Ein Drohnenangriff im Schwarzen Meer, sieben Vermisste und eine eingestellte Suchaktion: Unter den Vermissten ist auch ein 61-jähriger Kroate aus Split.
Nach einem Drohnenangriff auf den Tanker „Wine Trader“ im Schwarzen Meer werden sieben Besatzungsmitglieder vermisst. Darunter ist ein 61-jähriger kroatischer Deckoffizier aus Split. Die Suche nach den Männern wurde inzwischen eingestellt. Ein zweiter kroatischer Seemann überlebte den Angriff mit Verbrennungen und konnte das Krankenhaus mittlerweile verlassen.
Der Angriff ereignete sich am 15. Oktober 2026 gegen 7 Uhr morgens in der Nähe der rumänischen Küste, rund 13 Seemeilen südöstlich von Sulina. Auf dem unter der Flagge San Marinos fahrenden Chemikalientanker befanden sich zwölf Besatzungsmitglieder. Fünf konnten gerettet werden, sieben gelten weiterhin als vermisst. Das Schiff war zum Zeitpunkt des Vorfalls ohne Ladung unterwegs.
Drohnen trafen den Unterkunftsbereich
Wie die kroatische Zeitung „Slobodna Dalmacija“ unter Berufung auf eine gut informierte Quelle berichtet, dürfte sich der vermisste Deckoffizier zum Zeitpunkt des Angriffs im unteren Unterkunftsbereich des Schiffes aufgehalten haben. Dort befinden sich die Kabinen der Besatzung. Dieser Bereich wurde direkt getroffen.
Eine vorläufige Rekonstruktion des Schiffsregisters von San Marino, die auf dem Bericht des Kapitäns beruht, beschreibt insgesamt drei Drohnentreffer. Demnach schlug zunächst eine Drohne im Unterkunftsbereich ein und löste einen Brand aus. Fünf Besatzungsmitglieder, darunter der Kapitän, versuchten daraufhin, die Flammen mithilfe der Haupt- und Notfallpumpen zu bekämpfen.
Die übrigen sieben Besatzungsmitglieder reagierten bereits beim ersten Sammelruf nicht. Während die fünf Seeleute versuchten, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, wurde das Schiff von zwei weiteren Drohnen getroffen. Eine schlug erneut im Unterkunftsbereich ein, die andere im mittleren Teil des Tankers. Dabei wurde auch das System zur Verteilung des Löschwassers beschädigt, sodass die Brandbekämpfung nicht fortgesetzt werden konnte.
Fünf Seeleute per Hubschrauber gerettet
Die fünf Besatzungsmitglieder zogen sich schließlich an den Bug des Schiffes zurück und warteten auf Hilfe. Sie wurden später mit einem Hubschrauber gerettet. Unter ihnen befand sich auch der zweite kroatische Seemann, der bei dem Angriff oberflächliche Verbrennungen erlitten hatte.
Der Mann wurde zunächst im Krankenhaus behandelt, inzwischen aber entlassen und in einem Hotel untergebracht. Über den Verbleib der sieben vermissten Besatzungsmitglieder gibt es weiterhin keine gesicherten Erkenntnisse.
Suche wegen verstrichener Zeit eingestellt
Das kroatische Außenministerium bestätigte, dass die Suche nach den Vermissten aufgrund der verstrichenen Zeit eingestellt wurde. Neben dem 61-jährigen Kroaten aus Split werden sechs Seeleute aus Benin vermisst.
Neven Melvan, Generalsekretär der kroatischen Seeleutegewerkschaft, verwies auf die schwierigen Wetterbedingungen während der Suchaktion. Die Chancen, die Vermissten noch zu finden, schätzte er als gering ein.
Wer steckt hinter dem Angriff?
Die Herkunft der Drohnen ist weiterhin nicht abschließend offiziell geklärt. Der rumänische Präsident Nicușor Dan bestätigte den Angriff, legte sich aber nicht auf einen Urheber fest. Ein NATO-Militärvertreter ordnete die Drohnen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Russland zu. Auch die rumänische Seeleutegewerkschaft sprach von russischen Drohnen des Typs Geran.
Russland meldete seinerseits Angriffe auf zwei Schiffe, die nach russischer Darstellung militärische Ausrüstung in Richtung Odessa transportiert hätten. Die Namen der Schiffe wurden dabei nicht genannt. Ein unabhängiger Nachweis, dass die „Wine Trader“ zu diesen Schiffen gehörte oder militärische Ausrüstung transportierte, liegt in den hier angeführten Berichten nicht vor.
Gewerkschaft fordert besseren Schutz
Die kroatische Seeleutegewerkschaft fordert, das Seegebiet entlang der rumänischen und bulgarischen Küste im Schwarzen Meer offiziell als Kriegszone einzustufen. Damit könnten Seeleute bestimmte Schutzrechte beanspruchen und Fahrten in das Gebiet unter den entsprechenden Bedingungen ablehnen.
Melvan verwies auf die Gefahr, der zivile Besatzungen in der Region ausgesetzt sind. „Auch in der Europäischen Union sterben Menschen“, erklärte er. Die wiederholten Angriffe auf Handelsschiffe verschärfen die Sorgen um die Sicherheit der zivilen Schifffahrt im Schwarzen Meer.