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TRAGÖDIE

Mord an siebenjährigem Mädchen: Welle an Hasspostings gegen Familie

(Foto: puls4.com/screenshot)

Am Sonntag hat die Polizei bekannt gegeben, dass das siebenjährige Mädchen durch einen Stich in den Hals getötet wurde. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Im Netz wurde eine Welle des Hasses gegen die Familie des toten Mädchens entfacht.

Am 12. Mai 2018 wurde gegen 8:30 Uhr die Leiche eines am Tag zuvor abgängigen Mädchens in einem Müllcontainer aufgefunden. Mitarbeiter der MA 48 sind beim Entleeren der Mistkübel auf die Leiche gestoßen. Die Obduktion ergab, dass das Kind durch einen Stich in den Hals getötet wurde, so Polizeisprecherin Irina Steirer am Sonntag.

Nach wie vor laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Zeugen sowie die aus Tschetschenien stammenden Angehörigen der Siebenjährigen wurden bereits einvernommen und die sichergestellten Spuren ausgewertet, berichtet „Kleine Zeitung“. Aus kriminaltaktischen Gründen werden zu den derzeitigen Ermittlungen keine weiteren Angaben gemacht.

In den sozialen Netzwerken wird über die Todesursache bereits spekuliert. Beispielsweise soll die Tat ein „Ehrenmord“ gewesen sein. Wie unter anderem die Tageszeitung Standard berichtet, gibt es in  Internetforen zahlreiche Hasskommentare gegen die Familie des getöteten Mädchens. In den Mittelpunkt rückt die Herkunft der tschetschenischen Familie. Die Eltern werden beschuldigt, die Abhängigkeit des Kindes nicht früher gemeldet zu haben. Laut „Kurier“ und „Wien heute“ (ORF) haben in den Stunden davor Nachbarn und Familienmitglieder stundenlang nach dem Mädchen gesucht.

Hasskommentare und Spekulationen werden stehen gelassen. Ein User schreibt auf Facebook: „Irgendwie stimmt was nicht an der Geschichte warum ist das Mädchen niemanden abgegangen erst so spät meine Enkelin ist auch fast 7 aber die lassen wir nicht unbeobachtet draußen spielen.“ 115 Personen gefällt dieser Kommentar. Die Mutter des Kindes hat dem TV-Sender Puls4 ein Interview gegeben. Auch das wurde heftig kritisiert.

„Ich könnte nie ein Interview geben nach 2 Tagen. Die Mutter schaut sehr gefasst aus“, schreibt eine andere Userin. „Das einzige was sehr traurig ist der grausameTod des Mädchen.Aber genauso grausam sind die Zustände in der Familie wenn es stimmt was die Medien schreiben.Kinder kochen der Sohn macht die Vermisstenanzeige.Der Vater in Italien im Gefängnis.Hauptsache wir dürfen die ganze Familie ihr lebenslang erhalten.Das hat jetzt nichts mit Rassismus zu tun aber man macht sich so seine Gedanken.“ (Im Original übernommen)

Die Reaktionen im Netz zeigen, wie schnell Falschmeldungen verbreitet werden. Sobald der Migrationshintergrund ins Spiel kommt, werden tragische Fälle als Untermauerung von Vorurteilen genutzt. Rassistische Kommentare und Hasspostings werden zur Normalität. Frustrationen und Meinungen werden in diversen Foren entladen. Eine Stimmung aus Angst und Misstrauen wird kreiert, wo Empathie keinen Platz hat.