Zwischen bröckelnden Wänden und katholischen Ritualen lauert das Böse – im letzten Teil der Horrorfilm-Reihe müssen die gealterten Dämonenjäger noch einmal alle Kräfte mobilisieren.
Das „Conjuring“-Franchise steht für klassischen Horrorfilm-Schauer in der Tradition des Genre-Meilensteins „Der Exorzist“ von 1973. Die gesamte Filmreihe baut auf den Erlebnissen von Ed und Lorraine Warren auf – einem real existierenden Ehepaar, das jahrzehntelang medienwirksam paranormale Phänomene untersuchte und darüber publizierte.
Mit „Conjuring – Die Heimsuchung“ begann 2013 die Erfolgsgeschichte des Franchises. Seither verkörpern Patrick Wilson und Vera Farmiga das Ermittlerpaar Warren, das berüchtigte Fälle von Spukphänomenen und dämonischen Manifestationen untersucht. Die echte Lorraine Warren hatte sogar einen kurzen Gastauftritt im ersten Film. Das „Conjuring Universe“ wuchs mit der Zeit um die „Annabelle“-Trilogie und die beiden „The Nun“-Filme und umfasst mittlerweile insgesamt neun Kinofilme, mit einem Einspielergebnis von über 2,3 Milliarden Dollar – dem erfolgreichsten Horror-Franchise der Filmgeschichte.
Der aktuell laufende „Conjuring 4: Das letzte Kapitel“ („The Conjuring: Last Rites“) bildet den Abschluss der Hauptreihe und versammelt als Höhepunkt zahlreiche bekannte dämonische Entitäten aus früheren Filmen, die nun gemeinsam das Dämonologen-Ehepaar in ihrem Ruhestand heimsuchen.
Atmosphärische Inszenierung
Regisseur Michael Chaves inszeniert den Film in einem Spannungsfeld aus beengenden Räumen und katholischer Symbolik. Seine Erzählweise gleicht dem Verlauf einer Panikattacke: Eine unterschwellige Bedrohung baut sich auf, verzweifelte Selbstberuhigungsversuche folgen, bis schließlich die Erschöpfung einsetzt – ein idealer Nährboden für die Dämonen, die in Puppen, Spiegeln und Elektrogeräten lauern. Im Zentrum steht eine achtköpfige Familie namens Smurl in West Pittston, Pennsylvania, die 1986 von übernatürlichen Kräften terrorisiert wird.
Die Darstellung der 1980er Jahre wirkt im Film seltsam anachronistisch und erinnert stark an die 1950er. Enge Familienbande, katholische Rituale, Eheversprechen und Firmungen prägen das Leben der Charaktere.
Bei den Smurls leben drei Generationen in einem baufälligen Haus in einer trostlosen Straße mit rauchenden Fabrikschloten am Horizont. Die Farbpalette beschränkt sich auf Grau- und Beigetöne, durch das marode Gebäude zieht es, die Wände sind instabil. Trotz dieser bedrückenden Umgebung halten die Bewohner zusammen, vereint durch familiäre Bindungen und religiösen Glauben, während sie sich auf die Firmung einer der älteren Töchter vorbereiten.
Das Unheil nimmt seinen Lauf, als ein Spiegel ins Haus kommt und die übernatürlichen Angriffe auf die Familie zunehmend heftiger werden. Besonders erschreckend wirkt eine Szene, in der die Küchendecke auf die versammelte Familie herabstürzt und die verzweifelte Tochter den Vater anfleht, in ein Hotel zu flüchten – was dieser aus finanziellen Gründen ablehnen muss. Diese existenzielle Ausweglosigkeit erzeugt einen besonderen Schrecken.
Warrens im Ruhestand
Doch wo bleiben eigentlich die eigentlichen Protagonisten der Reihe, Ed und Lorraine Warren? Sie haben sich weitgehend zur Ruhe gesetzt. Ihr Raum mit verfluchten Objekten ist sorgfältig verschlossen, Ed kämpft mit Herzproblemen und gerät schon bei einem harmlosen Tischtennisspiel mit dem Verlobten seiner erwachsenen Tochter Judy an seine körperlichen Grenzen – keine idealen Voraussetzungen für eine Konfrontation mit Satan und seinen Helfern. Und natürlich hat es das Böse gemäß seiner diabolischen Logik auf die Tochter der Warrens abgesehen.
Wie alle Filme der Reihe beruft sich auch dieser auf angeblich wahre Begebenheiten. Der Spukfall der Familie Smurl in West Pittston, Pennsylvania, ereignete sich tatsächlich ab 1974 und erlangte durch die Ermittlungen von Ed und Lorraine Warren 1986 landesweite Aufmerksamkeit. Der Film integriert sogar Original-TV-Aufnahmen der echten Smurls, die in Larry Kings Sendung und anderen US-Talkshows von ihren Erlebnissen berichten und beteuern, dass sie nicht halluzinieren.
„Conjuring 4: Das letzte Kapitel“ kultiviert bewusst eine altmodische Ästhetik und balanciert mehrfach am Rande der Langeweile – rettet sich aber stets durch überraschende stilistische Brüche oder besonders abstoßende Fratzen in dunklen Ecken.
Als zusätzliche Grusel-Ebene wirken die dargestellten Familienstrukturen und gesellschaftlichen Konventionen für manche Zuschauer fast ebenso beklemmend wie die dämonischen Erscheinungen selbst.