischen Union nach Kroatien und darüber hinaus nach Westeuropa zu überschreiten.

Die Una-Sana-Behörden berichten, dass es aktuell im Kanton 7.000 Migranten und Flüchtlinge gibt, aber nur die Hälfte davon in offiziellen Lagern untergebracht ist, was zu Reibereien mit den Anwohnern führt. „Die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer“, sagte Silvia Maraone von IPSIA, einer italienischen NGO, die Migranten und Flüchtlinge in Bosnien unterstützt.

„Immer mehr Menschen schlafen draußen ohne Essen, ohne Wasser, ohne Strom und natürlich werden sie auch zu einem größeren Problem für die lokale Bevölkerung, weil sie in Unas Flüssen und Bächen Wasser holen, Kleidung waschen oder ein Bad nehmen müssen, es gibt viel Müll und leider brechen auch einige Leute in die Häuser ein um zu stehlen“.

Situation seit April „sehr angespannt“
Im April erließ der Kanton Una Sana die Entscheidung, dass alle Neuankömmlinge, einschließlich derjenigen, die von der kroatischen Polizei von der Grenze zurückgedrängt wurden, in das neu geschaffene Camp Lipa in der Nähe der Stadt Bihać gehen müssen etwa 55 Kilometer südlich von Velika Kladuša. Doch dieses Lager hätte nur begrenzten Platz und Migranten und Flüchtlinge zögerten aufgrund seiner Entfernung von der Grenze dorthin zu gehen, sagte Maraone. Stattdessen haben sie begonnen, ihre eigenen improvisierten Zeltsiedlungen in der Nähe von Velika Kladuša zu errichten. Doch diese wurden schnell von den Behörden wieder abgerissen.

Gegenseitige Schuldzuschreibung
Die lokalen Behörden in Bihać beschuldigen die staatlichen Institutionen Bosniens und die EU, nicht genug getan zu haben, um die Krise in Bosnien zu lösen, die seit drei Jahren zunimmt, seit die ursprüngliche „Balkanroute“ nach Ungarn von der rechten Regierung von Premierminister Viktor Orban geschlossen wurde.

Hilfsgruppen, die vor Ort arbeiten, schreiben jedoch den lokalen Behörden auch einen Teil der Schuld zu: „Das große Problem ist, dass wir nicht die Bereitschaft der verschiedenen Regierungen – international, national oder lokal – sehen, eine Lösung zu finden, mit verschiedenen Gruppen zusammenzusitzen und zu versuchen, einen Weg zu finden, um die Situation für alle weniger schwierig zu machen.“ Die Zahl der Flüchtlinge würde wachsen, aber die Ressourcen, um damit umzugehen, tue es nicht, so die NGOs. „Das Öffnen von Lagern und das Schließen von Grenzen ist keine gute Lösung“.

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