Overhead-Fach auf, Geldbörse auf: Eine australische Airline macht das Handgepäck zur Kostenfrage – und erntet prompt Gegenwind.
Die australische Billigfluggesellschaft Jetstar führt eine neue Gebühr für die Nutzung der Gepäckfächer in der Kabine ein. Ab sofort müssen Passagiere mindestens 25 australische Dollar pro Strecke zahlen, wenn sie ihr Handgepäck im Überkopffach verstauen möchten. Damit schließt sich Jetstar einer Praxis an, die bei Billigairlines in den USA und Europa bereits seit Längerem üblich ist.
Wer auf die Zusatzgebühr verzichten möchte, kann weiterhin kostenlos eine Handtasche, eine Laptoptasche oder einen kleineren Rucksack mit an Bord nehmen – vorausgesetzt, das Stück passt unter den Vordersitz. Für Gepäck, das im Überkopffach verstaut wird, gilt künftig eine Gewichtsgrenze von zehn Kilogramm; am Gate wird das Personal die Taschen nicht mehr kontrollieren. Die bisher gültige Sieben-Kilogramm-Beschränkung für das unter dem Sitz verstaubare Gepäckstück entfällt.
Jetstars Begründung
Jetstar-Chefin Stephanie Tully begründet die Neuregelung mit dem Ziel, den Boarding-Prozess zu straffen und Verspätungen zu verringern. „Indem wir unseren Kunden ermöglichen, eine Tasche unter dem Sitz mitzunehmen, und gleichzeitig die Option anbieten, Priority Carry-on zuzubuchen, können wir die Gepäckfächer effizienter nutzen, das Boarding vereinfachen und dazu beitragen, dass mehr Flüge pünktlich abheben“, erklärte Tully.
Kritische Stimmen
Dass die Maßnahme bei der australischen Kundschaft gut ankommen wird, bezweifelt Sharon Petersen, Geschäftsführerin des Branchenportals AirlineRatings.com. „Das wird für Unmut sorgen, denn australische Passagiere haben sehr hohe Erwartungen. Sie sind es gewohnt, in einer Art Vollservice-Blase zu reisen“, sagte Petersen. Zugleich räumte sie ein, dass die Grundtarife von Jetstar trotz der neuen Gebühr nach wie vor über jenen vergleichbarer europäischer Billigairlines liegen – bedingt durch geringeren Wettbewerb auf dem australischen Markt sowie höhere Löhne, Steuern und Betriebskosten.