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INTERRELIGIÖSER DIALOG

Moschee: Was sich wirklich hinter ihren Türen verbirgt

Gemeinsames Gebet
Vertreter muslimischer und christlicher Gemeinden bei einem gemeinsamen Friedensgebet in der Ebu Hanife Moschee. (FOTO: Reinhard Lingl)

Einsatz für den interreligiösen Dialog
„Wir sind bemüht die jungen (aber auch älteren) Generationen so zu erziehen, dass sie sich integrieren, in Frieden mit allen leben und dass sie die Gesellschaft, die eigene aber auch andere Religionen respektieren“, so der Imam. Die Moschee ist in ihren Bestrebungen der Integration und des interreligiösen Dialogs nicht alleine. Manches wird von der Stadt organisiert. „Wir unterstützen und fördern die Wiener Bevölkerung dabei, den Umgang miteinander bestmöglich zu gestalten und gegenseitige Vorurteile durch Wissens- und Kontaktvermittlung zu beseitigen“, sagt Stefan Almer von der MA 17. „Da die Religion für viele Communities einen hohen Stellenwert hat, sind Dialoge verschiedener Glaubensgemeinschaften für ein friedliches und tolerantes Zusammenleben von hoher Bedeutung“, sagt Almer. Die Magistratsabteilung organisiert selbst oft Begegnungen, die meisten aber finden auf Initiative der Religionsgemeinschaften statt.

MENSCHLICHER DIALOG:
„Der Dialog zwischen den Religionen ist für uns Christen ganz zentral. Hier in Favoriten ist es besonders interessant, in Dialog mit den Gemeinden verschiedener Religionen zu treten. Besonders spannend ist der Dialog mit den Muslimen. Wir führen aber keinen wissenschaftlichen, sondern einen menschlichen Dialog auf Augenhöhe und gehen mit Respekt auf einander zu. Beim „Islamischen Zentrum der Bosniaken Ebu Hanife“ sehe ich großes Interesse am gemeinsamen Dialog. Da entsteht langsam Freundschaft. Mir ist wichtig, dass wir hier mehr vorarbeiten, dass wir dran bleiben. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir gemeinsam beten können. In dem wir das machen, lernen wir einander besser kennen. Wie der Islam gelebt wird, lernt man nur im Austausch. Und dieser gelebte Islam, wie er von dieser Moschee vorgelebt wird, ist gesund und korrekt und gar nicht so, wie es in den Medien dargestellt wird. Wir (und damit meine ich sowohl die katholische Kirche als auch die Moscheen) dürfen uns nicht von Stimmungsmachern missbrauchen lassen“ – Matthias Felber, Pfarrer der katholischen Pfarre „Zum Göttlichen Wort“.

Die Ebu Hanife Moschee im 10. Bezirk hat zum Beispiel am 19. Dezember 2017 ein gemeinsames Friedensgebet mit der benachbarten Pfarre „Zum göttlichen Wort“ veranstaltet. „Der Moscheevorstand unterstützt alle interreligiösen Projekte”, sagt Eldin Bajric, Schriftführer der Moschee. Sie pflegt schon seit mehreren Jahren den intensiven Austausch mit anderen religiösen Gemeinden in Wien. Neben dem Friedensgebet war Ebu Hanife öfter Gastgeber von verschiedenen interreligiösen Vernetzungstreffen und Moscheebesichtigungen. „Wir arbeiten sowohl mit der katholischen als auch mit der evangelischen Kirche zusammen. In den kommenden Monaten ist ein weiteres Friedensgebet in einer evangelischen Kirche geplant sowie ein gemeinsamer Ausflug nach Mariazell“, so Bajric. Auch die vor zwei Jahren gegründete bosniakische Et-Taqwa Moschee in der Donaustadt setzt auf den interreligiösen Dialog und hatte bei einem Iftar im Freien Vertreter der orthodoxen und katholischen Kirche eingeladen. Der Dialog unter den Religionen ist allgegenwärtiger als man denkt.

„Interreligiöse Veranstaltungen sind der beste Weg, um Menschen, die nie in einer Moschee drinnen waren, zu zeigen was wir hier machen“, so Muratovic. „Damit beweisen wir, dass wir weder Hass predigen noch in irgendwelchen Parallelgesellschaften leben. Wir leben mitten in und gemeinsam mit der Gesellschaft“, sagt der Imam. Lernen funktioniert aber in beide Richtungen, betont Muratovic. Im Laufe der vielen Veranstaltungen habe er auch sehr viel über die Großherzigkeit der christlichen Gemeinden gelernt. „Ich war zum Beispiel imponiert, als ich gesehen habe, wie viele Kirchen ihre Türen für Flüchtlinge aufgemacht haben“, so der Imam. Die Räumlichkeiten der Moschee sind zu klein, als dass sie Familien beherbergen könnten. Der Imam hatte sich aber vorgenommen die Tür für jeden, der sich für den Islam interessiert offen zu halten. Er rät daher keine Angst vor der Glastür zu haben und jederzeit einzutreten.

TAG DER OFFENEN MOSCHEE:
Seit einigen Jahren organisiert die Islamische Föderation Wien in Zusammenarbeit mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGIÖ) den Tag der offenen Moschee. Interessierte können dann an einer Moscheeführung teilnehmen und Fragen stellen. „Besucher sind aber nicht nur an diesem Tag willkommen“, sagt Mersad Muratovic, dessen „Džemat Bosna”-Moschee an dieser Veranstaltung teilnimmt.

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