Eine Hochschwangere verschwindet, ihr Baby wird ihr entrissen – und irgendwo in Cali fehlt von dem Neugeborenen jede Spur.
In der kolumbianischen Stadt Cali wurde die 21-jährige Maria Potosi zuletzt am 16. Juli lebend gesehen. Überwachungskameras hielten fest, wie die hochschwangere Frau auf einem Motorrad mit einer bislang unbekannten Person davonfuhr. Danach verlor sich jede Spur von ihr – bis vier Tage später ihr Körper im Río Melendez entdeckt wurde.
Die Leiche war an Händen und Füßen gefesselt, wies mehrere Stichverletzungen auf, und das ungeborene Kind war aus dem Bauch der Frau herausgeschnitten worden.
Belohnung ausgesetzt
Der erschütternde Fund veranlasste Polizei und Bürgermeister Alejandro Eder, gemeinsam an die Öffentlichkeit zu treten. Die Stadtverwaltung setzte eine Belohnung von 200 Millionen kolumbianischen Pesos – umgerechnet rund 55.000 Euro – für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen.
Daraufhin meldete sich Carlos Rincon zu Wort: Er ist der Ex-Freund jener Frau, die das Motorrad gelenkt hatte. Rincon gab an, seine frühere Partnerin habe in der Vergangenheit zweimal eine Schwangerschaft vorgetäuscht und bei einer weiteren Gelegenheit behauptet, ein Kind verloren zu haben.
Verdächtige befragt
Ob die Verdächtige durch den Mord an ein Neugeborenes gelangen wollte, ist bislang nicht erwiesen – es handelt sich um eine Ermittlungshypothese, der die Behörden der Zweieinhalbmillionenstadt Cali derzeit nachgehen. Die Frau wurde bereits befragt und anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt. Medienberichten zufolge verstrickte sie sich dabei in widersprüchliche Angaben darüber, wo sie Maria Potosi abgesetzt haben will.
Ihr Ex-Freund gab zudem an, die Beschuldigte sei in der Tatnacht nicht nach Hause zurückgekehrt.
Maria Potosi wurde inzwischen beerdigt. Ihre Angehörigen teilten mit, dass die 21-Jährige ihrer Tochter bereits einen Namen gegeben hatte: Das Mädchen sollte Alahia heißen und am 12. August zur Welt kommen. In einer Erklärung der Familie heißt es: „Alles war für diesen Tag vorbereitet, Maria freute sich so sehr auf ihr Baby. Sie war ein wundervoller Mensch, ein einfaches, fröhliches, hilfsbereites und sehr bescheidenes Mädchen.“
Was mit Alahia geschehen ist und ob das Kind noch lebt, ist bis heute unbekannt.