Starke Nebenwirkungen nach der Impfung – doch warum trifft es manche härter als andere? Genfer Forschende haben einen entscheidenden Hinweis gefunden.
Warum reagieren manche Menschen nach einer mRNA-Impfung mit stärkeren Nebenwirkungen als andere? Forschende der Universität Genf und der Genfer Universitätsspitäler haben dafür nun einen möglichen Erklärungsansatz gefunden: Entscheidend ist offenbar die Aktivität der Interferone im Immunsystem. Diese Moleküle gehören zur angeborenen antiviralen Abwehr des Körpers und beeinflussen, wie intensiv Symptome wie Fieber oder Kopfschmerzen nach einer Covid-19-Impfung auftreten.
Für die Untersuchung wurden 51 gesunde Erwachsene begleitet, die jeweils zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs erhalten hatten.
Interferone als Schlüssel
Die in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine am 17. September 2026 veröffentlichte Studie zeigt im Detail: Wer vor der Impfung bereits eine erhöhte Interferon-Aktivität aufweist, entwickelt danach häufiger und stärker ausgeprägte Nebenwirkungen. Interferone sind Botenstoffe, die das Immunsystem bei Viruskontakt ausschüttet, um die körpereigene Abwehr zu aktivieren. Weshalb diese Reaktion von Person zu Person so unterschiedlich ausfällt, ist bislang nicht abschließend geklärt – als mögliche Einflussfaktoren gelten genetische Veranlagung, das individuelle Mikrobiom sowie frühere Entzündungsprozesse im Körper.
Schutzwirkung unberührt
Aus den Befunden geht klar hervor, dass die Intensität der Nebenwirkungen nichts über die Schutzwirkung des Impfstoffs aussagt. Studienleiter Arnaud Didierlaurent stellt dazu fest: „Eine schwache Reaktion oder gar das Ausbleiben von Symptomen nach der Impfung bedeutet keinesfalls, dass der Impfstoff unwirksam ist.“ Auf längere Sicht könnten die Genfer Erkenntnisse in die Entwicklung von Impfstoffen einfließen, die bei gleicher Wirksamkeit besser verträglich sind.
Als nächsten Schritt wollen die Forschenden untersuchen, ob dieselben Mechanismen auch bei anderen Impfstoffen eine Rolle spielen.