Nach 59 Jahren bricht eine Ära in St. Pölten: Die SPÖ verliert ihre absolute Mehrheit. Bürgermeister Stadler bleibt trotz Niederlage im Amt und sieht den Bundestrend als Ursache.
Die Wahllokale in St. Pölten schlossen um 16 Uhr, woraufhin die Auszählung der Stimmen begann. Am Sonntagabend zeichnete sich dann eine politische Zäsur in der traditionellen SPÖ-Hochburg ab: Erstmals seit der Nachkriegszeit verliert die Sozialdemokratie unter Bürgermeister Matthias Stadler ihre absolute Mehrheit im Gemeinderat.
Stadler, der seit 22 Jahren an der Spitze der niederösterreichischen Landeshauptstadt steht, hatte im Vorfeld der Wahl seine Motivation für eine weitere Amtszeit betont. „Es ist noch viel zu tun und ich liebe diese Stadt“, erklärte der 59-Jährige in einem Interview. Der Wahlkampf gestaltete sich als Herausforderung für den Amtsinhaber, der gegen eine breite Opposition antreten musste.
Die SPÖ hält die absolute Mehrheit im St. Pöltner Gemeinderat seit 1965, Stadler selbst führt die Stadtregierung seit Juli 2004. Trotz seiner positiven Bilanz konnte er sich offenbar nicht gegen die negative Stimmung gegenüber der Bundespartei durchsetzen. Der SPÖ-Bundesvorsitzende Andreas Babler gilt laut aktuellen Umfragen als unbeliebtester Politiker des Landes mit 52 Prozent negativen Bewertungen.
Spannender Kampf
Besonders spannend verlief das Rennen um den zweiten Platz zwischen Volkspartei und Freiheitlichen, wobei die FPÖ deutliche Zugewinne verzeichnete. Bürgermeister Stadler gratulierte den Wahlgewinnern und räumte die Niederlage seiner Partei ein: „Wir gehören nicht dazu.“ Er führte das Ergebnis auf den „stark durchschlagenden“ Bundestrend zurück, wollte sich jedoch nicht von der Verantwortung distanzieren und kündigte an, im Amt zu bleiben.
Der ÖVP-Vertreter Krumböck bezeichnete den Wahlabend als historisch und interpretierte das Ergebnis als Wunsch der St. Pöltner nach Veränderung. Bei der vorangegangenen Gemeinderatswahl im Jänner 2021 hatte die SPÖ trotz eines Rückgangs von drei Prozentpunkten gegenüber 2016 noch 56 Prozent der Stimmen erreicht.
Vorherige Ergebnisse
Die ÖVP kam damals auf 22,7 Prozent (ein Plus von 2,5 Prozent, auch begünstigt durch Sebastian Kurz), während die FPÖ mit 8,9 Prozent einen Rückgang von 5,8 Prozentpunkten verzeichnete. Die Grünen erzielten 8 Prozent (ein Zuwachs von 5,3 Punkten), die NEOS 3,2 Prozent (plus 1,6 Prozent) und die KPÖ 1,1 Prozent.
Obwohl Matthias Stadler erneut als Sieger aus der Wahl hervorgeht, richtet sich die Aufmerksamkeit ganz Österreichs auf das Wahlergebnis in St. Pölten. Da für 2026 keine bundesweiten Wahlen angesetzt sind, wird die St. Pöltner Gemeinderatswahl auch als erster Stimmungstest für die Dreierkoalition auf Bundesebene betrachtet.
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Bei der Wahl wurden insgesamt 42 Gemeinderatsmitglieder bestimmt, die in den kommenden fünf Jahren die Entwicklung der Landeshauptstadt mitgestalten werden. Aus ihrer Mitte wird anschließend der Bürgermeister gewählt.
Wahlberechtigt waren alle österreichischen Staatsbürger sowie EU-Bürger mit Hauptwohnsitz in St. Pölten zum Stichtag 20. Oktober 2025. Insgesamt waren rund 44.000 Personen zur Stimmabgabe bei der Gemeinderatswahl 2026 berechtigt.