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Staatstrauer

Nation in Trauer: Van der Bellen fährt nach Graz für Sicherheitsrat

Nation in Trauer: Van der Bellen fährt nach Graz für Sicherheitsrat
FOTO: EPA-EFE/ANTONIO BAT/BKA/Andy Wenzel
7 Min. Lesezeit |

Ganz Österreich hält inne – eine landesweite Gedenkminute, läutende Kirchenglocken und stillstehende Züge markieren den Tag nach dem verheerenden Amoklauf von Graz.

Nach dem verheerenden Amoklauf an einer Grazer Schule mit elf Todesopfern fand am Mittwoch um 10.00 Uhr eine landesweite Gedenkminute statt. Kirchenglocken läuteten durch ganz Österreich, darunter auch die „Halbpummerin“ im Stephansdom. Der ORF unterbrach sein Programm, während die Wiener Linien rund 900 Fahrzeuge für eine Minute zum Stillstand brachten. Auch der Ministerrat begann mit einer Schweigeminute.

Obwohl die Regierung zum Ministerrat zusammentrat, wurden geplante Beschlüsse verschoben und auf Medienstatements verzichtet.

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Nach der Bluttat, bei der ein 21-jähriger ehemaliger Schüler des Oberstufenrealgymnasiums Dreierschützengasse zehn Menschen und sich selbst tötete, wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. An öffentlichen Gebäuden wehen seither schwarze Fahnen, die Nationalflagge wurde auf halbmast gesetzt.

Bereits am Vorabend hatten das österreichische Fußball-Nationalteam und ihre Gegner beim WM-Qualifikationsspiel in San Marino der Opfer gedacht. Die ÖFB-Spieler trugen während der Partie Trauerflor.

Der mutmaßliche Täter besaß zwar eine Waffenbesitzkarte, die jedoch lediglich zum Erwerb und Besitz von Schusswaffen der Kategorie B berechtigt, nicht aber zum Führen derselben. Solche Waffen müssen ungeladen in verschlossenen Behältnissen transportiert werden. Zum Führen einer Waffe wäre ein Waffenpass erforderlich gewesen.

In manchen Landesteilen, wie etwa in Vorarlberg, begannen die Kirchenglocken erst nach der offiziellen Gedenkminute – um 10.01 Uhr – zu läuten. Die Kirchen wollten damit ein „Zeichen der Trauer und Verbundenheit mit den Opfern des Amoklaufs und ihren Angehörigen“ setzen.

Der ORF beteiligte sich an der Trauerminute auf allen Kanälen und blendete die Einblendung „Österreich trauert – In Gedenken an die Opfer des Amoklaufs in Graz“ ein. Die Radiosender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sendeten „einen Moment der Stille für die Opfer des Amoklaufs von Graz und ihre Angehörigen“.

Bei den Wiener Linien standen rund 900 Fahrzeuge für genau eine Minute still. Die Trauerminute wurde den Fahrgästen vorab per Durchsage angekündigt.

Waffenrecht in Österreich

Waffen sind in Österreich in drei Kategorien eingeteilt: Kategorie A umfasst verbotene Waffen und Kriegsmaterial wie Pumpguns oder Maschinengewehre. Zur Kategorie B zählen Faustfeuerwaffen, Repetierflinten und halbautomatische Schusswaffen. In die Kategorie C fallen Gewehre und Schrotflinten. Durch eine Gesetzesnovelle wurden 2020 die früheren Kategorien C und D zusammengelegt, was zu einem statistischen Anstieg der Waffen in Kategorie A führte.

Die Waffenzahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Zum 1. Jänner 2025 waren 1.498.893 Waffen bei 369.953 Besitzern registriert. Ein Jahr zuvor waren es 1.451.656 Waffen und 360.277 Besitzer, während am 1. Jänner 2023 noch 1.399.708 Waffen und 350.291 Besitzer verzeichnet waren.

Als Reaktion auf die Tragödie wurde der für Freitag geplante Termin zum Hissen der Regenbogenfahnen am Grazer Schlossberg abgesagt. Die Queer-Referate der Grazer Universitäten und die RosaLila PantherInnen gaben bekannt, dass stattdessen die reservierten Fahnenplätze für schwarze Trauerflaggen zur Verfügung gestellt werden.

Die Zahl der privaten Waffenbesitzer in Österreich ist weiter gestiegen. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres 2025 wuchs ihre Anzahl von 369.953 auf 374.141 – ein Plus von mehr als 4.000 Personen, wie das Innenministerium auf APA-Anfrage mitteilte. Aktuell sind 1.518.873 Waffen, Zubehörteile sowie Magazine im Besitz der österreichischen Bevölkerung.

Die meisten Waffenbesitzer leben in Niederösterreich, wo 97.513 Personen insgesamt 439.269 Waffen besitzen. In Vorarlberg gibt es mit 42.901 Stück die wenigsten Waffen, verteilt auf 11.895 Besitzer. Oberösterreich folgt Niederösterreich mit 65.911 Menschen, die 268.182 Waffen besitzen. Danach kommen die Steiermark (61.399 Besitzer/232.268 Waffen), Wien (40.464/150.144), Kärnten (29.316/109.318), Tirol (27.350/113.513), Salzburg (22.222/87.072) und das Burgenland (18.071/76.206).

Psychologische Hilfe

Nach traumatischen Ereignissen wie diesem Amoklauf können verschiedenste Reaktionen auftreten – von Angst und Fassungslosigkeit bis hin zu Orientierungslosigkeit. Edwin Benko vom Kriseninterventionsteam (KIT) betont: „Unterschiedliche Menschen gehen unterschiedlich damit um. Manche brauchen Gespräche, andere Ruhe, andere fühlen sich im Klassenverband am wohlsten.“ Wir versuchen herauszufinden, wer was braucht und entwickeln dann zusammen mit dem schulpsychologischen Dienst Lösungen.“

Auch Wut und Ohnmachtsgefühle können als Reaktion auftreten. „Gewisse Ereignisse wie diese Wahnsinnstat kann man nicht verstehen und kann sie auch nicht verhindern, aber die Krisenintervention hat Zeit zum Zuhören, gibt durch Anwesenheit Unterstützung und Sicherheit, bis das soziale Netz aufgebaut ist. Was wir immer wieder betonen: ‚Nehmen Sie Unterstützung an'“, so Benko.

Das KIT des Landes Steiermark wurde nach dem Grubenunglück von Lassing 1998 ins Leben gerufen. Die Teams stehen in ständiger Rufbereitschaft und werden durch Behörden und Einsatzorganisationen alarmiert. Die Mitarbeiter bieten auch Einsatzkräften Gespräche an, die bei ihrer Arbeit mit besonders belastenden Situationen konfrontiert waren.

Für die Angehörigen der Opfer, die Verletzten, Schüler und Lehrkräfte stellt der Amoklauf ein extrem belastendes Ereignis dar. Ehrenamtliche des KIT leisteten bereits am Dienstag psychosoziale Akutbetreuung. Am Mittwoch waren erneut mehr als 60 Helfer in der Helmut-List-Halle im Einsatz, wo sich Schüler, Lehrkräfte und Eltern treffen und Unterstützung erhalten können.

Die Bilder und Folgen dieser Gewalttat werden von den betroffenen Schülern und Lehrern nicht schnell verarbeitet werden können. Nach solchen traumatischen Ereignissen bieten in der Steiermark rund 400 speziell ausgebildete, ehrenamtlich tätige Fachkräfte – darunter Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten, Sozialarbeiter und erfahrene Einsatzkräfte – als Akutbetreuer im KIT ihre Hilfe an.

Bereits am Dienstag wurde der Nationale Sicherheitsrat einberufen, der am Donnerstag um 14.00 Uhr im Parlament zusammentritt. Dieses Beratungsgremium der Bundesregierung für Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik besteht aus Kanzler, Vizekanzler, Außenministerin, Innenminister, Verteidigungs- und Justizministerin sowie Vertretern der im Hauptausschuss des Nationalrats vertretenen Parteien.

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Das Bundeskanzleramt veröffentlichte eine Erklärung: „Österreich ist tief erschüttert vom Amoklauf an einer Schule in Graz. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei den Opfern, den Verletzten und deren Angehörigen. Gedenken Sie der Opfer mit einem Eintrag im Kondolenzbuch.“

Die NEOS haben ihre für das kommende Wochenende geplanten Mitgliederversammlungen verschoben. Die für Sonntag in Wien angesetzte Bundesmitgliederversammlung wurde abgesagt und wird voraussichtlich im Herbst nachgeholt. Auch die niederösterreichische Landespartei verschiebt ihre Mitgliederversammlung auf einen noch nicht festgelegten Zeitpunkt.

In Oberösterreich wurden zahlreiche Veranstaltungen abgesagt, darunter eine Pressekonferenz im Lentos Kunstmuseum und die Auftaktveranstaltung zum OÖ. Kultursommer. Auch mehrere Aufführungen des Theaterfestivals SCHÄXPIR in Linz wurden gestrichen. Bereits gekaufte Karten können umgebucht oder erstattet werden.

Das Innenministerium lud am Mittwoch zu einem Pressegespräch zum Thema „Amoklagen“ ein. Bundespolizeidirektor Michael Takacs, EKO-Cobra-Kommandant Bernhard Treibenreif und Peter Scheibner informierten über Vorbereitungen und polizeiliches Vorgehen bei Amoklagen.

Die Universitätenkonferenz drückte in einer Aussendung ihr Mitgefühl aus: „Nach Schock und Entsetzen setzt langsam das Begreifen über den schmerzhaften, unwiederbringlichen Verlust geliebter und geschätzter Menschen ein. Unendliche Trauer macht sich breit, und wir möchten den Angehörigen, Freundinnen und Freunden, den Mitschülerinnen und Mitschülern sowie dem Lehrkollegium unser tiefes Mitgefühl aussprechen.“

Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird am Mittwoch um 16.00 Uhr von Landeshauptmann Mario Kunasek in der Grazer Burg empfangen. Kunasek informiert den Bundespräsidenten über die Lage nach dem Amoklauf. Anschließend trifft Van der Bellen auch Bürgermeisterin Elke Kahr.

Die betroffene Schule bleibt geschlossen. Alle Verletzten befinden sich in stabilem Zustand.

Auch internationale Medien berichteten über den Vorfall. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb: „Die Teams werden viel zu tun haben in den nächsten Tagen und Wochen. Denn was man auch von anderen Schulamokläufen an Schulen weiß: Sie wirken weit über das Geschehen hinaus, traumatisieren nicht nur die Familien der Opfer, sondern auch Augenzeuginnen und Einsatzkräfte über Jahre.“

Die Muslimische Jugend Österreich erklärte: „Die Muslimische Jugend Österreich ist tief erschüttert über den gestrigen Amoklauf an der Schule in der Dreierschützengasse in Graz, bei dem zahlreiche junge Menschen – SchülerInnen und eine Lehrperson – plötzlich aus dem Leben gerissen und weitere Personen schwer verletzt wurden.“

Aktuell gibt es in Graz einen weiteren Polizeieinsatz: In der Volksschule in der Reiherstadlgasse wurde ein verdächtiger Gegenstand gefunden. Kontrollinspektor Markus Lamb erklärte: „Die Menschen sind seit der gestrigen Tat extrem sensibilisiert und teilen uns vermehrt Verdächtiges mit.

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„Es gibt auch Trittbrettfahrer, die bewusst falsche Informationen streuen.“

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KO KOSMO-Redaktion
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