Ein Verlust, der alles verändert – und ein Bruder, der trotzdem bleibt. Darko Lazic spricht erstmals über das, was Worte kaum fassen.
Darko Lazic hat in den vergangenen Wochen das Schwerste durchgemacht, was einem Menschen widerfahren kann: Sein Bruder Dragan starb im Alter von 32 Jahren bei einem Motorradunfall in der serbischen Gemeinde Vladimirci. Dragan Lazic ist nicht mehr da – und doch, so sagt es der Sänger selbst, ist er jeden Tag bei ihm. „Er ist bei mir“, sagt Darko, und in diesen wenigen Worten steckt alles: der Schmerz, die Liebe, die Weigerung loszulassen.
Zum ersten Mal spricht er nun offen über diesen Verlust, der sein Leben in ein Davor und ein Danach geteilt hat. Das Weitermachen fällt ihm schwer – aber er kämpft. Er tritt wieder auf, steht wieder auf der Bühne.
Nicht alle haben das verstanden. Manche Kollegen, so erzählt er, haben ihn dafür verurteilt. „Es gibt immer diese zehn Prozent, die etwas Schlechtes schreiben – aber das sind immer dieselben Menschen, die selbst unglücklich sind“, sagt er, ohne Bitterkeit, eher mit einer müden Gelassenheit.
Narben, kein Vergessen
Die Zeit heile keine Wunden, betont Darko – sie hinterlasse nur Narben. „Das ist eine Narbe, die nicht verheilt“, sagt er. Und er hat bis heute nicht die Worte „mein verstorbener Bruder“ über die Lippen gebracht.
Für ihn lebt Dragan weiter – in der Erinnerung, in den Orten, die sie gemeinsam kannten, in den Menschen, die er zurückgelassen hat. Um Dragans Familie will Darko sich kümmern wie um seine eigenen Kinder. Das ist kein Versprechen, das er leichtfertig macht.
Halt im Glauben
Auf der Suche nach Halt hat er den Weg zum Berg Athos gefunden, ins Kloster Hilandar. Die Gespräche mit den Mönchen dort haben ihn verändert, sagt er. „Der Glaube ist das Wichtigste“ – er sagt es so, als hätte er es erst dort, in der Stille des Klosters, wirklich begriffen.
Bald will er mit einem großen Konzert auf die Bühne zurückkehren – ein Abend, der ganz seinem Bruder gewidmet sein wird. Bei der Beerdigung war das deutlich zu spüren: Familienmitglieder, Freunde, Kollegen – sie alle kamen, um Abschied zu nehmen. „Er war ein Mann aus dem Volk“, sagt Darko. „Die Menschen liebten ihn. Und das sieht man daran, wer alles da war.“