In den letzten Jahren sind mehrere Österreicher, auf sogenannte RIP-Deals hereingefallen und wurden um insgesamt rund zwei Millionen Euro betrogen. Die speziell eingerichtete Ermittlungsgruppe „Rip Deal Unit Vienna“ hat nun einen Tatverdächtigen im Visier: Der 38-jährige Martin Marinkovic, geboren am 11. Februar 1986, ist der Polizei zufolge für eine Reihe dieser Verbrechen verantwortlich. Auf den österreichischen Staatsbürger, dessen Aufenthaltsort aktuell unbekannt ist, ist ein internationaler Haftbefehl ausgestellt worden.

Drei Fälle in Wien
Die Ermittlungen deckten auf, dass die Betrüger in mehreren Fällen brutale Methoden anwendeten, um ihre Opfer um ihr Geld zu bringen. Im August 2021 wurde ein Pensionist um seine Ersparnisse gebracht, als er für den vermeintlichen Verkauf seines Ferienhauses eine Provision in Italien bezahlen wollte. Ein weiteres Opfer fiel im Januar 2023 einem Betrüger zum Opfer, der sich als Scheich ausgab und Interesse an Luxusuhren und Kryptowährungen vortäuschte.
Beim dritten Vorfall berichtete ein Mann, dass er von Investoren kontaktiert wurde, die betrügerische Absichten hegten. Nach mehreren Treffen kam es schließlich zu einem Raubüberfall. Die Investoren gaben vor, Bargeld gegen Teile seines Kryptobestands tauschen zu wollen. Beim finalen Treffen in Mailand erkannte der Mann den drohenden Betrug und wurde daraufhin vom Tatverdächtigen mit einer Schusswaffe bedroht, um die Passwörter seiner Kryptokonten preiszugeben.
Der Schaden in diesen Fällen reichte von Beträgen im unteren sechsstelligen bis zum siebenstelligen Eurobereich.
Clanfamilie vom Westbalkan
Martin Marinkovic gilt als „Capo“ einer Wiener Clanfamilie, die bereits in der Vergangenheit durch eine spezielle Betrugsform aufgefallen war. Bei Rip Deals geht es um Scheingeschäfte. Die Täter, erfahrungsgemäß oft aus der Westbalkanregion stammend, nähern sich ihren Opfern als reiche Geschäftsleute oder Investoren und überzeugen diese durch scheinbare Seriosität und professionell wirkende Webseiten. Rahmengeschäfte sollen Vertrauen schaffen, die Abschlüsse finden meist im Ausland statt, wobei oft eine Vermittlungsprovision in Gold oder Kryptowährung gefordert wird.

Öffentlichkeitsfahndung und Belohnung
„Es handelt sich bei dieser Deliktform wahrscheinlich um die besten Betrüger auf diesem Kontinent“, erklärte Valentin Szaga-Doktor, Ermittler der Rip-Deal-Unit. Die Wiener Polizei intensiviert die Suche nach Marinkovic mit der Veröffentlichung von Fahndungsfotos und setzt auf die Mithilfe der Bevölkerung: Für Hinweise, die zur Festnahme des Verdächtigen führen, lobt der Verein der Freunde der Wiener Polizei eine Prämie von 3.000 Euro aus. Informationen können vertraulich und auf Wunsch anonym an das Landeskriminalamt Wien, Außenstelle Zentrum Ost, Rip Deal Unit Vienna, unter der Telefonnummer 01-31310-62510 gegeben werden.
