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Begabung

Neue Geheimwaffe: Polizei-Superhirne erkennen Verbrecher in der Menge

Neue Geheimwaffe: Polizei-Superhirne erkennen Verbrecher in der Menge
FOTO: iStock/EvgeniyShkolenko
3 Min. Lesezeit |

Sie erkennen Gesichter in Menschenmengen, trotz Verkleidung oder nach Jahren der Veränderung. Österreichs Polizei setzt jetzt auf Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Die Exekutive setzt künftig auf Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten zur Gesichtserkennung. Seit Oktober sind in Vorarlberg elf sogenannte Super Recognizer (Personen mit außergewöhnlicher Gesichtserkennungsfähigkeit) im Rahmen eines Pilotprojekts im Einsatz. Bei einem Hintergrundgespräch im Innenministerium erläuterte Franz Ruf, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit, die besonderen Qualitäten dieser Spezialisten: „Super Recognizer verfügen über angeborene Fähigkeiten, die nicht trainierbar sind.“ Sie könnten Gesichter selbst unter erschwerten Bedingungen identifizieren – etwa in Menschenmengen, bei kurzer Sichtbarkeit oder trotz altersbedingter Veränderungen. Auch bei ungewöhnlichen Blickwinkeln oder mit Gesichtsbehaarung sei eine Erkennung möglich, ergänzte Holzer.

Nach dem Vorbild von Polizeibehörden in Berlin, München und St. Gallen will das Innenministerium diese Fähigkeiten nun systematisch nutzen. Ruf verwies besonders auf die Erfahrungen aus St. Gallen, wo während eines einjährigen Testbetriebs rund 300 Ermittlungsansätze bei einer Fehlerquote von nur drei Prozent generiert wurden. Bei lediglich zwei Großveranstaltungen konnten dort 20 gesuchte Personen identifiziert werden. In 60 Prozent der Fälle hätten die Identifizierten schließlich ein Geständnis abgelegt.

Österreichweites Testverfahren

Diese positiven Erfahrungswerte führten zur Entscheidung, das Konzept in Österreich zu implementieren. Das Ministerium nahm Kontakt mit der Neurowissenschaftlerin Meike Ramon von der Berner Fachhochschule auf, die als Entwicklerin des bislang einzigen Diagnoseverfahrens zur Erkennung von Super Recognizern im deutschsprachigen Raum gilt. „Sie hat es uns kostenlos zur Verfügung gestellt“, berichtete der Generaldirektor. Im November 2024 wurden daraufhin 903 Exekutivbedienstete getestet.

Von den getesteten Beamten wiesen 30 Personen – elf in Vorarlberg und 19 in Niederösterreich – die gesuchte Begabung auf. Sie sollen künftig in verschiedenen kriminalpolizeilichen Bereichen eingesetzt werden, darunter Bildfahndung, Zielfahndung, Observationen und bei Großveranstaltungen. Parallel dazu prüfe man „Synergien mit etwa dem Gesichtserkennungssystem des Bundeskriminalamts“, erklärte Holzer. Bei Treffern in der elektronischen Gesichtsfelderkennung würden die Ergebnisse von den Spezialisten nochmals überprüft – ein „Match zwischen digitaler und analoger Ermittlung“, wie Holzer es formulierte.

Kostengünstige Umsetzung

Die Koordination des Projekts liegt bei den Landeskriminalämtern der beteiligten Bundesländer. Die Super Recognizer erhalten regelmäßig Fahndungsfotos, die sie sich einprägen und anschließend im Dienst anwenden. Auch ein Einsatz bei gezielten Schwerpunktaktionen sei denkbar, fügte Ruf hinzu.

Vor dem Hintergrund des Spardrucks im öffentlichen Dienst hoben Holzer und Ruf die geringen Kosten des Projekts hervor. „Wir nutzen das bestehende Potenzial in unserer Organisation“, erklärte der Generaldirektor. Zudem sei das Vorhaben datenschutzrechtlich unbedenklich, da keine technischen Systeme zum Einsatz kämen.

Der Probebetrieb läuft bis Ende Februar 2026 und wird dann evaluiert. Die leitenden Beamten betonten, dass eine österreichweite Ausweitung das Ziel sei. Holzer zeigte sich diesbezüglich „optimistisch“, während Ruf ergänzte, es spreche „aus jetziger Sicht vieles dafür“.

Eine frühzeitige Erkennung von Gefährderinnen und Gefährdern bedeute letztlich „mehr Schutz für die Bevölkerung“, unterstrich der Generaldirektor.

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KO KOSMO-Redaktion
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