Die Bevölkerung Österreichs zählt zu den am stärksten bewaffneten in Europa. Laut dem unabhängigen Forschungsprojekt „Small Arms Survey“ belegt das Land weltweit Rang 14 bei der Verbreitung von Schusswaffen – auf hundert Einwohner kommen etwa dreißig Waffen. Diese Statistik rückt nach dem heutigen Amoklauf in einer Schule in Graz erneut in den Fokus. Bei dem Vorfall wurden mindestens neun Menschen getötet und zwölf weitere verletzt. Der 21-jährige Täter nahm sich nach der Tat das Leben, wie die Behörden mitteilten.
Die Waffengesetzgebung in Österreich gilt im europäischen Vergleich als liberal. Während Maschinengewehre und Pumpguns verboten sind, können Revolver, Pistolen und halbautomatische Waffen mit behördlicher Genehmigung erworben werden. Voraussetzung ist ein Mindestalter von 21 Jahren und eine Waffenbesitzkarte.
Für Gewehre und Schrotflinten benötigen Personen ab 18 Jahren lediglich eine Waffenerlaubnis, einen gültigen Jagdschein oder die Mitgliedschaft in einem traditionellen Schützenverein. Die Registrierung muss innerhalb von sechs Wochen erfolgen. Grundsätzlich muss jeder Antragsteller einen Grund für den Waffenerwerb angeben, etwa Schießsport oder Selbstverteidigung. Eine psychologische Beurteilung kann verlangt werden, ist jedoch nicht verpflichtend.
Frühere Vorfälle
Die Geschichte der Massenschießereien in Österreich reicht mindestens bis 1981 zurück. Damals wurden bei einem Angriff mit einem Maschinengewehr und einer Bombe auf Besucher einer Bar-Mizwa-Zeremonie (jüdische Feier für 13-jährige Buben) zwei Menschen getötet und 30 verletzt. Zwei in Jordanien und im Irak geborene Palästinenser wurden ein Jahr später zu lebenslanger Haft verurteilt.
2013 tötete ein mutmaßlicher Wilderer drei Polizisten und einen Rettungssanitäter während einer Verfolgungsjagd nahe Annaburg. 2016 eröffnete ein Mann nach einem Streit mit seiner Freundin bei einem Konzert in Nenzing das Feuer, tötete zwei Menschen und verletzte elf weitere, bevor er selbst ums Leben kam.
Bei einem Anschlag in Wien 2020, kurz vor Beginn eines Corona-Lockdowns, wurden vier Menschen getötet und 23 verletzt.
Der Täter, den die Behörden als Sympathisanten der Terrororganisation IS beschrieben, wurde von der Polizei erschossen.