Die Zahl der Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen ist zwar leicht rückläufig, doch Experten zeigen sich beunruhigt über einen deutlichen Anstieg bei Cannabis- und Kokainnachweisen. Diese Entwicklung geht aus einer aktuellen Masterarbeit hervor, die Vergiftungsfälle bei 12- bis 18-Jährigen untersuchte. „Unsere Analyse zeigt deutliche Verschiebungen im Muster der nachgewiesenen Substanzen“, erklärt Studienautor Marco Breiteneder.
Im vergangenen Jahr wurden 88 Jugendliche wegen übermäßigen Alkoholkonsums stationär behandelt, wobei etwa zwei Drittel dieser Fälle an Wochenendtagen registriert wurden. Auffällig ist die geschlechtsspezifische Verteilung: Während Mädchen häufiger eingeliefert wurden, zeigten männliche Patienten tendenziell schwerere Vergiftungssymptome, die nicht selten eine intensivmedizinische Betreuung notwendig machten.
Cannabis-Anstieg alarmiert
Besonders alarmierend entwickelten sich die Zahlen beim Cannabiskonsum mit 166 nachgewiesenen Fällen im Jahr 2023. Einige Patienten fielen dabei durch wiederholten Konsum auf. Ein weiteres bemerkenswertes Muster zeigt sich bei Mischintoxikationen – Vergiftungen durch mehrere Substanzen gleichzeitig wurden bei weiblichen Jugendlichen etwa dreimal so häufig diagnostiziert wie bei männlichen.
Gesellschaftliche Toleranz
Wolfgang Högler, der die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde leitet, äußert sich besorgt über diese Entwicklung: „Wir sehen nur die Spitze des Eisberges. Ich bin besorgt um die Toleranz von Alkohol und Suchtmitteln in der Gesellschaft.“
Jeder Fall, den wir sehen, ist ein Alarmschrei für die weitere Entwicklung dieser Jugendlichen.