Biometrische Kontrollen statt Stempel: Kroatien rüstet seine Grenzen mit neuem EU-System auf. Die Umstellung erfolgt schrittweise – Reisende müssen sich auf Änderungen einstellen.
Ab Oktober 2025 führt Kroatien an seinen EU-Außengrenzen das neue Ein- und Ausreisesystem (EES) ein. Das System erfasst Fingerabdrücke und Gesichtsfotos von Nicht-EU-Bürgern und wird schrittweise implementiert. Wie das kroatische Innenministerium gegenüber Forbes Kroatien bestätigte, ist die technische Infrastruktur bereits vollständig eingerichtet und wird an allen internationalen Grenzübergängen zum Einsatz kommen – einschließlich der temporären Übergänge an der Grenze zu Bosnien und Herzegowina.
In der Anfangsphase wird das System zunächst vier Stunden täglich betrieben – zwei Stunden pro Zwölf-Stunden-Schicht. Die Betriebszeit wird dann monatlich um jeweils zwei Stunden ausgeweitet, bis am 10. April 2026 der Vollbetrieb erreicht ist. Während dieser Übergangsphase werden Reisedokumente weiterhin zusätzlich mit herkömmlichen Stempeln versehen.
Für Reisende aus Drittstaaten, die dem EES-System unterliegen, werden spezielle Ein- und Ausreisespuren eingerichtet. Allerdings wird das System bei hohem Andrang flexibel auf allen Spuren einsatzbereit sein. Das Innenministerium rechnet in der Anfangsphase mit Verzögerungen an den Straßengrenzübergängen, da Drittstaatsangehörige ihre Fahrzeuge verlassen müssen, um ihre biometrischen Daten erfassen zu lassen oder ihr bestehendes Dossier zu verifizieren.
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Technische Umsetzung
Um den Prozess zu beschleunigen, verfügt die Grenzpolizei über mobile EES-Geräte, die je nach Situation direkt an den Kontrollspuren eingesetzt werden können. An den internationalen Flughäfen in Zagreb, Split, Dubrovnik, Pula, Zadar und Rijeka wurden zudem Selbstbedienungs-Kioske installiert. Diese dienen Erstbesuchern des Schengen-Raums zur Vorregistrierung, sind jedoch nicht für Inhaber von Aufenthaltsgenehmigungen oder Langzeitvisa vorgesehen.
Der Registrierungsprozess am Kiosk umfasst das Scannen des Reisedokuments, die Erfassung des Gesichtsbildes und der Fingerabdrücke der rechten Hand sowie einen kurzen Fragebogen zum Reisezweck. Nach dieser Vorregistrierung werden die Reisenden zur manuellen Grenzkontrolle weitergeleitet, wo die Daten überprüft und das EES-Dossier erstellt wird. Bei künftigen Grenzübertritten erfolgt die Identifikation durch biometrischen Abgleich. Für Kinder unter zwölf Jahren entfällt die Fingerabdruckerfassung, sie werden jedoch fotografiert. Nach der Einführungsphase und mit steigender Zahl registrierter Reisender rechnet das Ministerium mit deutlich kürzeren Wartezeiten.
Finanzierung und Ausblick
Die technische Ausstattung für das System wurde mit EU-Mitteln in Höhe von über 13 Millionen Euro finanziert. Insgesamt wurden fast 300 Kameras zur Gesichtserkennung und mehr als 600 Geräte zur Fingerabdruckerfassung beschafft.
Reisende aus Drittstaaten müssen sich ab dem 12. Oktober auf das neue Verfahren einstellen. Neben der üblichen Dokumentenkontrolle werden künftig ihre biometrischen Daten erfasst.
Inwieweit dies die Wartezeiten an Grenzen und Flughäfen tatsächlich beeinflussen wird, lässt sich derzeit noch schwer abschätzen.
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